Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 675 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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675 Deputation der achtbarsten Israeliten eingeholten Behörden, der wohllöbliche Magistrat und das Stadtverordneten Kollegium sich ihm anschlossen. Ihnen reihten sich an , die um dem Feste bcizuwohnen dorthin von vielen Städten gekommenen Israeliten, gefolgt von den übrigen Mitgliedern der Gemeinde. 'Von den ernsten Tönen einer feierlichen Musik begleitet, näherte die Procession immer mehr dem neuen Tempel, auf dessen Gipfel eine vom Herrn Joseph Wertheim der Gemeinde zum Geschenk gemachte Wetterfahne prangte, worauf die zehn Gebote stehen, durch die mit Blumen-Guirlanden und Festons sinnreich geschmückten Straßen. Sowol an den Fenstern als auch aus den Straßen sah man eine fast unübersehbare Menge Schaulustiger, welche jedoch auf keine Weise zu irgend einer Störung Veranlassung gaben, so daß die von Seiten der Polizei mit so vieler Umsicht getroffenen Anstalten überflüssig wurden. Vor der Pforte der Synagoge angelangt, stellten sich sämmtliche Züge mit Ausnahme der Toraträger zu beiden Seiten auf. Im Namen der Gemeinde wurde dem zeitigen Magistrats-Dirigenten der Schlüssel zur Eröffnung des Gotteshauses überreicht, welchen dieser annahm und mit Hinzufügung einiger kräftigen Worte über die doppelte Bedeutung dieses wichtigen Tages den feierlichen Akt verrichtete. Die Pforten öffneten sich und unter rauschender Musik zogen die Toraträger, dann die Wohllöbl. Behörden, das Wohllöbl. Stadtverordneten-Kollegium, die eingeladenen Notabilitäten und Bürger der Stadt durch die aufgestellten Reihen in die dem Herrn erbaute heilige Stätte ein. Zu dem günstigen Resultate trug der geistreiche Vortrag des bewährten Predigers Herrn vr. Cohen aus Berlin so viel bei, daß ihm die Gemeinde, sowie sämmtliche in der Synagoge anwesenden Personen zum ewigen Danke verpflichtet sind. Er sprach mit wahrhaft begeisternder Kraft über den Einfluß des Gottesdienstes auf das sittliche Verhalten der Juden, leitete später mit dem bekannten Denkspruche das Weihegebet ein, welchem ein eben so schön gewähltes als von Herzen gesprochenes Gebet folgte. Es dürfen indeß die Leistungen des Herrn Kantors Lichtenstein nicht unerwähnt bleiben, denn auch sie haben sehr viel zur Erhebung der Gcmüther beigetragen, indem dieser musikalisch gebildete Mann durch seine kunstsinnige Ausführung der Gesänge und lobenswürdige Präcision beim Dirigiren, der Feierlichkeit einen nicht unbedeutenden Glanz verlieh. Ihn unterstützte der dortige christliche Gesangverein, an dessen Spitze der verdienstvolle Herr Kantor und Organist Härzer steht. Nach beendigtem Gottesdienst versammelte sich die Gemeinde im Saale des Schauspielhauses, welcher auf eine der Wichtigkeit des Tages angemessene Weise dekorirt war, zu einem -frohen Festmale, an welchem 120 Personen Theil nahmen. Um fünf Uhr, sowie am folgenden Tage von acht Uhr ab verrichtete die Gemeinde in dem Gotteshause, ihre religiöse Andacht und nahm gegen Mittag wiederum an einer Festtafel Platz. Auf den Wunsch Vieler bestieg Herr. vr. Cohen gegen drei Uhr die Kanzel, und erfreuete sich, trotz dem er unvorbereitet sprach, des ungetheikten Beifalls sämmtlicher Anwesenden. Endlich endete ein Ball die Feierlichkeiten. Berichte über den Stand des Knstns. Stolp, 4. November. Seit einigen Jahren ist, wie überall, auch hier ein befferer Sinn für einen geregelten Gottesdienst, Verbesserung der Schul - und Gemeinde-Angelegenheiten rege geworden; denn alles war leider dem Verfall nahe. Doch, Gottlob! es. ist anders und besser geworden! Der Bau eines neuen Tempels ist mit Gott vollbracht worden. Durch seine allgütige Hülfe ist das große Werk dahin gediehen, daß es nun in seiner prachtvollen Vollendung Schuldenfrei da steht, und auch die innere Einrichtung desselben, der Neubau eines daran grenzenden , in seiner Bequemlichkeit gewiß selten anzutreffenden Quellbades, die Elementarschule, nebst Kantor- und Lehrer-Wohnungen, alles steht zur Freude Aller da. — Nicht nur Wohlhabende, sondern auch minder Bemittelte, gutgesinnte Mitglieder haben keine Opfer gescheut, das große Werk (es kostet circa 10,000 Thlr.) seiner Vollendung naher führen zu helfen. Dem spater gefühlten Bedürfniß, bei geregeltem Gottesdienste auch ein Chor zu errichten, ward leicht abgesehen, und-wir erfreuen uns nun eines von wohlgebildetcn Erwachsenen und Kttkrben besetzten Chors, unter einsichtsvoller Leitung unseres neu erworbenen höchst würdigen Kantors Herrn Friedlander, dessen Dortrag unserer heiligen Gebete gewiß jeden, für wahre Religion em-'