Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 669 (sequence 5)
- Language
- German
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669 „sinnung und Gesittung, in^ deutscher Liebe und „Treue, in vaterländischer Sprache, Lebensweise, „Wissenschaft und Kunst fühle es sich mächtig hin- „gezogen,der allgemeinen Bewegung, die nach Ei- „nigung und zur Einheit strebe, zu folgen und nach „bester Kraft sich anzuschließen; es halte sich, wenn „auch noch nicht der Leistung, doch seinem reinen „Streben nach, würdig zur Aufnahme in den Staats- „verband." Den Standpunkt der neuen Anstalt giebt am besten die Einleitung zu dem' Entwurf des Herrn E. Michaelis. Sie lautet: „„Der Hauptzweck und Mittelpunkt alles Be- „strebens bei dieser Schulanstalt soll für immer blei, „den: die Kinder zu sittlich- und religiös guten „Menschen zu bilden, sie zu brauchbaren Gliedern „der Gesellschaft zu machen, damit sie,in ihrem künf- „tigen Berufe geschickt und fleißig seien in guten „Werken. Es soll aber der Unterricht in dieser „Schule einfach, den Verhältnissen und dem künftigen Stande der Kinder angemessen sein. Sie sol- „len nämlich hier durch den Unterricht einiger Jahre „nur so viel lernen, als sie zur Kenntniß der Religion und Tugend, so wie zur bessern und verstän- „digern Führung ihres Gewerbes nöthig haben. „Nicht aus ihrem Stande heraus sollen sie gleichsam „durch eine Art halber, kunstmäßiger Bildung und „durch das Lernen von Vielerlei gerissen und zu „überspannten Ansprüchen an das Glück verleitet „werden, und daher erfüllt mit Abneigung und Widerwillen gegen ihren dermaligen Stand und künftigen mühevollen Nahrungszweig: nein! nichts „Anderes soll das Streben dieser wohlthätigen Anwalt sein, als gute, brauchbare Dienst--und Ge- „werbsleute zu bilden, die, vermöge eines bessern „Unterrichtes, in ihrem künftigen Stande zufrieden „mit Gott und ihrem Geschicke leben, «nd die Religion ihrer Väter durch treue Erfüllung ihrer Pflichten, durch ihre Liehe „gegen Staat «nd Mitmenschen zu erken- „neu gehen. —" " Wenn zu de» schwierigsten Fragen die Bestimmung des Standpunktes gehört, den Schule zur Synagoge in neuerer Zeit einnehmen soll, so werden folgende Worte gewiß mit Interesse gelesen, da der Vorsteher und Oberlehrer der Schule zugleich Prediger am Tempel war. „Sollte auch nur irgend Bedeutendes und Ersprießliches für die Umbildung des israelitischen Lebens geschehen, so mußte, um nicht Jahrhunderten diese Umwandlung zu überlassen, wie es Jahrhunderte hindurch allmälig verfallen war, an beiden Enden zugleich angefangen, für die Jugend und das reifere Alter zugleich, d. h. in Schule und Gotteshaus gleichzeitig gewirkt werden. Wie war es anders zu erwarten, als daß ein ehrlicher Character, wer es auch gewesen sein möchte, der, nicht in eigennütziger Absicht, sondern um umfassender und sichrer wirken zu können, diesen beiden, damals gewiß um so schwierigeren, Aemtern sich unterzog, hier wie dort in demselben Geiste wie in derselben Ueberzeugung lehrete? Dieser Geist und diese Ueberzeugung war allzubald durch Predigt und Catechismus und in Uebereinstimmung mit beiden, durch das öffentliche Leben offen ausgesprochen, und nicht eine einzige öffentliche Stimme hat sich dagegen als Heterodorie erhoben. Religion und Religiosität, wie sie die Grundlage des Menschenlebens überhaupt, sei es in Familien oder Staaten, also muß sie es vorzüglich der Schulen, dieser Pflanzstätten der werdenden Generationen, sein; recht tief muß sie hier Wurzel fasfen, damit nicht irgend eine Gewalt im spätem Leben, sie wieder zu entwurzeln, im Stande sei. „Religion — so heißt es in dem oben bezeichneten Schulplan — „soll in dieser israelitischen Freischule der „Mittelpunkt alles Bestrebens, gleichsam die Achse „sein, um die sich Alles, bewegt; daher sind alle „Lehr-Gegenstände, — Rechnen, Schreiben und an- „dere mechanische Unterweisungen etwa ausgenommen, mit dem Unterrichte in der Religion so innig „hier verbunden, daß nicht Einer von jenen Gegenlanden als ein Getrenntes und für sich Bestehenles. anzusehen ist: und so dient Alles als Mit- „tel zu dem großen Zwecke, die Kinder zu religiösen, „sittlich-guten Menschen zu bilden." — Eine Ueberzeugung, die der neue Dirigent der Schule aus ganzer Seele theilte. — Doch welcher Theil der Religionslehre soll der Jugend, in der Volksschule allzumal, gegeben werden? Der dogmatische? — Dieser gehört für die Kirche, die früh genug zu trennen und zu scheiden weiß, was Gott für einander in Liebe geschaffen und in Liebe verbunden wissen will. Oder etwa der cerimonielle, den der große Hause freilich für die ganze Religion zu halten pflegt, der