Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1841)
- Date
- 1841-10-30
- Page
- Seite 630 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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630 „Ich bin dein Knecht, dein Diener, für dich bin ich bereit „Für dich will thun ich Alles in Freude und in Leid; „Doch merke, wenn die Stunde des heiligen Sabbat's schlagt, „Dann nimm den Ramm wieder, den du in mich gelegt — „Am Sabbat sind die Geister, ja selbst die bösen frei, „Auf daß die geist'ge Freiheit, Ruh' und Frieden sei. III. Und Rabbi Löb der Fromme behielt den Geist bei sich. Nie von des Mabbi's Seite, er ohne Zeichen wich; Und was er ihm auch sagte, er that es still und gut. Weil ja die Gottheit selber innen im Geiste ruht. — Hier bringt er ihm die Bücher, die andren trägt er fort, Er ist so sehr geschäftig, er ist bald hier, bald dort. »So geht's die ganze Woche, erwirb nicht müd'und matt. Und immer will er dienen, er wird es nimmer satt, Und immer schaut sein Auge nach seinem Herren hin. Nach seinem frommen Rabbi, mit frohem muth'gem Sinn, Und wenn die Lehr' er höret, aus seines Meisters Mund, Da thut sich in dem Geiste die inn're Freude kund. Und wenn die Schüler streiten und wenn die Hausfrau schilt. Er bleibt in seinem Winkel, ganz ruhig, ernst und mild. — So geht's die ganze Woche, er wird nicht müd'und matt, Und immer will er dienen, er wird es nimmer satt; Doch wenn drr Tag der sechste die neue Bahn betritt Dann wird er noch lebend'ger, und fester wird sein Schritt; Dann thut er Alles schneller, dann wird er ernst und wild, Der ganze Körper betet, das Aug' ist nicht mehr mild; Dann scheint's als wenn die Seele zum Körper will hinaus. Dann ist in seiner Nähe, ach Schrecken nur und Graus; Dann leuchten seine Augen wie Blitze rings umher. Und jedes Glied, es zeiget, es will nicht dienen mehr. Doch kaum des Meisters Stimme im ernste« Ton' Ä ertönt, übt er fest gebannet und heimlich er nur stöhnt. — Wenn sich die Sonne neiget, ruft ihn der Rabbi schnell. Nimmt ihm heraus den Namen, verstopft des Lebens Quell; Dann liegt von Lehm und Erde eirr todter Körper nur, Don Staub ist das Gebilde, vom Geiste keine Spur. Das ist der Geist, der Golem, wie ihn der Rabbi nennt, Wie ihn in Prag der Jude und auch die Sage kennt.— IV. Es nahte einst Jom Kipur mit seiner ernsten Lust, Mit seiner Sühn' und Freude, mit seiner Liebesbrust. Der Rabbi ernst und heiter, er nahm sein Sterbekleid- Gedachte seines Lebens, der schnell entschwund'nen Zeit; Gedachte seiner'Sünden, „kein Mensch ist ohne Fehl," Dies pflegte er zu sagen stets Allen sonder Hehl. Er bat die traute Gattin, sie möchte ihm verzeih'», Wenn sie beleidigt wäre von ihm auch nur im Schein. Er bat auch seinen Schülern die Sünden alle ab. Da er vielleicht im Lehren oft rauhe Worte gab. Auch nicht den Geist vergaß er, um Sühne anzufleh'n, Er sah' ihn ernst und ängstlich in seinem Winkel stch'n. Und als er so gerüstet, im weißen Sterbekleid, Macht er zum Gotteshause sich fertig und bereit. — Dort waren schon versammelt die Juden allzumal, - Ein furchtbares Gedränge war heut' im großen Saal; Der Drang ward immer stärker, man schaut sich staunend an. Und keiner kennt den Andern, den nächsten Nachbarsmann — Was ist das für rin Flüstern, rin Flüstern bang und schwer, Als dröhne in der Tiefe ein ganzes Todtenheer? Schon ist ja zum Ersticken — das ganze Bethaus voll, Und furchtbar ist das Lärmen und Alles schreit wie toll; Und nichts als Todtenköpfe erblickt man in der Luft, Sie suchten mit den Augen die stille Todtengruft. Doch endlich kommt der Rabbi, er merkt das Geistecheer. „Werft ab die Sterbekleider und betet keiner mehr — „Es sind die Tobten alle in unsrem Tempel hier, „Ich Hab' in meinem Golem vergessen das Papier, „Dies will ich schnell entnehmen, da noch kein Sternlein steht, „Daß keiner von dem Platze, wo er gestanden, geht!" Der Rabbi sagt's und eilet nach seinem Zimmer schnell. Und nimmt heraus den Namen, verstopft des Lebens Quell; Dann eilet er zurücke, der Tempel ist schon leer, Zurücke in den Gräbern ist schon das Todtenheer, Der Rabbi betet stille, doch endlich ruft er laut: „Heil dem, der Gott alleine und Geistern nie vertraut, „Von nun an will ich leben dem höchsten Gott allein, „Nie soll ein Geist mir wieder ein treuer Diener sein!"