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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-13 · Heft 46 (13.11.1841) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 46 (13.11.1841)
Date
1841-11-13
Page
Seite 661 (sequence 13)
Language
German
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661 berechtigten, weil, wenn sie befähigt gewesen zu grö-! ßerer Freiheit, sie auch dieselbe genossen hätten. Zweitens spricht der Satz für die, welche an den Juden in seiner Gleichstellung den kleinlichen Maßstab der Befähigung legen, und immer nur vom Ncifwerden der Juden sprechen. Sie geben tropfenweise dem Durstenden, indem sie vorgeben, daß ihm mehr ungesund sein würde. , Wenn aber der Befähigte immer seine Berechtigung bekäme, so wären sie gerechtfertigt." „Ich will Ihnen recht gern, sprach das Fräulein, meine Ansicht über die Emanzipation unsrer Glaubensgenossen kund-geben, wenn ich es vor Ihnen wagen darf. Vorher aber mache ich Sie darauf aufmerksam, daß Sie, was ich sagen werde, nicht sowol als eine Ansicht, vielmehr als ein Verhalten zu dem fraglichen Gegenstände ansehen wollen. Ich meine nämlich, daß außer der allgemeinen Bestimmung über eine Sache bei dem Einzelnen immer noch ein gewisses, wie man zu sagen pflegt, subjektives Verhaltniß, Gefühl statt finden kann, welches ganz anders ausfallen mag, als die aus der Sachlage bervorgehende Norhwendigkeit. Darum auch gestatte ich nur zu sprechen, bevor hier Ihr Freund seinen Erweis, seine Antwort auf Ihre Frage, Herr Doktor, geben wird. Denn ich bin gewiß, Sie werden nunmehr die Sache gründlich in ihrer historischen Grundlage, in ihrem Prinzipe ff. erörtern, und ich würde davor verstummen müssen, ohne daß mein subjektives Gefühl geändert werden möchte. Ich befürchte dies um so mehr, als ich den vielen Schriften für die Gleichstellung der Juden wol Aufmerksamkeit geschenkt habe, und ich in der Hauptsache ihnen beistimme, ohne daß darum ein gewisses Grauen vor der Verwirklichung von mir weichen will. Sie werden schon über diesen Ausdruck, „Grauen vor ihrer Verwirklichung," die Achsel zucken, und ich bitte, geniren Sie sich nicht, und nehmen Sie vor Allem meine Worte ja als Nichts mehr, denn die Empfindung eines immerhin schwachen Frauenzimmers. Aber es gilt ja hier nur, unter Freunden sein Inneres klar und anschaulich darzulegen. -7- Ich kann nämlich die Gleichstellung der Juden nicht als so ein isolirtes Ereigniß ansehen, wie es sich in der neuern Zeit macht; ich kann sie nicht bloß als Genüge und Befriedigung ansehen, die dem allgemeinen Menschenrechte wird. Ich frage! mich, warum waren und wurden die Juden in Aegypten keine Aegypter, in Syrien keine Syrer, in Griechenland keine Griechen, in Rom keine Römer, überall immer Juden und nur Juden? Warum sollen sie auf einmal in Deutschland Deutsche, in England Engländer, in Frankreich Franzosen sein? Von Uranfang an war die Religion Israels eine, wenn ich so sagen darf, israelitisch-persönliche; und das mußte sie auch ihrer Bestimmung, ihrem Charakter, besonders aber der geschichtlichen Verhältnissen der Menschheit nach sein. Wie viel nun auch die israelitische Religion von Zeitalter zu Zeitalter an die allgemeine Menschheit von ihrem Inhalte abzugeben bestimmt war, als Ganzes und Einiges verblieb sie bis auf den heutigen Tag so beschaffen und so gestellt, daß sie israelitisch-volksthümlich ist. Ich will hiermit gar nicht das ganze Gebäude des mittelalterlichen Judenthums aufrecht halten, ich sehe nur auf das mosaische Religionsgebäude zurück, und kann nicht umhin, für seine Grundlage das Dasein eines Geschlechtes anzuerkennen, das mit noch ganz anderen Banden, als den bloß moralischen zweier o.der dreier Glaubens - und ethischen Sätze an dasselbe gebunden ist. Deshalb war denn auch Israel von jeher bestimmt, für seine Opposition, oder vielmehr für sein Beharren in seinem besondern Religionssysteme zu leiden, und den Druck der Welt zu empssnden. Die Geschichte Pharao's hat sich immer wiederholt, und Chaldäer, Perser, Syrer, Römer und die. mittelalterlichen Völker haben eine und dieselbe Gewalt ausgeübt gegen das, nicht opponirende, sondern in sich beharrende Geschlecht Israels. Aus diesem Charakter der ganzen Geschichte heraus will mir dieses Jagen und Ringen nach Emanzipation oder völliger Gleichstellung nicht einleuchten. Wo liegt die Gewähr, daß das Judenthum für die bürgerlichen Rechte nicht das aufgiebt, wofür die ganze Vergangenheit gelitten, da sie doch dieselben Rechte sich hätte verschaffen können, wenn sie dies aufgegeben hätte? Wird nicht hiermit das ganze geschichtliche Verhältniß Jsrael's verrückt, aufgelöst, und damit auch die Wesenheit dessen verflüchtigt, wofür Israel existiren sollte? Ich kann mich nicht enthalten, bei der ganzen Prozedur an die 10 Stämme zu denken, die wol auch um ihre bürgerliche Wohlfahrt in Medien sich den Assyrern so ässimilirten, daß sie bald nicht mehr zu unter-

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