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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-20 · Heft 47 (20.11.1841) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 47 (20.11.1841)
Date
1841-11-20
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
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670 aber doch nichts denn das Beiwerk, die Schale und Hülse bildet? Er ist Gegenstand für das Haus, wo er durch Anschauung und lebendiges Beispiel einer täglichen Uebung wirksamer sich mittheilt, wie denn der würdige David Friedländer diesen Theil der israelitischen Religion sehr treffend mit dem Namen einer Hausreligion bezeichnet. Und bei der Verschiedenheit, welche über das Cerimonial-Gesetz in der Praxis der Familienhäuser herrscht, von dem eigensinnigsten Festhalten an dem Widersinnigsten, alle Nüancen hiedurch, bis zur gänzlichen Abweisung aller und jeder Form, wär's auch die nothwendigste: welcher Ansicht soll die Schule huldigen, für welche Praxis darf sie sich aussprechen, ohne durch die Kinder selbst in den Häusern der entgegengesetzten Ansicht Verwirrung anzurichten, ohne unter ihren eignen Zöglingen den Samen der Intoleranz auszustreuen, und, bei einem Theile der Kinder wenigstens, Schule und Haus noch mehr in Widerspruch zu bringen, als sie es leider anderweitig genug schon sind? Nein! Ohne dieses wie jenes völlig auszuschließen, was bei einem vollständigen Unterrichte und bei den öfteren Interpellationen wißbegieriger Schüler ohnehin nicht möglich fein wird, bleibe der eine wie der andere Theil den Gebieten, die ihre Cultür zur besonder« Aufgabe haben; der Jugend als der wichtigsten Lebenszeit, sei auch der wichtigste Theil der Religionslehre Vorbehalten; die Jugend, als das reinste und glücklichste Menfchenalter, schmecke auch das Reinste und Süßeste der Religion, den Kern, so frei als möglich von Beigeschmack und Nebenwcrk, damit er in dem jungen, empfänglichen, unverdorbenen Boden wurzeln und von daher seine Keime fröhlich treiben könne: das spätere Leben wird schon von selbst, wie in der Natur ja stets geschieht, dem Baume die Rinde und der Frucht die Schale ansetzen. — Gott erkennen, mir ihn als Weltschöpser zu bewundern, als Vater und Erhalter zu lieben, als heiligen Gesetzgeber zu ehrenals treuen Führer unseres Lebens ihm folgen zu können; dieses Gottes Gebot verstehen lernen, das er uns in's Herz gegraben, in der Schrift geoffenbart, um uns zum Gehorsam, zur Liebe, zum Vertrauen und dadurch zur Hoffnung und Verheißung zukünftiger, besserer Tage zu leiten; Tugend und Sittlichkeit als das wahre Leben, Genügsamkeit als den einzigen Reichthum, Thatigkeit und Wohlthun als den schönsten Gottesdienst betrachten lernen; in dem kleinen Kreise des Hauses und der Schule schon .das Vorbild des Staates, in seinen Häuptern und Gliedern, nach Gesetz und Ordnung regiert, erblicken, und wie die Schule eine Vorbereitung für das Leben in der Welt, also die Welt als Vorbereitung für ein umfassenderes, höheres, unvergängliches Dasein und Streben anzusehen gewöhnt werden: bedarf dir Jugend mehr, um „Gunst und Wohlgefallen in den Augen Gottes zu finden?" (Spr. Sal. 3, 4.) — Ist solches nicht nach Sinne des weisesten Lehrers: „gewöhne den Knaben, wie sein Wandel es fordert, so wird er auch, wenn er älter geworden, davon nicht weichen." (Das. 22, 6). Und soll die Jugend bei der kurzen Schulzeit, die ihr jetzt gewöhnlich wird, nicht aus dem kürzesten Wege es empfangen?" — Eine sehr zweckmäßige Veranstaltung an der israelitischen Freischule ist folgende: „Zu der Wohlthat der Bekleidung abseiten des Frauenvereins gesellte sich im Jahre 1823 die eines Mittagstisches im Schulhause für solche Kinder, welche zu Hause, besonders im Winter, erwärmende Nahrung zu finden nicht hoffen können. Das löbliche Armenkollegium kam dieser Einrichtung durch Ertheilung einer Anzahl Portionen an Suppe und Brod bereitwillig entgegen. Dieser Mitragstisch besteht seitdem unausgesetzt für alle sechs Schultage, die Zahl der Theilnehmer ist 20 bis 24." Auch folgende, minder ungewöhnliche: „Auf das Gesuch mehrer Familienväter, deren Kinder gegen Bezahlung den Unterricht genossen, und auf ihre Kosten, ward im Oktober 182» eine Abendschule eingerichtet, in welcher dieTheilnehmer nach beendigter Schulzeit unter Aufsicht eines besondern Lehrers die von der Schule aufgegei denen Arbeiten machen, die Schwächeren auch sonstige Nachhilfe erhalten sollten." Ganz besonders ist. aber folgende Einrichtung höchst lobens- und empfehlenswerch: „Eine nicht minder lastend^ Ausgabe waren die Bücher, so wie der ganze zum Lehren und Lernen nöthige Schulapparat. Armuth und die gewöhnlich in ihrem Gefolge erscheinende Unordnung, diese zwei Feinde jeder geregelten Haushaltung, ließen nicht hoffen, daß die Schüler ihren Apparat, so unbedeutend er zur Zeit auch war, aus ihren eignen Mitteln , und selbst im günstigsten Falle, so bestreiten

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