Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 677 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225221--03954-3313522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
677 fam hielt, ihn auf die Jeschiba (talmudischeS Seminari'um) nach Prenzlau zu schicken, wo der damalige Rabbine Josef Alba als lumen in der talmudischen Welt, residirte. Schon in seinem väterlichen Hause hatte Basch der Nacht einige Stunden zur Erlernung der Elemente der deutschen Wissenschaften abgewonnen; jetzt konnte er schon ungestörter und offener sich den Studie« widmen, ohne sich dadurch bei seinem orthodoxen Lehrer zu verdächtigen, da seine talmudischen Kenntnisse bewiesen, daß er dieses Studium nichts weniger als vernachlässigte. Was andere erst nach vielen Jahren sich aazueignen wußten, lernte er kn der kürzesten Zeit; sein deutscher Styl wurde korrekt und fließend, er las die französischen und einige leichtere lateinische Autoren mit Fertigkeit, und auch seine geographischen und geschichtlichen Kenntnisse blieben nicht hinter den übrigen zurück. Im Jahre 1817 kam er nach Berlin, mit sich selbst uneinig, ob er auf dem bisherigen Wege, den Talmud zu seinem Hauptstudium zu machen, fortfahren, ober sich einem andern Studium widmen solle. Auf einem Dachstübchen in der Rofenstraße wohnend, lebte rr nur seinm Büchern, und übte einmal der allgewaltige Tyrann, der Hunger, seine Gewalt aus, so schrieb er hebräische Copialien, bis das bescheidne Mittagsmal verdient war. Damals lieferte er auch häufig Beiträge für das Wadzecks-Wochenblatt, und Niemand ahnte wol, daß der gemüthliche Verf. so vieler launigen Aufsätze mit solcher Noth zu kämpfen hatte. Die Lage unscrs B. sollte sich jedoch bald ein wenig besser gestalten. Man hatte von seinem umfangreiche» Wissen, seiner Anspruchlostgkeit und der Biederkeit seines Charakters gehört und suchte ihn zu veranlassen den Kindern mehrerer jüdischen Familien gleichzeitigen Unterricht zu ertheilen. Dies geschah mit so gutem Erfolge, daß Basch bald eine Schule gründen konnte. Zm Frühjahre 1825 machte er eine große Reise nach dem Süden und Westen Deutschlands und knüpfte bei dieser Gelegenheit die interessanttsten Bekanntschaften mit den literarischen Notabilitäten an. Auch bei Göthe fand der junge bescheidene Gelehrte freundliche Aufnahme. Mit vielem Vergnügen erinnerte er sich stets jener Zeitz es war die einzige in seinem Leben, wo sein Blick frei in GotteS Schöpfung umherschweiste, und sein freier Geist nicht von den drückenden Verhältnissen gefesselt wurde. Im Jahre 1825 übernahm er den hebräischen Unterricht am Weyl'schen Seminar. Im folgenden Jahre vermählte er sich mit Minna Weyl; schon seit sechs Jahren hatte zwischen ihnen das heiligste Freundschaftsbündniß bestanden. Die folgende» 10 Jahre hatten keine auffallende Veränderung in seinm Lebensverhaltnissen erzeugt; als jedoch das Seminarium einging und auch seine Schule das Loos der meisten übrigen jüdischen Schulanstalten traf, daß sie nur einer geringen Theilnahme sich zu erfreuen hatte, erfüllte ihn die Ernährung seiner ziemlich zahlreichen Familie mit mancherlei Sorgen. Dies konnte ihn jedoch nicht hindern seine wissenschaftlichen Bestrebungen mit noch erhöhtem Fleiß« fortzusetzen. Der Tod seines Vaters, dem er in wahrhaft kindlicher Liebe zugethan war, seiner Schwester und eines seiner geliebten Kinder ließen den betrübendsten Eindruck auf ihn zurück. Noch immer war er Bekannten und Unbekannten der unermüdliche Freund in der Noth; andere, glücklich zu wissen, opferte er sein eigenes Gut. Aber wo crWohlthaten gesäet, mußte er Undankbarkeit erndten; er sah die Bornirtheit triumphiren, während das Schicksal ihn auserwählr zu haben schien, wie die Meereswoge hin- und hergeworfen zu werden, um endlich am Ufer zu brechen. Solche bittere Erfahrungen mußten die in ihm schlummernde Melancholie, mit ihrem grausigen Gefolge hecaufbeschwören; sein in Leiden gestähltes Herz hatte die Körperkraft in ihm vernichtet. Im Frühjahr 1841 erkrankte er. Noch hatte sein Geist alle seine Frische behalten und in schmerzlosen Stunden erheiterte er sich durch Schachspiel, worin er eine ungewöhnliche Meisterschaft besaß. Mit stoischer Ruhe las er mir eines Tages seine Grabschrift vor, die er so eben geschrieben hatte: m»-ir''n rinn , ftt-Von nnn niLN srwp-snpn nnn n-ip-mp1' nnn nvnnon nnn iTQiiN ■'Viniö-'nJW’ ■■“)£> nNT Kurz vor seinem Tode war noch einmal Hoffnung, ihn zu retten, vorhanden. Freitag den 24. Sept. um die Mittagsstunde kam ich zu ihm und drückte meine Freude über den, uns vom Arzte gebrachten Tröste aus. Nie werde ich es vergessen, .wie er mir darauf im emsten und feierlichen Tone geantwortet: „Gott sek Dank, jetzt bin ich durch!..." ES war am Vorabende des VerföhnungsfefieS