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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-30 · Heft 44 (30.10.1841) · p. Seite 633

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 44 (30.10.1841)
Date
1841-10-30
Page
Seite 633 (sequence 13)
Language
German
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früheren Leistungen, dann, wenn er weniger zu leisten durch die Schwäche des Alters im Stande ist, die Gemeinde einen jüngern Geistlichen, mit Aufopferung des altern, will. 'Auch dieser Fall muß frühzeitig vorausgesehen werden"). Gespräche. (Fortsetzung.) „Was Du da ausgesprochen, sagte mein Freund bei Fortsetzung unsres Weges, hat auch eine große Bedeutung für die Stellung des jüdischen Geistlichen, obschon es hier auf mancherlei Gegenrede stoßen muß. Auch das Judenthum nahm in der vergangnen Zeit eine solche isolirte Stellung ein. Wie die Wohnung und das Gewerbe des Juden abgeschlossen waren, so nicht minder Lehre und Gesetz des Judenthums, an dem Niemand weiter Theil nahm, und das an Nichts Theil nahm. Auch das Judenthum hat sich aufgethan, und ihm ist ausgethan worden. Von innen und außen drängt es, in der Allgemeinheit des menschheitlichen Lebens einen Platz einzunehmen, und für das Judenthum wie für das in demselben lebende Individuum häufen und widersprechen sich diese Anforderungen. Man hat sehr irrig nur vom Aeußern, von der bürgerlichen Gleichstellung gesprochen, und fälschlich behauptet, alle Accomodationsversuche des Judenthums in neuerer Zeit geschähen nur, um jene zu erlangen, zu erlangen das Recht zu haben. Allein fern sei diese Beschuldigung, wir wollten die Religion der Väter opfern um einiger äußern Vortheile willen, die noch dazu noch immer nicht erfolgen. Noch ferner die Beschuldigung, wir wollten heuchlerisch Juden bleiben wollen und doch so viel davon abthun, um die versagten Früchte der Rechtsfreiheit naschen zu dürfen, auf diese Weise unser Ge- *) Wir würden über den Gegenstand dieses Artikels gut geschriebene Einreden oder weitere Erörterungen gern annehmen, wie auch über die folgenden Artikel desselben Aussatzes. Die Redaktion. wissen beschwichtigen und zugleich Vortheil ernten. Nein! Nichts anders als das allgemeine Streben, am allgemeinen Leben mit Theil zu nehmen, welches die ganze Welt ergriffen har, bemeisterte sich auch unser. Wir wollen unsre Gültigkeit und Wesen auch da haben, und dennoch kann dies mit der Aufrechthaltung der ganzen alten Jsolirtheit unmöglich bestehen. Warum schicken die hadernden Konservatirer ihre Kinder doch zur Schule und zum Gymnasium und zur Akademie? Ein Erwerbniß auf der einen Seit ist immer mit einem Opfer auf der andern verknüpft. Doch kehren wir zum jüdischen Geistlichen zurück. Judenheit und Christenheit verlangen von ihm klassische Bildung, wissenschaftlichen Fortschritt, Kenntniß alles dessen, was zum allgemeinen geistigen Leben gehört. Darin soll er hervorragen und Niemandem nachstehen. Nur dadurch vermag er auf seine Gemeinde zu wirken, und Ansehn zu erlangen. Dennoch soll er andrerseits noch denselben Umfang der jüdisch-theologischen Gelehrsamkeit — denn Wissenschaft ist da nur ein Trugwort — besitzen, und die Forderung scheint gar nicht unbillig, denn er ist doch immer jüdischer Theologe. Und dennoch soll er auch hier wieder eine ganz andre Auffassung mitbringen, er soll System hineinbringen, worin kein System, wenn auch Konsequenz, ist, er soll zugleich geschichtlich wissen, was zu wissen schon eine so ungeheure Aufgabe ist. Kömmt nun hinzu, daß die allgemeine wissenschaftliche Bildung und diese besondere jüdisch-theologische ihrem innern Wesen nach so verschiedenartig sind, wie Nord- und Südpol, so soll er selbst doch Harmonie in den Widerspruch, Einheit in das Streitende, Verbindung in das Sichabstoßende bringen — daß die Aufgabe immer unabsehbarer wird. Dabei die Rücksichtslosigkeit, die Herbheit, womit jedes Schwanken, jede Lücke verfolgt, abgeurtheilt wird, womit wohl begründetes Ansehn geschwächt und beseitigt wird, und Du wirst zugeben, Freund, die Wirre und Gegensetzlichkeit, die das geistreiche Mädchen im Allgemeinen beklagte, finden sich noch schärfer und zersetzender in der gegenwärtigen jüdischen Geistlichkeitsschaft (verzeihe dies horrende Wort!) Nun kömmst Du, und verlangst, wir sollen alles Individuelle vom allgemeinen Standpunkt betrachten, und ihm nur die Gültigkeit geben, den Werth zutheilen, den es von jenem aus hat — wie sollen wir da fertig werden? Antworte!"

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