Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1841)
- Date
- 1841-11-13
- Page
- Seite 656 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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656 suchungen, deren Resultate noch dazu oft zweifelhaft sind, erfordern. Daß diese Erklärungen von ihren Urhebern auch als nichts, als moralische Winke, Texte zu moralischen Betrachtungen hingegeben wurden, zeigt dem Unbefangenen der erste Blick in die Midraschim, wo unzählige variirende neben einander zu beliebiger Auswahl gesammelt stehen. Daß nun der größern Menge der jüdischen Schriftleser durch Uebergabe solcher Erklärungen in einer ihnen verständlichen Sprache mehr religiöse Speisung gewahrt wird, als durch trockne, kritische und linguistische Versuche, oder gar halachische Streitigkeiten, ist gewiß — eben so gewiß, wie es Lrrthümlich und schädlich ist, jene für die allein richtige Auslegung zu halten und auszugeben. Der Verf. ist nun allerdings Ln dem letztem Jrrthum ziemlich befangen, wir wollen mit ihm aber nicht darüber rechten, sondern nur seine Absicht als höchst zweckdienlich und verdienstlich bezeichnen, nämlich die, in zusammenhängender Darstellung eine Auswahl der midraschischen und talmudisch-hagadischen Auslegungen zu den 5 BB. Mos. zu geben, und zwar ohne Stellencitat und gelehrte Diskussion. Seine Schrift, deren Fortsetzung sehr wünschenswerth ist, wird dadurch zu einem guten Lesebuch, das, richtig angewandt, den Israeliten jeden Alters eine nützliche, belehrende Lektüre abgiebt; und dies war auch der Zweck des Verf., der sein Werk in die Kathegorie des veralteten Deutsch- Chummesch setzt. Allerdings har der Verf. hie und da Erklärungen noch ausgenommen, die dem jetzigen Leser, der einmal an eine rationalistische Behandlung des Schrifttextes gewöhnt ist, auffällig sein werden. Im Ganzen hat sich aber der Verf. vom richtigsten Takte leiten lassen, hat das Zuviel gut zu vermeiden gewußt, und besonders mit vielem Geschicke ein Ganzes daraus zu bilden verstanden. D^rr Ton ist fromm und im Gefühle der Beruhigung; der Styl, wenn er auch etwas korrekter hatte sein können, doch darum zu loben, weil jener Schwulst vermieden ist, der den modernen Bibelton oft so fade und unausstehlich macht. Wir hören mit Vergnügen, daß das Werk guten Absatz findet, und empfehlen es daher auch unserseits. Tagrs-Controle. Norwegen. Henrik Wergeland, der den bekannten, s. Z. in diesen Blättern mitgetheilten Vorschlag zur Aufhebung des letzten Passus des zweiten Paragraphen des Norwegischen Grundgesetzes an das Storthing eingab, hat seine Bemühungen für die Emanzipation unserer Glaubensgenossen in seinem Vaterlande neu, erlich wieder durch eine Schrift beurkundet, worin er die Einwürfe widerlegt, die gewöhnlich der Emanzipation gemacht werden, damit die Volksvertreter, die Anfangs des nächsten Jahres sich versammeln und über den Vorschlag aburtheilen sollen, näher mit dem Gegenstände bekannt werden. Die ganze sechs Bogen starke Broschüre kann hier natürlich nicht mitgetheilt werden, so sehr sie es auch verdiente; das Interessanteste daraus darf aber den Lesern dieser Blätter nicht vorenthalten werden. Am 28. Juni 1839 wurde im Storthing über den Vorschlag, den der Präsident desselben, der im ganzen Reiche höchst geachtete S. Sörenssen, sich aneignete, referirt und beschlossen, daß er noch vor der Auflösung des Storthings unter der Hand der Präsidentschaft durch den Druck bekannt gemacht werden solle, um auf dem nächsten Storthing zur Entscheidung zu kommen. Wergeland hielt es für nöthig den Vorschlag mit einigen Erläuterungen noch mehr im Lande zu verbreiten, als es bisher geschehen ist, und setzte sich darüber mit dem Herrn Dr. Steinheim in Altona und dem Herrn vr. Riesser in Hamburg in Eorrespondenz, durch deren Vermittelung es möglich ward, der erwähnten Schrift eine große Auflage zu verschaffen, so daß nicht bloß alle Mitglieder des Storthings, sondern auch die meisten Beamten im Lande sie in die Hände bekommen. Außer der Vorrede enthält sie die folgenden Abschnitte: der Vorschlag zur Aufhebung des besagten Passus, gegen die Vorurrheile, deutsche Sophismen, die Juden in Dänemark, die Juden in Schweden, noch einige Blicke innerhalb der Synagoge, moralische Vorzüge der Juden, die öffentliche Meinung, und einige Worte über die Israeliten (die schon kürzlich mitgetheilt sind). Wir