Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 679 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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679 nichts dir nichts durchgestrichen werden könnten, welche historische Glaubwürdigkeit hätten die, welche jene Hyperkritiker nicht durchstreichen? Will die Schrift eine genau fortlaufende Geschichte der Israeliten schreiben? Was meldet sie aus den Jahrhunderten in Aegypten? Nichts, als die Hinkunft Jakob's und den Wegzug Jsrael's. Wir werden unten sehen, daß auch von dem Aufenthalte in der Wüste nur der Hineinzug bis Kadesch mit der Motivirnng des 40jährigen Aufenthalts, und der Hinauszug während des 40sten Jahres bis zum Jordan gegeben werden sollte. Die zwischenliegende Zeit ist ihr als für die Hauptsache bedeutungslos gleichgültig. Der hauptsächlichste Grund ist jenen Kritikern, woher die Nahrung nehmen für eine solche Menschenmasse während 40 Jahre? Hatten sie keine Nahrung für 40 Jahre, so auch nicht für zwei Jahre: hatte sie solche für zwei Jahre, so auch für 40 Jahre. Wir stehen hier an der Gränze des Wunderbaren, das Niemand hinwegleügnen kann. Die Israeliten sind aus Aegypten gezogen, sie zogen durch die Wüste, das steht fest; wir sie da ernährt worden? eine natürliche Erklärung hilft hier nicht aus, zwei Jahre sind aber eben so wenig eine Erleichterung, wie vierzig eine Erschwerung der Frage. Sehen wir dagegen auf die innere Motivirung der langen Wanderung, so springt sie auf's leichteste in die Augen. Die Israeliten zeigen sich einerseits schon auf dem Zuge bis zur Gränze Palästina's (Kadesch) bei jeder Gelegenheit noch unfähig für die hehren Ideen, die ihnen mitgetheilt werden. Es ist keine arabische Horde, die vom Worte Mohamed's entstammt, durch Wüsten und Orden, trotz Mangel und Entbehrung hervorbricht. Mit Murren wird jede Beschwerde ertragen, mit Trotz jede Beschwichtigung durch's Wort beantwortet. Wenn auch der augenblickliche Eindruck sie hinreißt, bald ist er wieder verwischt, und das feierlichste Gelöbniß des Gehorsams ist vergessen. Jetzt nahen sie sich der Gränze des ersehnten Landes, man will erst wissen, wie das Land beschaffen, das man in Besitz nehmen will^ und ob es von mannhaften Leuten, die sich wehren-, bewohnt ist. Die Kundschafter kehren zurück: diese selbst von Furcht und Feigheit beseelt erzählen von den Festen, die zu erobern, von ven Völkern, die zu besiegen waren. Da zeigen sich die Israeliten feige im höchsten Grade, sie wollen lieber in die Knechtschaft zurück, einen andren Führer sich setzen, nach Aegypten zurück! So sind sie denn auch ein muthloses Geschlecht, dem der Gedanke des Kampfes schon die Freiheit verleidet. Gegen den eignen Führer können sie wol wüthen, die Tapferen, welche sie zum Kampfe ermuthigen, steinigen, aber kämpfen nicht. Und wie sollte es auch anders sein? Seit Jahrhunderten unter dem Joche der Sklaverei, nie zum Kampfe gebraucht, hatten sie ja auch nie schon ein Volk gebildet, noch nie Volksbewußtsein besessen, sie waren bis jetzt eine Masse, aber kein Volk gewesen. Daß sie Amalek besiegt, will nichts sagen, das war eine einzelne Horde gewesen, (denn bald erscheint Amalek wieder,) aber nicht ein Land voller kampfgerüsteter, seßhafter Völkerstämme. Also es mußte anders werden. Mit diesem Geschlecht war Nichts angefangen. Lehre, Gesetz, Organisation mußten erst in einem neuen, aufwachsenden Geschlechts wurzeln. In der Wüste selbst mußte es an der Brust einer rauhen Natur die Milch der Freiheit trinken und sich davon erfüllen lassen. Welch' ein angemessner Aufenthalt, um zu einer kräftigen Nation heranzureifen, im Kampfe mit eigenen Bedürfnissen, fern von Luxus und Verzärte-- lung, kämpfen zu lernen, im Gefühl, ein Volk zu sein, Volk zu werden. Aus dieser gedrängten Darstellung ersieht man die tiefe, psychologische Wahrheit der 40 Jahre in der Wüste. Ja, es ist dies in der Natur der Sache so wahr, daß, wann die Schrift vergessen hätte, uns den länger» Aufenthalt in der Wüste anzugeben, gewiß dieselben Kritiker mit Hochmuth ausgerufen hätten: wer will uns weiß machen, daß Moses einen Sklaventroß aus Aegypten direkt nach Canaan geschleppt, und mit dem rohen, verweichlichten, kampfungeübten Haufen ein Land voll tapferer, kriegsgerüsteter Völker mit (damals unüberwindlich) festen Städten und den Waffen der Civilisation erobert .habe! Wir übergehen Einzelnes, wie der Tod der drei Geschwister, Mirjam's, Ahron's und Mosis, im angeblich zweiten Jahre, nachdem sie so eben noch kräftig und wirksam gewesen, und glauben, nachdem die anderen Schwierigkeiten beseitigt sein werden, den länger» Aufenthalt der Israeliten in der Wüste deutlich gemacht zu haben. (Fortsetzung folgt.)