Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 668 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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668 Musik folgte, und die Versammlung verließ den Saal in der Stimmung einer wahrhaft heiligen Freude. An Geschenken erhielt die Schule an diesem Lage ungefähr 4500 Crt. Mrk. Abends gaben eine Anzahl ehemaliger Schüler und sonstiger Freunde der Schule ein Subscriptions- Diner im Hotel zur „alten Stadt London," bei dem die ungezwungenste und allgemeinste Heiterkeit herrschte. Die Gesellschaft bestand aus etwa 50 Damen aus der Elite unserer israelitischen Zirkel und 150 Herren, von den reichsten und vornehmsten Männern unserer Stadt bis zu den bescheidenen Handwerkern. Ernsthafte Toasts, heitere Reden, frohe eigends gedichtete und zum Theil komponirte Lieder machten dieses Fest zu einem der genußreichsten. Zu bedauern war nur, daß der Speisezettel, welcher Krebse, Austern und Schweinsköpfe angab, (wie man behauptet, als die drei Embleme des Fortschritts, des Helldenkens und der Gesittung gewählt), manche werthe Gäste, unter Andern die Prediger des Tempels, von der Theilnahme zurückhielt. Indessen ward von dem Vorsitzenden bemerklich gemacht, dieses Diner sei nicht von der Scdule oder ihrer Verwaltung gegeben, sondern der Schule zu Ehren von einigen ihrer Freunde, die auch für alles etwa zu Besprechende die Verantwortlichkeit übernehmen. Tages darauf ward den jetzigen 181 Schülern eine (natürlich koschere) Mahlzeit gegeben und die anständige Fröhlichkeit der gesunden Knaben, die von den Directricen unseres Frauen - und Mädchenvereins bedient wurden, gewährte ein interessantes und rührendes Schauspiel. Hamburg, 8. November. (Privatmitth.) Aus der in obigem Artikel erwähnten „Geschichtliche Darstellung der israelitischen Freischule zu Hamburg; bei Gelegenheit der Feier ihres fünf- und zwanzigjährigen Bestehens, (am 31. Oktober 1841) mitgetheilt von vr. Eduard Kley, Oberlehrer und Direktor Hamburg, 1841" führen wir Einiges in pädagogischer Beziehung Bemerkenswerthes an. — Um den Standpunkt der Schule bei ihrem Beginne recht zu würdigen, mögen folgende Worte hier einm Platz finden. „Um die Gründung unsrer Anstalt, sowol der Idee als der Ausführung nach, völlig würdigen zu können, muß man der damaligen israelitischen Zustande in religiöser und pädagogischer Hinsicht,, namentlich in Hamburg, sich erinnern. Berlin, Breslau, Dessau, Frankfurt am Main, Prag, Seesen ausgenommen: wie stand es überall um den Jugendunterricht! Die französische Invasion und der Krieg hatten selbst auf diese wenigen Bildungsanstalten ihren nachtheiligen Einfluß geübt; für die Wohlhabenderen war allenfalls durch das Besuchen * christlicher Schule« oder durch Privatanstalten, hier und da durch Hauslehrer, gesorgt; doch die Armen waren wahrhaft arm zu nennen. Wo Armenschulen waren, da herrschte Lehre ohne Geist und Verständniß, regierten Lehrer ohne Kenntniß, Bildung und Methode; von Disciplin, Verwaltung, Beaufsichtigung, von Erziehung im eigentlichen Sinne des Wortes, war keine Spur; Nichts als die traurigen, verfallenen Ueberbleibsel eines ehemaligen Lebens, aus früheren Jahrhunderten des Druckes und der Entwürdigung vererbt. Es war nur Eine Stimme bei allen Menschenfreunden, bei allen Besseren in Israel allzumal, die bei allem Zögern der Zeit ihre Hoffnung auf einen bessern Zustand noch nicht aufgeben mochten: nur aus der Veredlung des werdenden Geschlechtes überhaupt, der dürftigen Klassen insbesondere, könne die Umbildung, welche die Zeit gebieterisch fordre, und mit ihr auch eine Umgestaltung zum Bessern im kirchlichen und bürgerlichen Leben hervorgehen. Der deutsche Freiheitskampf und Freiheitssieg hatte diesen stillen Hoffnungen und Wünschen einen höheren Antrieb, eine froh begeisterte Bewegung, in Thatkraft sich zu äußern , mitgetheilt; wie die deutschen Israeliten am vaterländischen Kampfe einen würdigen Antheil genommen, so wollten sie nun auch an dem Friedenswerke, das diesem Kampfe folgen sollte, nach ihrem Theile würdig des Vaterlandes sich beweisen. Zunächst und Unmittelbar freilich für Israel allein, mittelbar aber auch für das gesammte Vaterland ein Denkmal, wird jede bessere Bestrebung betrachtet werden müssen, die in jener denkwürdigen Zeit sich kund that und aus ihr gleichsam hervorzuquellen schien. Was in den letzten Jahrzehnden durch Wort und Schrift klar zum Bewußtsein gekommen, manisestirte sich damals schon im richtig ahnenden Gefühl, in frisch lebendiger That: „Israel betrachte sich nicht mehr isolirt auf „europäischem Boden, sondern in europäischer Ge-