Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 667 (sequence 3)
- Language
- German
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667 dem Neichthum, dieses Hebet hat sich der Masse bemeistert, und die njcdern Bolksklassen sehen sehnsuchtsvoll nach den goldnen Bergen; und es fehlt auch nicht an Propheten,-die von der baldigen Wiederkehr des goldenen Zeitalters, von der Gütergleichheit weissagen. Könnte dies auch gelingen, würde dann auch der Arme (?) reich und -zufrieden sein? Das goldne Zeitalter der wahren Propheten ist nicht vom materiellen sondern vom Reichthum des Herzens zu erwarten. Zu diesem lasset uns den Menschen verhelfen, dazu verhalfen wir unserer Jugend. Unsre Reiche sind Gottlob auch reich im Herzen und unsere arme Jugend lernt ihn früh kennen, erfahren, schätzen und sich aneigncn. 2. Helle des Geistes ist kein geringeres Wohlthun, das wir dem Armen, und zumal dem Israelitischen erweisen können; hat dieser sie ja so lange entbehrt! Für uns hat die helle Zeit seit kurzem erst begonnen. Noch lebt die Erinnerung in den Zeitgenossen: heute vor 25 Jahre wäre eine solche Feier keine Wirklichkeit gewesen. Wir sind fortgeschritten in dieser Epoche, und diese Fortschritte knüpfen sich an das Institut als ihren Ausgangspunkt. Unsere Jugend scheut nicht das Licht, sondern liebt und sucht es. Wollen wir nach so kurzer Zeit schon stille stehen oder gar zurückgehen? Wie auch anderwärts Todtes, frisch aufgeputzt, als ein neues Leben sich darstelle; an unseres Tempels Pforten soll stets die Ueberschrift lauten: Im Geiste hell! 3. Ein größres Wohlthun können wir aber dem Armen nicht beweisen, als wenn wir ihm zu einer Thätigkeit verhelfen, durch welche er sich selbst helfen, und Gottes Segen, der dem Thätigen stets wird, erlangen könne. Solches ist geschehen. Ueber 600 Männer und Jünglinge leben jetzt versorgt durch Ihre Thätigkeit, der Schule es dankend. Tausend Väter und Mütter segnen die Wohlthäter die ihre Kinder dahin gebracht, daß sie ihre Stütze, ihr Trost sind. Darin liegt der Lohn, der Hochgenuß, der Jubel, das Danklied dieses Festes. — vr. jur. Wolsfson, von seinen Commilitonrn ausdrücklich zu ihrem Organ gewählt, sagte ungefähr Folgendes: Die Bedeutung des Festes sei nicht bloß die, Feier eines einzelnen Institutes, sondern vielmehr das, damit errichtete erste Zeugniß in unserer Gemeinde für unser engeres Anschließen an vaterländische Bildung und Interessen. Zu diesem wurden wir aus unserer früheren Abgeschlossenheit durch die Noth des Vaterlandes in den Freiheitskriegen geleitet, nach denen es uns freilich nicht vergönnt ward, unseren Antheil an der deutschen Nationalität in gleicher bürgerlicher Berechtigung mit unfern christlichen Mitbrüdern anerkannt zu sehn, und uns so Nichts übrig blieb, als ihn durch unseren Antheil am deutschru Geiste zu bewähren. Dieser geistigen Erhebung und ihrer ersten Stiftung unter uns gelte das heutig^ Fest. — Die so gegründete Schule habe sich in ihren Wirkungen des, sie hervorrufenden Geistes würdig gezeigt, indem sie ihre Schüler Treue gegen den väterlichen Glauben mit ächt deutscher Bildung vereinen gelehrt habe und sie so zu materiellem und geistigem Heile geführt habe. - Daran schloß sich das, im Namen der Schüler gegebene Versprechen, sich dieser'Erziehung würdig zu zeigen und in unseren inneren und äußeren Kämpfen als Mithelfende nicht zu fehlen und schließlich ein Dank an die Gründer und Erhalter der Anstalt. vr. meä. Hahn, einer der beliebtesten Redner in .dieser Stadt bsi allen öffentlichen Gelegenheiten, hatte die leidige Aufgabe, die Anwesenden zur Vermehrung ihrer Beiträge aufzufordern, und entledigte sich ihrer mit gewohnter Beredsamkeit und Grazie. Auch er, die Medaille aus dem Befreiungskriege vor der Brust, schilderte die Entstehung der Schule in einem der wichtigsten Punkte unserer Epoche. „Wir hatten so eben eine schöne Hoffnung zu Grabe getragen," sagte er mit Beziehung auf den J8J4 von der Bürgerschaft gescheiterten Emanzipationsentwurf unseres Senats (der Ausdruck ist beiläufig gesagt, etwas zu stark: wir Juden sind gar keine Leute, die Hoffnungen zu Grabe tragen) und zeigte den seit dem Jahr 1789 bei uns erwachten und nun überall zurückgestoßenen Trieb zur Freiheit; den Trieb zum Anschluß an die große Menschheit, an das große Vaterland, diesen bei uns so schief hervorgestoßenen Trieb, daß wir gleichsam früher gutes Französisch als gutes Deutsch lernten, und sie beide auf inneres Wirken angewiesen und mächtig und segensreich in dieser providentiellen Beschränkung. Seine Danksagungen an die Wohlthäter, an die Vorsteher, an die Lehrer waren wahrhaft rührend und erweckten die in der Kleyschen Rede durch eine begeisterte Apostrophe an die sämmtlichen anwesenden und abwesenden Schüler angeregten Gefühle aufs Neue.