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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-30 · Heft 44 (30.10.1841) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 44 (30.10.1841)
Date
1841-10-30
Page
Seite 634 (sequence 14)
Language
German
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634 Du nimmst an, Freund, erwiederte ich, als ob ich mit meiner Ansicht alle besonderen Erscheinungen aufheben wollte in der Menschheit. Nichts der menschlichen Natur Widersprechenderes, ja Unmöglicheres kann gedacht werden. Jeder einzelne Mensch protestirt dawider, jeder, der die Kraft eines Willens und den Willen eines Besitzes hat. Auch könnt' ich mir nichts Langweiligeres, nicht Erdrückenderes denken. Ich gehe vielmehr so zu Werke. Während die frühere Zeit in allem Vorhandenen ein Besonderleben erzielte, will die neuere Zeit eine Concentrirung zu einem Allgemeinleben, das zur Basis diene allen besonderen Existenzen, welche sich aus jener Basis erheben sollen. Dadurch wird eben eine doppelte Beziehung hervorgebracht, eine zur Allgemeinheit, und eine zu sich selbst. Es kommt daher ganz auf den Standpunkt an, auf den man sich stellt. Sobald die Frage um die allgemeine Erziehmcthode ist, muß ich alles Besondere sich einordnen lassen dem Allgemeinen, jenes zieht seinen Werth erst aus diesem. Ebenso werde ich jede besondere Existenz in ihrem Verhalten zum Allgemeinen nur gemäß dieser Einordnung beurtheilen können. Ganz anders gestaltet sich aber die Sache, wenn es gilt, sich in die besondere Erscheinung selbst hineinzuarbeiten und hineinzuleben. Hier tritt diese als Dasein für sich aus, abgeschlossen und vollendet in sich, umschrieben von ihren eigenen Granzen, nur sich selbst unterthan. — Wenden wir dies auf unfern Glauben an. Daß das Judenthum eine besondere Stellung zur Allgemeinheit einnimmt, ist wahr, weil es eben eine besondere Existenz ist, und daß es daher einer Beurtheilung dieser Stellung vom Standpunkte des Allgemeinen aus unterworfen ist. Hier muß man sich nur hüten, das Christenthum mit der Allgemeinheit zu verwechseln, diese schwebt über denr Christenthum ebensosehr, wie über dem Judenthum, und schon die Zersallenhcit des Christenthums, die sich von dem ersten Augenblicke seiner größern Verbreitung kund that, hat ihm den Charakter der Allgemeinheit genommen. Also das Verhaltniß des Judenthums zum Christenthum ist noch ein ganz andres als das des Judenthums zur Allgemeinheit. Um so mehr aber muß das Judenthum sich sein Recht als Besonderheir vindiciren und reserviren, und hier wird es bloß in sich, seiner Geschichte, seinem Bestände und seinem Wesen nach für sich allein zu beurtheilen sein. — Was nun den jüdischen Geistlichen betrifft, so nimmt er allerdings vermöge dieser Verhältnisse eine eigenthümliche Stellung ein. Das Judenthum ist aus den Schranken einer ganz isolirten Besonderheit erst vor Kurzem, kaum seit 3 Decennien, herausgetreten. Daß deshalb auch seine Bezüge zur Allgemeinheit noch nicht geordnet sind, kann Niemanden wundern. Von der einen Seite möchte man ihm schon das Recht der Besonderexistenz ganz und gar absprechcn — man schreit das Judenthum für todt, für Mumie aus, ein Geschrei, das durch das rege Leben desselben in der jüngsten Vergangenheit so ziemlich zum Verstummen gebracht worden — dann will man noch mehr ihm die Bezüge zur Allgemeinheit verweigern, man will ihm Wirksamkeit, Mission für die gesammte Menschheit absprechen, es als eine bedeutsame Erscheinung im Kreise des Menschlichen zurückweisen. So ungeschichtlich diese letztere Meinung an sich ist, so wird sie auch'durch tägliche Thatsache ihrer Gewaltsame überzeugt. Von der andern Seite ist das Judenthum eben darum immerfort der Versuchung ausgesetzt, für seine allgemeine Stellung zu viel von seinem Besonderleben aufzuopfern, wesentliche Stücke seiner selbst hinzugeben, um so mit eigenem Fleisch und Bein sein Anrecht auf die Allgemeinheit zu erweisen. Es wäre im Stande, seinen ganzen Charakter dadurch zu verwischen, und das heißt nichts anders, als sein Dasein zu untergraben. Davor müßte es bei Zeiten gewarnt werden. — Mit dem Judenthum ist aber der jüdische Geistliche identisch. Man muß von ihm eine allgemeine Bildung verlangen, weil das Judenthum in seinen Bezügen, wie in seinem Zweck' an die Allgemeinheit herangetretcn. Es kann dies auch nicht nur die allgemeine Bildung sein, welche jedem geziemet, der den Bestrebungen der allgemeinen Civilisation nicht fern bleibt, das wäre zu wenig, sondern er muß sie in so hohem Grade besitzen, daß sie zur Basis seiner Besonderexistenz wird, daß sein ganzes Leben darauf fußet und wurzelt, sie muß der Höhe seines eigenthümlichen Lebensberufes angemessen sein. Der jüdische Geistliche darf nicht durch die Schule der Allgemeinbildung gelaufen sein, sondern sie ganz und umfassend sich angeeignet haben. Denn er würde sonst den Anforderungen nicht genügen, es würde ein so arges Zwitterwesen herauskommen, wo keine gegenseitige Durchdringung mit seinem Lebens-

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