Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1841)
- Date
- 1841-11-27
- Page
- Seite 682 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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682 setzung davon zu geben. Herr Capesigue wird hierin sehr interessante Details über die Privilegien finden, welche die Juden damals genossen. Sie bildeten gewissermaßen eine Nation im Staate, sie hatten ihre Richter erster Instanz und zur Appellation, ihre Greffier, Notare, Lokalbehörden, und diese verschiedenen Beamteten empfingen ihre Bestallung von dem Könige von Portugal, die Autorität eines katholischen Herrscher unterstützte und führte aus ihre Entscheidungen. Alle diese Begünstigungen hörten unter dem Könige D. Manuel auf. Eine gehässige Verfolgung trat seitdem an die Stelle einer unter gewissen Beziehungen vielleicht zu ausgedehnten Toleranz. Die Inquisition quälte mehr als zwei Jahrhunderte, unter dem Namen der neuen Christen, die abtrünnigen Juden, ihre Abkömmlinge, und die, welche im Geheimen ihrer Religion treu der allgemeinen Verbannung entgangen waren. Endlich milderte eine über ihre Interessen aufgeklärtere Regierung die Verfolgung, sie hörte sogar ganz und gar auf. Jeder Unterschied des neuen und alten Christen wurde streng unterdrückt, diese Benennungen wurden gesetzmäßig abgeschafft. Die Inquisition verlor einen Theil ihrer Macht unter dem Ministerium Pombal; sie wurde 182t aufgehoben und wird wahrscheinlich nicht wieder aus ihrer Asche erstehen. Das zweite Dokument ist eine kurze Antwort auf die vier von Herrn Capesigue gestellten Fragen. Man übergiebt Herrn Capesigue eine Uebersetzung dieser Antwort. Es ist dem Generalkonsul unmöglich sich den Untersuchungen hinzugeben, welche sie erfordert, welche Anziehung der Gegenstand auch sonst für ihn hätte. Aber man ladet Herrn Capesigue ein, sich, wenn er es für nothwendig hält, mit Herrn Pedro de Mello Breyner, der so eben zum Bevollmächtigten Portugals in Paris ernannt worden, und eines der ausgezeichnetsten Mitglieder der Akademie von Lissabon ist, in Verbindung zu setzen; dieser wird ohne Zweifel ihm die in der Antwort des Herrn Gordo citirten Memoiren mittheilen, und Untersuchungen in den Archiven von Lissabon, Torre do Tvmbo genannt, erleichtern können. Es giebt keine portugiesische Juden mehr in Portugal. Man weiß, daß sie sich thrils nach Afrika, theils nach mehreren Handelsstädten Europa's, nach Bordeaux, Bayonne, Livorno, Avignon, Marseille und besonders nach Amsterdam zurückgezogen haben. Allerdings ist es wahr, daß in Thomar und einigen Ortschaften von Estremadura und la Beyra ein großer Theil der Bevölkerung jüdischen Ursprungs ist. Aber man kann kaum einige Familien nennen, welche im Gerüchte, heimlich zu judaifiren, stehen. Die Nothwendigkeit, der Vortheil und die Zeit haben die Vereinigung aller von Juden abstammenden Portugiesen mit der katholischen Kirche herbeigeführt. Alles was von dem alten Glauben in diesen Familien übrig bleibt, scheint sich auf durch erbliche Traditionen bewahrte Gewohnheiten in ihrem Hauswesen zu beschränken. Sie bekennen offen die Staatsreligion und es ist nirgends erwiesen, daß einige eingeborne Portugiesen fortgesetzt die Synagogen besuchten, oder daß sie unter dem Vorwände von Handelsgeschäften ihre Söhne in die Fremde gesandt hätten, um im Gesetz ihrer Väter unterrichtet zu werden, sowie man sie bisweilen beschuldigt hat. Zum Ersatz giebt es hier fremde Juden, und diese werden geduldet. Jndeß sind sie nur in Lissabon in genügender Anzahl, um eine Gemeinde zu bilden, obschon auch in dieser Hauptstadt ihre Zahl 5—600 nicht übersteigt. Einige unter diesen und zwar die reichern, sind aus Gibraltar gekommen; sie sind von portugiesischem Ursprung, aber sie würden im Nothfall den Schutz und die Privilegien, deren in Portugal die Unterthanen Ihrer brittischen Majestät theilhaftig sind, in Anspruch nehmen. Der größte Theil kommt aus Afrika, und fast alle diese tragen das Kostüm das bei den Barbaresken gewöhnlich ist. Sie haben immerwährende Verbindungen und machen häufige Reisen nach Sale, Tanger, Mogador, Algier und Tripolis. Mit Ausnahme einer kleinen Anzahl Inden, welche türkische Pantoffeln machen, beschäftigen sich alle andern mit Tausch¬ und Seehandel. Derjenige den sie mit Marokko und der Barbarei treiben, wohin sie Getreide aus den Kolonien senden, und von wo sieLack, Gummi, Felle und maroquirtes Leder erhalten, erhebt sich jährlich auf ohngefähr eine Million Francs, andere Juden die aus Gibraltar gekommen .sind, machen viel Geschäfte mit diesem Hafen, mit Kadix und ganz Spanien, selbst mit Indien und China. Es existirt hier auch ein Haus von Marseiller Juden. Diese Juden haben wohlgeordnete Comptoire, Schiffe,