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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-13 · Heft 46 (13.11.1841) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 46 (13.11.1841)
Date
1841-11-13
Page
Seite 650 (sequence 2)
Language
German
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650 von fast Hundert Mitgliedern zahlt. Was unsere Studierenden betrifft, so sinddiese zwar unter sich nur durch lockere Bande verknüpft, assimiliren sich aber mit den hiesigen Familien, mehr als dieses an irgend einer Universitätsstadt der Fall sein dürfte, die Meisten derselben widmen sich den medizinischen Studien und erst seit Kurzem haben drei promovirt; deren Einer die vorjährige akademische Preisfrage gelöst. Von den theologischen Studirenden haben drei unsere Stadt verlassen und werden die Universität Prag beziehen, um in der Slavenstadt sich im Talmud zu vervollkommnen, die wenigen Zurückgebliebenen harren mit Sehnsucht, gleich einer meffianischen Bothschaft, einer Berufung nach dem Norden entgegen, um mit jenen eisigen Gefilden die geliebten heimathlichen Fluren zu vertauschen. — Ein reges Leben herrscht unter den jungen Malern unserer Nation, deren sich eine große Anzahl hier befinden und von denen Einer, Brüll aus Lichtenfels, erst vor einigen Wochen ein Porcellaingemälde vollendet, das sich des Beifalls aller Kunstkenner im hohen Grade zu.erfreuen hat und das sogar der hiesige Kunstverein käuflich an sich gebracht. : München, 28. Oktober. (Privatmitth.) Ehescheidungen sind, Gott sei Dank, eine seltne Erscheinung in Israel. Doch kommen sie zuweilen vor, und mit welchen Schwierigkeiten diese Ceremonie verbunden ist, weiß der Sachkundige sowol, als jeder, der nur einmal Augenzeuge dieser Handlung war. — Zu diesen Schwierigkeiten kam in hiesiger Gemeinde noch diejenige, daß auf hiesigem Platze gar keine Ehescheidung vorgenommen werden sollte, und bis jetzt, so viel man weiß, auch keine vorgenommen ward, wie dieß in mehreren Orten der Fall ist, wegen obwaltender Zweifel, über den Namen des Ortes oder des dabei zu erwähnenden Flusses. Man begab sich deßfalls gewöhnlich von hier nach Pfersee, einem unbedeutenden Orte bei Augs» bürg, um dort die in Rede stehende Handlung vorzunehmen. Der Unterzeichnete konnte sich, abgesehen von den daraus erwachsenden Reise- und andere Kosten, nicht dabei beruhigen, ein Dorf der Residenzstadt vorgezogen zu wissen, bei einer so wichtigen Handlung im menschlichen Leben. Er benahm sich deßhalb mir angesehenen Rabbinen und Gelehrten des Landes, welche, nach Erörterung der Schreibart der Namen der Stadt und des Isar-Flusses, über die Vorname der Ehescheidung Hieselbst sich einverstanden erklärten. Und auf den Grund dieser Uebereinstimmung wird am 3. Nov. a. c. die erste Ehescheidung in München vvrgenommen. Aub, Rabb. Hamburg, 29. Oktober. (Privatmitth.) Dieselbe Unparteilichkeit, in Folge deren die Mittheilung der gegen das Gebetbuch des israelitischen Tempels erlassenen „Bannbulle" in diesen Blättern geschah, in Anspruch nehmend, übersende ich anbei die Entgegnung, welche am jüngsten Sabbat im Tempel nach der Predigt von der Kanzel verlesen, und dann durch Anschlag zur Kunde der Gemeinde gebracht wurde. „Da es Herr Jsaac Bernays für gut gefunden hat, in hiesigen Synagogen unser Gebetbuch als die Grundsätze der israelitischen Religion verletzend zu bezeichnen; so sieht sich die Direktion des neuen Tempelvereins, nach genommener Rücksprache mit ihren Predigern, veranlaßt, sowol den Mitgliedern unsers Instituts, als Allen, welche unserm Gottesdienste beiwohnen, zu erklären: I. Herr Jsaac Bernays entbehrt, unserm Vereine gegenüber, aller Befugniß zu einer solchen öffentlichen Verurtheilung; sie ist sonach als eine unziemliche Anmaßung zurückzuweisen. H. In dem, über das Gebetbuch ausgesprochenen Urtheile, offenbart sich ein böswilliges, absichtliches Nichtbeachtcn des Inhaltes desselben; in den Anklagen aber die tiefste Unkunde in aller theologisch-liturgischen Wissenschaft. Hl. Die Mitglieder des Tempelvereins kann demnach ein derartiger Schritt, in welchem sie nur die Aeußerung ohnmächtiger Parteilichkeit erblicken, nicht berühren, und nur in soserne bettüben, als in die Gemeinde auf so muthwillige Weise der Saame des

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