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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-06 · Heft 45 (6.11.1841) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 45 (6.11.1841)
Date
1841-11-06
Page
Seite 644 (sequence 8)
Language
German
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644 und erst jetzt durch Anstellung des Herrn Dr. Frerisheimer die Bahn zu brechen beginnt, erfreuen wir uns schon seit mehreren Zähren eines schönen Gottesdienstes mit deutschen Vorträgen und Chorälen. Seit einem Jahre werden an Sabbaten des Nachmittags abwechselnd von unserm kenntnißreichen Rabbinen Herrn vr. Sobernheim und Herrn Lehrer Lebrecht Andachtsstunden in deutscher Sprache abgehalten, die sich stets eines sehr zahlreichen Auditoriums erfreuen. Durch den Abbruch einiger der Synagoge zunächst gelegener alter Häuser wurde an Raum gewonnen, und das etwas zu kleine Gotteshaus wird nun vergrößert. Zn wenigen Wochen wird der bereits begonnene Bau vollendet da stehen. Nach dem Muster einiger anderer Gemeinden wird nun für Anschaffung 'einer Orgel gesorgt werden, wozu die erforderliche Summe durch freiwillige Beitrage zusammengebracht werden soll. Wir sind von der Freigebigkeit unserer Gemeindeglieder, die uns im verflossenen harten Winter bewiesen, wie gerne sie ihre Hand öffnen, wenn es nützlichen und wohlthatigen Zwecken gilt, überzeugt, daß sie recht gerne zur Anschaffung dieses Gemüth erhebenden Instrumentes beisteuern werden, so wie wir auch von unserm gebildeten Rabbinen mit Zuverlässigkeit darauf rechnen können, daß'er, der zeitgemäße Verbesserungen gerne fördert, bereitwilligst dem allgemeinen Wunsche beistimmen werde. Gespräche. (Fortsetzung.) Wir hatten in dem schönen Park des Fräuleins Platz genommen am Ufer eines kleinen Sees, auf welchem zwei Schwäne herumruderten, und die langen Hälse von Würde bogen und dehnten. Um den See zogen sich Gebüsche und Baumanpflanzungen in malerischen Contouren. Vor dem Strahl der Maisonnr waren wir durch ein Dach von Linnen geschützt. Unser waren wenige, mein Freund, ich, das Fräulein und eine Gesellschafterin, die sich ziemlich passiv verhielt. Der frische, belebende Luftzug, der Blüthenduft, der den Park durchwog, die Anmuth der Umgebung mit dem wolkenlosen Himmel darüber ließen die Herzen in leichteren'Pulsen schlagen, und erhoben den Sinn wie auf der Spitze gaukelnder Wellen. .Die Liebenswürdigkeit unsrer Wirthin, die uns den Kaffee servirte, brachte in die behagliche Stimmung der Geselligkeit zurück. „Das feinere weibliche Herz, bemerkte das Fräulein, ist für das Lebensgtück gewiß das gefährlichste. Der Man wird früh in der Welt an Entsagung, Täuschung, Elend gewöhnt, und wenn nicht schon durch eigne Erfahrung, doch durch die Anschauung. Der Inhalt des wirklichen Lebens liegt ausgeschüttet vor ihm, er gewahrt und überschaut ihn, und so kömmt's, daß es besser begreift, wo er an sich halten muß, vor Allem das im Auge behält, was er für sich selbst zu tragen hat. Ich sah mich öfter genöthigt, dem Manne überhaupt mehr Egoismus von Natur aus zuzuschreiben, als dem weiblichen Herzen. Es ist allerdings der Egoismus der Thatkraft; der Mann hat zu schaffen, und muß daher seine Kräfte Zusammenhalten, um damit auszureichen. Das weibliche Herz ist überall mehr geneigt Theil zu nehmen. Fremdes Unglück tritt so in dasselbe hinein, daß es jenes wie eignes durchlebt. Viele schöne Stunden, die es ungestört verleben könnte, werden ihm dadurch getrübt und verloren. Ich sage verloren, weil am Ende, wenn schon durch die Verhältnisse, noch mehr durch den Mangel an Energie und Selbstvertrauen, das Weib seltner und schwerer sich zur That, zur kräftigen Abhülfe bestimmen kann. Dies empfindet es wieder, und verdoppelt seine Betrübniß. Das weibliche Herz verlebt darum öfter Stunden der Verzagtheit, an sich, am Leben, selbst an der Vorsehung, die der Mann nur im Zustande der höchsten Hülflosigkeit haben, und als die letzte Staffel des Unglücks in seinem Leben sich bezeichnen wird. Der edele Mann, wenn sich ihm Scenen des Mißgeschickes an seinen Mitmenschen offenbaren, wird entweder alsbald zur Thal schreiten, oder, wenn er dies unmöglich findet, Gefühl, Vorstellung von sich abschütteln, sich derselben erwehren, was ihm in dem Drange seiner Thätigkeit auch bald gelingen wird. Zu Beiden ist das Weib unfähig." „Sie haben Recht, Fräulein, sagte mein Freund, und es ist z. B. längst meine Ueberzeugung, daß ich, wo es mir lediglich auf Weckung eines Gefühls oder Mitgefühls ankömmt, sichrer auf das weibliche Herz

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