Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1841)
- Date
- 1841-11-06
- Page
- Seite 643 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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643 schen Armee bekleidet, hat den rothen Adlerorden vierter Klasse erhalten, was insofern von allgemeinem Interesse, als dadurch ein Wechsel in den bisher geltend gewesenen Prinzipien dokumentirt worden ist. (L. A. Z.) Anklam, 16. Oktober. Am Geburtstage des Königs ward auch das in schönem Style neu erbaute Gotteshaus der hiesigen jüdischen Gemeinde feierlich eingeweiht. Der Magistrat und die Stadtverordneten, so wie eine große Anzahl städtischer Bürger hatten sich dem Festzuge angeschlossen, der sich nach der Synagoge begab, wo in würdiger Weise des väterlichen Wohlwollens gedacht wurde, mit welchem der geliebte König alle seine Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens umfasse. (Pr. St. 3.) Aus Preußen, 22. Oktober. Die 8. A. Z. vom 21sten enthält einen Artikel, in welchem Adel, Juden und Pietisten als drei Brüderschaften dargestellt werden, welche noch viele Fragen auf dem Felde der Diskussion darbieten. Der Artikel selbst enthält nichts Erhebliches als eben diese Zusammenstellung. Man muß aber wol darauf aufmerksam machen, daß die Juden von den beiden anderen sich aufs wesentliche in ihrer Stellung unterscheiden, indem sie nur Rechte anstreben, die Alle schon haben. Berichte über den Stand des Kultus. Detmold, 13. Oktober. (Privatmitth.) In unserer Synagoge, welche bis auf di« einem Hühnerbauer ähnliche Abtheilung für Frauen — Mädchen besuchen das Gotteshaus oder vielmehr hospitiren darin nur sehr selten — seit einem Jahre ein würdiges Aeußere erhielt, hätten wir am 2. Oktober, dem dritten Tage Suckot den Genuß, von dem wegen seiner gediegenen Kenntnisse und seines Lebenswandels allgemein geachteten und geliebten cand. theol. Herrn A. Treuenfels aus Detmold eine gehaltvolle erbauende Predigt zu hören. Obgleich ihm aus vielleicht nicht zu billigenden Gründen nur gestattet war, seinen Vortrag erst nach dem Schlüsse des gewöhnlichen Gottesdienstes zu halten, so blieb die Synagoge dennoch gefüllt, in der sich blos der Predigt wegen sogar mehrere ehrenwerthe Männer eingefunden hatten, die sonst an diesem Orte theils gar nicht, theils nur sehr selten anzutreffen sind, weil unser der Zeit nicht mehr angemessener Ritus, der skandalöse Singsang und das maschienenmäßige Herplappern, der überdies zum Theil unpassenden Gebete Herz, Geist und Gemüth nicht erwecken können, vielmehr störend auf die wahre Andacht wirken müssen. Der fowol in homiletischer als didaktischer Hinsicht sehr gut gelungene rhetorische Vortrag, in dem weder der Rationalismus noch die Orthodoxie irgend etwas Anstößiges finden konnte, hatte Dealer. 16. II. zum Texte, welcher in Verbindung mit V. 14. ibicl. auf alle 3 Feste bezogen wurde. Den Grund der Festfreude suchte der Redner in dem Feste selbst und in seiner Bedeutung, die. er auf die ansprechendste Weise entwickelte. Geist und Herz, Wissenschaftlichkeit mit talmudischcn Kenntnissen vereinigt, waren durchgehends in der Predigt zu finden. Sie war indeß für jetzt die letzte, welche er gehalten, denn schon am nächstfolgenden Tage verließ uns zum allgemeinen Bedauern seiner Freunde der geistreiche und in geselliger Beziehung liebenswürdige junge Redner, um als Relkgivnslehrer in der bekannten Pensionsanstalt des Herrn Dr. Weil zu Frankfurt am Main in einen neuen Wirkungskreis zu treten. Wir rufen ihm nochmals ein herzliches Lebewohl zu, und werden uns freuen, ihn wieder in unserer Mitte sehen zu können. — Bingen, 13. Oktober. In No. 42 dieser Zeitung findet sich ein Korrespondenzartikel, den Bau der neuen Synagoge zu Ober-Ingelheim betreffend. Dieses ist nun das zweite neue Gotteshaus, das wir seit einigen Jahren in unserm Kreise erstehen sehen. Es ist wirklich ein sehr erfreulicher Beweis der Fortschritt« der Kultur unter den Juden, wenn kleinere Gemeinden, mit beschränkteren Mitteln, bedeutende Opfer nicht scheuen, um einen regelmäßigen, dem Zeitgeiste angemessenen Gottesdienst abzuhalten. Die Thätigkeit unseres Gemeindevorstandes hat seit Kurzem bedeutende Verbesserungen in's Leben gerufen, die unser würdiger Herr Kreisrath Wieg er aufs kräftigste fördert und unterstützt. Dankbare Anerkennung verdient auch die Humanität unseres städtischen Vorstandes, der zum Bau der Synagoge sowol, als auch zu sonstigen Anschaffungen aus den städtischen Fonds Beiträge bewilligte. — Während die ziemlich große Gemeinde unsers benachbarten Mainz noch sehr an den alten Mißbräuchen festhalt,