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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-11-06 · Heft 45 (6.11.1841) · p. Seite 640

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 45 (6.11.1841)
Date
1841-11-06
Page
Seite 640 (sequence 4)
Language
German
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640 „Erden, nach dem Geheimniß der Wahl, und ge- „mäß seinen allweisen Beschlüssen, gewissen Kö- „nigsstämmen austheilt." Daher sollte es Kraft der allgemeinen Menschenliebe, die die christliche Religion zu ihrem Hauptgebot erhebt, die Pflicht eines jeden Bekenners derselben sein, nicht so verächtlich über die hiesigen Juden wegzudisputiren, nicht so ungerecht, so oberflächlich ihnen alle Verbesserlichkeit abzusprechen. — Denn Ein Vater im Himmel hat sie gleich mit allen andern Menschenkindern geschaffen, hat dieselben Saiten in ihrem Herzen zur menschlichen Vollkommenheit gespannt, dasselbe Himmelsseuer der Vernunft in ihren Geist gegossen; und der steht einst vor dem aügütigen Gott zur Rechenschaft, der bei vollem Mahle sitzend, über des verhungerten Bruders Schlechtigkeit spöttelt, und ihn dazu nicht einladet.— Im Gegentheile, wer die Leidensgeschichte dieses Volkes auf europäischem Boden während achtzehn Jahrhunderte studirt hat, wer daraus wahrgenommen, welche Mühe sich ein böses Geschick gab, den sonst edeln, für alles Erhabene empfänglichen Palästinenser, zum jetzigen Trödeljuden, an dem Gassenjungen oft ungeahndet ihren Muthwillen ausüben, herabzubringen, der wird von Verwunderung sich hingerissen fühlen, daß er nicht nur nicht zum spartanischen Heloten wurde, sondern wie er immer noch mit aller stoischen Stärke dem Himmel zustrebt. — Und daher möchte jeder Menschenfreund mit inbrünstiger Herzensstimme, den Vätern die über die Bildung der Landeskinder wachen, zurufen: lasset nur eine Generation dieses Volkes durch vernünftige und gewissenhafte Lehrer erziehen, lasset das Wort Gottes vor der in der Synagoge versammelten Gemeinde, aus dem Munde wahrhaft, Gott- und Tugend-begeisterter Rabbinen hören, und in einer nahen Zukunft sollt Ihr aus dem erbärmlichsten Judengewühle eine Menschenklasse geschaffen haben, die an bedingungsloser Ergebenheit und Liebe für das verehrte Staatsoberhaupt, an Nächstenliebe gegen den - christlichen Mitbruder und an gediegener Geistes¬ und Herzensbildung allen bessern Einwohnern nicht nachstehen soll. — II. Der R a b b i n e. Schluß des zweiten Theils, der über die Stiftung eines höhern Rabbinen-Seminariums handelt*). Weder über die innere Organisirung desselben ist hier der Orr zu sprechen, wiewol diese sich leicht jedem ay die Hand giebt, wenn man nur das Hauptziel einer solchen Stiftung nicht aus den Augen verliert, der darin besteht: Licht und Wahrheit, innige Religiosität, allgemeine Menschenliebe und Unterthanentreue im künftigen jüdischen Volkslehrer zu wecken, und durch diesen, sie auf die in seinen Sprengel stehenden Individuen ausströmen, lassen, weder darüber noch über die Mittel sei hier gesprochen, wodurch eine solche Anstalt unterhalten werden soll; denn stehen wir nicht unter dem Schilde eines liebevollen und zugleich mächtigen Kaisers, der unser Wohl mit wahrem Vaterernste begründen will? arbeitet nicht unter diesem geliebten Landesvater, unser für alles Gute so glühende Minister der Aufklärung Herr Staatsrath v. Uwaroff? stehen nicht in Rußland überall im Fache der Erziehung, Männer an der Spitze, die keinen ausgestreueten Saamen für irgend was Gutes ersticken lassen? und seit wann ist Israel selbst arm an Mitteln, wenn irgend ein guter Zweck nur gefördert und ihm die Ersprießlichkeit der Sache nur an's Herz dringt? Diese Punkte also glaube ich mit bescheidenem Stillschweigen übergehen zu können, und überlasse mich' vielmehr der süßen Hoffnung, daß bei der jetzigen übervollen Bewegung der jüdischen Jugend für eine zeitgemäßere Erziehung, hunderte talentbegabte Jünglinge einer solchen Anstalt zuströmen werden, um sich da für diese ehrenvolle Laufbahn bilden zu lassen. Der Zweck dieser Schule aber müßte nur solchen Jünglingen den Zutritt erlauben, die schon eine große Kenntniß der hebräischen und rabbinischen Literatur besitzen, und sich hier theils in diesen vervollkommnen, theils und vorzüglich die für ihren künftigen Stand nöthige sprach- und wissenschaftliche Bildung erlangen sollen. Wer die schnelle Fas- ") Diesem Schluffe ging ein weitläufiges aus .... Punkten bestehendes Projekt voran, indem die Klassifikation und Rangen der Rabbinen, als auch ihre Wahl und Qualifikation, genau geschildert waren.

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