Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1841)
- Date
- 1841-11-06
- Page
- Seite 645 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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645 rechne, und leichter zum Ziele komme; wo es mir aber um Hülfe und That zu thun ist, da wende ich mich weit lieber an Männer, als an Frauen. Die letzteren werden mit mir das Unglück beweinen, aber zuletzt sehr wenig thun, ihm abzuhelfen. Die Erfahrung hat mir dies unzählige Male an die Hand gegeben." Allerdings, fügte ich hinzu, ist hieran auch die Erziehung und Bestimmung des weiblichen Geschlechts schuld. Das Weib wird weit weniger zum selbstständigen Handeln erzogen und gewöhnt, und wo es daher selbst frei ist / wird es seine That größer ansehn, als es ist, sein Thun geringer ausfallen, als der Aufregung nach zu erwarten stände. Jndeß liegt es auch wol in der Organisation des Weibes, die, wie sie leiblich zärter, empfindlicher, reizbarer, daher unkräftiger, zum Widerstande weniger befähigt ist, so auch seelisch sich also beschaffen zeigt. An eine -Aenderung der Verhältnisse läßt sich daher auch schwer denken. Die Erfahrung zeigt uns, daß männlich erzogene und befähigte Frauen sich und Andere unglücklich machen. „Da früge es sich aber, warf das Fräulein ein, ob diese Erfahrung sich aber nur aus den obwaltenden Verhältnissen mache. Wesen, die eine andere Richtung nehmen, als die gegebenen Verhältnisse fordern, sind von vorn herein in Kampf und Verwirrung hineingestoßen, die natürlich nur mit Schaden und Unheil enden können. Aendert die Verhältnisse, und die Erfahrung wird anders ausfallen." „Sie sprechen da nicht ganz, fügte mein Freund ein, wie Sie angefangen haben, Fräulein. Sie selbst sprachen ja dem weiblichen Charakter die Stärke, die Energie ab. Man könnte bei Aenderung der Verhältnisse leicht dazu kommen, dem Weibe aufzubürden, was es nicht tragen kann, es in einen Kreis zu stoßen, den es nicht auszusüllen vermag, und dann wären die alten Vorzüge und Tugenden verloren, die neuen aber sehr fraglich. Bei den wilden Völkerstämmen, Sie erlauben, daß ich solche an diesen schönen Sitz der Civilisation versetze, haben bekanntlich die Frauen alle Lastarbeit auf sich, demungeachtet findet man Sittenlosigkeit bei ihnen nicht. Dies ist aber Folge davon, daß dort Arbeit und Herrschaft zwei verschiedene Dinge sind: das Weib arbeiret, der Mann herrscht. Bei uns bedingt die Arbeit die Selbstständigkeit, wer viel thut, erwirbt viel und wird frei. Wer frei ist, herrscht." „Ei, da identisiziren Sie ja, Herr Doktor, Freiheit und Sittenlosigkeit, und das freie Weib wäre zugleich das sittenlose." „Es kann hier nur, lautete die Antwort meines Freundes, von allgemeinen Zuständen, nicht von einzelnen Fällen die Rede sein. In letzteren kann die Ausnahme sich unzählige Male erweisen, in ersteren gilt die Regel doch. Das Weib ist nicht kräftig genug zur Selbstständigkeit und zum Besitz, beide werden es daher oft fallen sehen." Lassen Sie mich, hob ich an, die Sache wieder historisch fassen, sie wird, glaube ich,, sich dann am leichtesten zu rechte legen. Daß in den alten Zeiten das Weib eine viel tiefere Stufe gegen den Mann einnahm, als in der Gegenwart, ist bekannt. Die alten Völker hegten sogar Verachtung gegen das weibliche Geschlecht. In der Bibel finden wir wesentlich das Weib nicht mehr zurückgesetzt, als den obwaltenden Sitten nachzugeben war. Wir finden keine Vorschriften über Zurückgezogenheit ff. In juridischer Beziehung vermochte sie dem Weibe nicht dieselbe Berechtigung einzuräumen wie dem Manne. Die Tradition, die auf die herrschende Sitte faktisch mehr einging, entwickelte die Benachtheiligung mehr, und streng sich haltend, wo etwa neben dem im Texte niCN nicht ausdrücklich erwähnt ist, spricht sie letzterer Recht und Verpflichtung ab. Selbst als die Griechen eine hohe Stufe, die höchste ihres eignen Lebens, einnahmen, vermochten nur ausnahmsweise sehr befähigte und einem freiern, ungewöhnlichen Leben hingegebne Frauen sich Geltung und Wichtigkeit zu erwerben. Das Mittelalter brachte mit der Romantik. eine höhere Schätzung des weiblichen Geschlechts, nichts desto weniger beschränkte es die Sphäre des Weibes ganz und gar, und wenn eS im allgemeinen Leben sich dadurch erhöht fühlte, so zogen doch Sitte und Zucht enge Linien um die Bewegung des Weibes. Die letzten Jahrhunderte bildeten die gesellige Corteoisie aus, und es ist nicht zu leugnen, daß mit derselben die Frau überhaupt an Einfluß gewann; die freiere Sitte entwickelte sich, und das Weib, welches an 45 *