Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1841)
- Date
- 1841-11-06
- Page
- Seite 641 (sequence 5)
- Language
- German
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641 sungskraft der bessern Zugend dieses Volkes kennt, kann mit Gewißheit erwarten, daß sie - nach einem fünf oder sechsjährigen Kursus rühmlich schon ihre Bahn werden betreten können. — Also nur mit dem unbedeutenden Kostenaufwand, während dieses fünf bis sechsjährigen Zeitraums, könnte ein in seinen heilsamen Folgen unberechenbares Gutes gestiftet werden. Denn mögen auch nachher die Pforten dieses Tempels geschloffen werden, eine heilige Elektricität fürs Bessere, wird sich allen, die in der Nähe jener Jünger, leben werden, von selbst mittheilen, und in tausend Echos würde jener mächtige Ton forthallen. —, So wie am Ende der anarchischen Laufbahn, der Richter unter Israel, da das Volk in allen seinen Theilen roh, der Auflösung nahe war, da in ihm für das wahre Gesetz Gottes, nicht die mindeste Empfänglichkeit mehr waltete, allem drohenden und wirklichen Nebel damals, durch die vom begeisterten umsichtigen Samuel gestiftete Propheten-Schule m gesteuert wurde, indem sie wieder wahre Religion geweckt, Skückkehr zum Gott der Väter bewirkt, und dem Volk einen neuen Geist eingeflößt, eben so heilsame Früchte, kann man in unfern Zeiten mit Sicherheit von der Stiftung eines Rabbinen-Seminariums für die hiesige jüdische Bevölkerung erwarten, sofern es nur nach den Bedürfnissen der Zeit und den heilsamen Zwecken unserer väterlichen Regierung eingerichtet werden sollte.— Denn von Selten Israels ist selbst hier zu diesem Zwecke alles vorbereitet und reif. — Das Schlechte und Gemeine im Leben, Erziehung, Denkungsweise, hat seinen hundertjährigen Lauf am Volks-Horizont der hiesigen Juden schon lange vollendet! — Tausende raunen sich schon ins Ohr, daß so manches in den Herkömmlichkeiten und Gebräuchen einer uralten jüdischen Vorzeit jetzt schon unerträglich, schimpflich wurde, ja wider den Geist der Mosaischen Religion ankämpft. Denn das Wort Gottes soll seinen Bekennern ein Lebensstrom sein, nicht aber ein Morast, wo alles Lebendige erstickt! Diesen Lebensstrom sollen künftig die wahrhaft erleuchteten und humanisirten Rabbinen aus dem Felsen unseres Glaubens wecken, die Gemeinde Gottes damit tränken, daß sie wohlgefällig in den Augen Gottes, in den Augen unserer väterlich gesinnten Herrscher und der uns umgebenden christlichen Menschheit gedeihe! Daß die alte Schande uns das Herz nicht mehr zuschnüre, und wir auch froh werden, in Gottes freudiger Schöpfung. Amen! Frankreich. Lyon, 12. Oktober. (Privatmitth.) Wenn es zu den Zwecken dieses Blattes gehört, auch Ereignisse, die eigentlich nur lokales Interesse haben, bekannt zu machen, um sie den jüdischen Kommunen als Spiegel vorzuhalten, als Mahnung und Warnung, so gestatten Sie auch über hiesige Zwistigkeiten mich auszusprechen, auf Grund einer eben erschienenen Broschüre (Loop d’oeil sur l’administration de M. Heymau, Comm. surveillant de la Communautd israelite de Lyon.) Die Gemeinde ist nämlich mit der Verwaltung ihres Vorstehers, des H. Heymann de Riklirs, den das Konsistorium zu Marseille delegirt har, sehr unzufrieden, da er mit einer gewissen Diktatur verfährt, .und zur Befriedigung seines Ehrgeizes die Mittel nicht scheut. Seit 9 Monaten verwaltet Herr H. das Amt allein, da sein Mitvorsteher aus Unzufriedenheit seine Demission gegeben. Man klagt ihn an, zuerst ein Holländer zu sein, das Schulwesen nicht ganz, wie der Anstand es geziemt, zu leiten, und der ganz willkürlichen Verwendung des Gemeindeeinkommens. Vergebens habe ein Mitglied der Kommission den Herrn H. beim Konsistorium deshalb angeschuldigt, es habe nicht darauf geachtet; 39 Mitglieder von 56 der Gemeinde haben eine Petition an das Konsistorium gerichtet, die sich auf Thatsachen gründet, und das Konsistorium hat dies Zeugniß verworfen. Herr H. will auch den Prediger der Gemeinde, Herrn Charleville, der seit zwei Jahren die Gemeinde durch seine Vorträge erbaut und belehrt, mit der Gemeinde entzweien, und hat ihn beim Konsistorium fanatischer Reden gezeiht. Endlich sei das Streben des Herrn H. ganz antireligiös. Die gedachte Petition der Gemeinde enthält die Anklage, daß, während vor der Verwaltung des Herrn H. die Gemeinde zur Wiedererbauung des 1828 abgebrannten Tempels sich 3000 Fr. gespart habe, sie jetzt bereits mit Schulden belastet sei, und die Abgabe auf daS koschere Fleisch anstatt zur Erhaltung der Gemeinde und des Kultus für ein Wohlthätigkeitsbureau verwendet werde, über welches Herr H.