Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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657 fangen mit der Vorrede an; sie heißt in wortgetreuer Uebersetzung: - Wenn die Politik christlicher Staaten sein sollte, was sie sein müßte, die Anwendung des Christenthums in großem Maaßstabe zwischen den Völkern, und wenn die Ehrerbi'etung vor Jesus mehr in den Herzen als auf den Lippen wohnte, so würde ein einziger von den vielen Bibelsprüchen, die Menschenliebe und Toleranz lehren, (Matth. 5’, 44, 45; 6, 14, 15; 7, I, 12; 18, IN; 22, 39; 25, 40. Luk. 6, 32. Rom. 12, 20, 21; 14, 1; 15, 1; Philipp. 2, 4. 1 Th eff. 4, 6. Hebr. 13, 16. 1 Johann. 3, 17, 18; 4, 20,2i;u.-m.) von denen die bestimmtesten aus Jesu eigenem Munde sind, hinreichen, die Abschaffung der intoleranten Bestimmung des letzten Passus im zweiten Paragraphen des Norwegischen Grundgesetzes zu begründen, welcher das mosaische' Glaubensbekenntniß aus Norwegen verbannt. Sollte cs nicht an Stimmen dafür fehlen, so wird gewiß auch die Stimme der Religion in ihren Herzen laut geworden sein und sie dazu ohne Rücksicht auf die materiellen^ Motive getrieben haben, die auch zu Gebote stehen; und geht die Sache durch, so wird diese große Handlung gerechnet werden unter die historische Siege des Christenthums, sowie die Neger-Emanzipation, die gegenseitigen Toleranzbewilligungen zwischen den christlichen Hauptkirchen und die Erweiterungen der Volksfreiheit es geworden sind. So wenig man auch in unseren Tagen geneigt ist zu bekennen, daß die Gebote der Religion in einer politischen Frage bestimmen, und, wenn auch ihre Worte von der Zeit an vergessen sind, da sie von einer Mutter oder von einem alten Prediger eingepragt wurden, so wird es doch nur eine stumpfe und verwilderte Seele sein, worin die Erinnerung an ihren Inhalt und ihre Meinung nicht anklingen sollte, wenn sie angeregt wird, und ein schlechtes und unfruchtbares Herz, aus dem ihr Geist ganz gewichen sein sollte. Zweifelnd jedoch, daß die Mehrheit meiner Landsleute und namentlich derjenigen, welche dieses Mal die Frage entscheiden sollen, sogleich und ohne Angriff auf ihre Vorurtheile es gutheißen und den Muth haben werden, einen Auswuchs aus dem Grundgesetze zu schneiden, wie häßlich er auch sein möge, so kann ich doch nicht zweifeln, daß Jeder, von der religiösen Seite, in seinem Herzen erkennt, daß es menschlicher und gerechter wäre, wenn jene Bestimmung nicht da wäre. Die Gebote der Religion werden also, ohne näher an's Herz gelegt zu werden, ihren'Einfluß haben; wenn auch nicht den unbedingten, der ihnen zukommt, doch wenigstens eine Autorität, die man nicht leugnen, aber vielleicht mit einer gewissen Verschämtheit umgehen und suspendiren wird — aus Gründen der Klugheit, wie es wahrscheinlich heißen wird. Hätte man nicht ein Vorurtheil im Volke, so massiv wie irgend eine mit Moos bewachsene Klippe, auf das man sich stützte, so würde man es nicht wagen. Man würde eben so wenig es wagen, solche Gründe gegen die Aufhebung des Passus anzuführen, wie gegen die Anerkennung der Gleichheit vor dem Gesetze, die allgemeine Wehrpflicht, die Preßfreiheit und andere Grundsätze in freien konstitutionellen Staaten. Gegen diese Vorurtheile will ich diese Blätter richten, — gegen den Dämon, der unserem konstitutionellen Paradies .eine widerwärtige Aehnlichkeit giebt mit jenem lächerlichen Altarbilde auf der Altartafel in Ringsagcr, wo viele vergoldete Figuren, welche die in das Himmelreich einströmenden Christen vorstellen sollen, einen armen Juden hinauspuffcn und stoßen, der sich im Gedränge mit einschleichen will. Noch so wahrscheinliche Hypothesen aufzustellen, welche Folgen die Aufhebung haben würde; die Handels- und Nahrungszweige, Fabriken, Bergwerke, Fischereien u. s. w. anzugeben, welche ohne Zweifel in Betrieb gesetzt würden durch die Geldkrast und den Spekulationsgeist der Juden, und in welchen Städten und Distrikten sie sich wahrscheinlich niederlassen würden, würde mehr Papier anfüllen als in die Waage fallt, so lange ein aprioristisches erfahrungsloses Nein eben so viel ist wie ein ähnliches Ja. Doch dürfte ich wol die Wahrscheinlichkeit für mich in der Behauptung haben, daß so viele Quellen ihre Kraft nicht umsonst vergeuden, so viele fremde Mitwirkung in Norwegen nicht nöthig, so viele Hände nicht unthätig sein, so viele Andeutungen auf Metalle nicht brach liegen, so viele Naturreichthümer nicht begraben liegen in unsrer Erde oder an unseren Küsten nicht verloren gehen, ein so Alles lähmender Mangel an Geldkraft nicht gefühlt werden, und solcher Wucher nicht getrieben werden würde, wenn die Mosaiten Zutritt in das Reich hätten. Die Frage soll sich aber auf Religion, Gerech- 46"