Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1841)
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Seite 666 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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666 haben. Wir übergehen das Finanzielle als von minderem Belange für das Ausland und bemerken bloß, daß die deutsche Gemeinde eine jährliche Subsidie von 1200 Cour. Mrk., die Portugiesische eine von 150 Mrk. an die Schule zahlt, und daß 2 Mitglieder des deutsch-israelitischen Vorsteher-Kollegiums als dessen Kommissarien bei der Schule fungiren. Freiwillige jährliche Beiträge betrugen zuletzt an 2400 Mrk. Wenn wir sagen, daß alle Ergebnisse dieses Instituts im höchsten Grade erfreulich sind, so sprechen wir die Ueberzeugung des gesammten hiesigen Publikums aus. Als die sichtbarsten Folgen ihrer damaligen Entstehung nennen wir vornämlich die Errichtung des Tempels (1818)/ die Erwählung eines Deutschen studirten geistlichen Beamten der Gemeinde (1821), die Reform der Talmud-Tora-Schule (1822), und die Errichtung des Gewerbe-Vereins. Alles wohlthätige Erscheinungen, an die ohne diese Schule damals nicht zu denken gewesen, und mithin wäre unser Gemeinwesen durch die immer tiefere Kluft zwischen Reichen und Armen vermöge der heterogenen Bildung und Anschauung, seinem Ruin zugeführt worden. Jetzt zu der Feier selbst. Sie bestand vorzüglich in einer aus 2 Theilen bestehenden großartigen Kantate, gedichtet vom vr. Kley, komponirt von Julius Seligmann (einem ehemaligen Schüler der Anstalt) und vorgetragen von einem aus den vorzüglichsten Künstlern und Dilettanten dieser Stadt bestehenden Singpersonal von über 100 Stimmen. Die Komposition und ganz besonders die Instrumentation dieses ersten größern Werkes unsers jungen Künstlers, fanden ungetheilten Beifall und die von ihm selbst geleitete Ausführung ließ fast nichts zu wünschen übrig. Das anwesende, über 700 Personen starke Publikum zählte mehrere Senatsmitglieder, Pastoren und Gelehrte, so wie die Vorsteher der Gemeinden und sämmtliche Kontribuenten der Anstalt, an deren Spitze wir den unermüdlichen Wohlthäter Solomon Heine nennen, dessen Beitrag jährliche 1000 Mrk. groß ist. Es war ein glänzender Kreis von Damen und Herren, deren Wagenreihe mehrere Straßen füllte. Einen nicht minder ausgezeichneten Theil der Feier bildeten drei Reden", die erste vom Oberlehrer selbst, die zweite vom vr. juris Wolffson, einem ehemaligen Schüler der Anstalt, und die dritte von Herrn Dr. med. Hahn, einem Mitglieds der Verwaltung-dieser Schule gehalten. vr. Kley knüpfte seinen Vortrag an die Worte einer vorhergegangenen Motette von Schicht: „Der Herr ist groß und gnadenreich, sein Pfad ist Liebe, Gut' und Treu." Mit welchen anderen Gefühlen fuhr er fort, konnte diese Feierstunde beginnen als mit diesen! Das ganze Weltall ist Gottes Heiligthum, ein reines Herz sein Tempel; Wohlthun der schönste Gottesdienst, das schönste Thun, die reichste Aussaat, von der der Mensch schon, „hienieden die Früchte genießt, der Hauptertrag aber in jener Welt ihm reift." Mannigfach sind des Wohlthuns Liebeswerke doch vbi2 ‘wss'n'h, über Alles geht Erziehung, Bildung des Menschen. Gott hat den Menschen zur Kröne der Schöpfung gemacht; doch was wäre er ohne Bildung und Veredlung? Dies Ge, schäft hat er uns überlassen, damit wir an seinem schönsten Werke vollenden was er begonnen (sin rpiöina rrcwj» i-ihprsb qm» i-tma).. Wir können nicht wahre Gottes-Stellvertreter sein, kein größeres Wohlthun üben, als Menschen bilden. Ein solches Wohlthun haben Sie geübt, so redete er das Publikum an, 25 Jahre hindurch, Sie, die sie heute nicht bloß als Zeugen sondern als wahre Theilhaber des Festes hier sind, das Feld das angebaut, ist Ihr Feld, die Saaten sind Ihre Saaten. Wer den Werth zu schätzen weiß, auch nur ein Kind für Gott und Welt groß gezogen zu haben, der muß den Werth dieser Stunde unaussprechlich finden. — Was diese Anstalt geworden ist, hat das Programm vor der Feier schon dargelegt und hoffentlich die Ue» berzeugung festgestellt, daß wir an einem wohlthätigen Werke arbeiten. Jetzt werden wir dieses Wohlthun naher bezeichnen, um es dem Herzen der Zuhörer näher zu führen: diese nähere Bezeichnung ist keine andere als was die Cantate in wenigen Worten als Mittelpunkt des Ganzen, als charakteristisches Merkmal unseres Instituts angicbt „Im Herzen reich, .im Geiste hell, in Thätigkeit des Segens Quell!" I. Unsere Zeit ist eine materielle, zugleich eine unzufriedene Zeit. Das ist nicht zufällig, sondern die Unzufriedenheit hängt mit dem Materialismus zusammen. Anstatt den Reichthum aus der Zufriedenheit, sucht man umgekehrt die Zuftiedenheit in