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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-30 · Heft 44 (30.10.1841) · p. Seite 629

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 44 (30.10.1841)
Date
1841-10-30
Page
Seite 629 (sequence 9)
Language
German
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629 Belletristik. D e r Golem, eine Legende von vr. Gustav Philippfon. i. War einst ein frommer Rabbi, der weit und breit bekannt, Und Rabbi Löb der Hoche*) ward er in Prag genannt; Sein Leben war der Glaube, er kannte nicht die Welt, Und weder Erz, noch Silber, und weder Schmuck, noch Geld; Und Nächte durch studirt er , beim trüben Lampenschein, Ihm ward die Nacht nicht lange, ihm war sie viel zu klein. Er klebte sorgsam feste das Wachslicht auf die Hand, Damit die Flamm' ihn wecke, wenn Schlaf ihn übermannt; Oft schlief er auf Minuten auf seinem Stuhle ein, Das Flämmchen mußt'ihn wecken aus seinen Träumerekn; Sein Auge war nicht dunkel, obgleich er Greis schon war. Sein Geist war frisch lebendig, nur silbern war sein Haar. Sein Stübchen war von großen Folianten rings umstellt, Als gab es für den Rabbi nur eine Bücherwelt.— Das Antlitz freundlich strenge, das Auge fromm und gut, Beweglich ernst und forschend es auf den Blättern ruht. Ein langer Bart ihm wallte bis auf den Schooß herab, Der Hoheit ihm und Würde in vollem Maaße gab. Die eine Hand bewegt sich fast von dem Blatte nie, Der ganze Körper zittert, vom Haupte, bis zum Knie. Und was er spricht, begleiten der Kopf, der Fuß, die Hand, Bis daß des Wortes Klarheit, die Wahrheit er erkannt. Und wen» die traute Gattin sich ehrfurchtsvoll genährt, Mit Trank und Speise zärtlich den frommen Rabbi stört, Dann deutet er durch Zeichen des Tages kurze Frist, Wie unser ganzes Leben so schnell entschwunden ist. Er will nicht Trank noch Speise, er will nicht Geld und Gut, Wenn er mit ganzer Seele auf seinem Talmud ruht.— So zehrte «ine Stunde die and're geistig auf, Voll innern Weisheirstrebens war stets sein Lebenslauf; Und rief des Boten Stimme ihn nach dem Tempel hin, *) Hoch, die Stadt, wo jder Rabbi geboren, deshalb der Beiname. Wie stand er auf so schnelle mit gläubig frommem Sinn; Dann war sein Geist beschäftigt mit seinem Gotte nur. Dann sucht' er sich zu stärken auf tiefer Andacht Flur; Der Glaube war sein Leben, war Frohsinn seiner Brust, Das Wissen war sein Streben, und seine höchste Lust. II. Doch auch noch and're Studien der fromme Rabbi trieb, Daß ihm nicht eine Stunde zur Muße übrig blieb. Bewegung ist das Leben und Stillstand ist der Tod, Drum strebe Mensch und suche des Lebens Morgenroth. Und hast du schon gesammelt der Geistrsschätze viel, Dann denke Mensch noch nimmer, daß du erreicht dein Ziel, Verwandte Geister suche und Seelen, die verklärt. Der frommen Seele Stimme — ein jeder Geist sie hört. Es knüpft sich Seel' an Seele, es knüpft sich Geist» an Geist, Wenn du den Kampf den schweren auf Erden nimmer scheu'st. Die Vorzeit sagt's von Vielen, daß Geister sie geschaut. Verwandte Seelen hatten den Geistern sich vertraut. Das Studium der Kab bala trieb er mit Fleiß und Lust, Nicht eitlen Prunkes wegen, Gott war in seiner Brust. Den Namen seines Gottes, den grub er tief sich ein, Ec sollte ihm sein Lehrer bei diesem Streben sein. Ein solcher Lehrer täuscht nicht, er lehret zart und gut: Was droben in dem Himmel, was in der Erde ruht; Was in dem Meere brauset, was in den Lüften schwebt. Was in dem Paradiese, was in der Hölle lebt; Was sich im Menschen reget, was in dem Thiere treibt, -Was in den Bergen wuchert, was in den Thälern bleibt; Was in den Kirchen frevelt, was in der Brust sich hebt. Was auf zum Himmel strebet, was an der Erde klebt; Was in der Blume sprosset, was sich im Walde zeigt. Wo Tugend still verborgen, wo das Verderben schleicht; Dies sagt ihm die Kabbala, die tiefe Wissenschaft, Die ihm die Brust erfüllte mit wunderbarer Kraft, Einst formte er aus Erde ein unscheinbares Bild, Das er in Tücher sorgsam, in Linnen eingehüE^ Und in den tobten Körper legt er Papier hinei^ Drauf mußte wol geschrieben der Name Gottes sein. Und durch die Kraft ihm eigen, o Wunder, was geschieht? — Ein geisterhaftes Wesen er plötzlich vor sich sieht — Und Rabbi Löb erzittert und spricht: hinweg von mir! .„Du hast mich her gerufen, sagt dieser, ich bin hier, 44*

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