Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1841)
- Date
- 1841-10-30
- Page
- Seite 628 (sequence 8)
- Language
- German
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628 Judenthum sich in das Christenthum auflösen und Pauli Weissagung erfüllt werden: „Ganz Israel wird selig, wenn die Menge der Heiden kommt." Sowie ich oben anführte, daß ein Jude (von jetzt an in meinem Munde ein Mosait oder ein Israelit) mein moralisches Gefühl weckte, so erweckte der Brief des edlen Mosaiken an den Präsidenten unseres Storthings, den biedern Sörenssen, abge-, druckt im „Constitutionelle" vom 24. Mai d. I., meine Gedanken an die Veranstaltungen, welche jetzt, besonders im nördlichen Deutschland, zur Emanzipation dieses Volkes getroffen werden; ich freute mich in meinem Geiste, da mir aus der theologischen Zeitschrift — herausgegeben von Claussen und Holenberg — vorgelesen wurde, wie es jetzt für dieses Volk tagt; — so nähert sich ihr Messias ihnen, ob er sich später persönlich in Palästina niederlaffen wird, mag dahin stehen. — Jetzt mehr von dem Briefe des in Wahrheit achtungswürdigen Israeliten, Er kann mit Fug auf sich Pauli Worte an Festus anwenden: „Ich schwärme nicht, sondern spreche wahre und bedächtige Worte." Ja das thut er; den Borwurf haben wir verdient, das kann ich meines Theils nicht leugnen, da man über ein Viertel des letzten Jahrhunderts die uns Norweger nicht ehrenden Worte: '„Juden sind ferner vom Zutritt in das Reich ausgeschlossen" unverändert hat stehen lassen, ja da sie nicht einmal gehörig in unseren Tagesblättern besprochen worden sind. Die Worte passen durchaus nicht zu dem Charakter des Norwegers. Ich habe oben gemeldet, was ich für die Ursache ansehe, daß dieses famöses Interdikt sich in unser Grundgesetz eingeschlichen hat. Ja bei genauerem Nachdenken bekenne ich freudig, daß ich das bischen Menschenverstand aufgeben müßte, das ich noch zu haben glaube, wenn ich leugnen wollte, daß dieser Mann geschrieben hat, was Wahrheit ist, und recht und gut, Alles in einer bescheidenen und eines denkenden Mannes würdigen Sprache. Er hat so gut er konnte von seinem justus dolor zurückgehalten; jeder Andere in seiner Stelle und Stellung würde ihm kaum haben nachahmen können. Ich freue mich, daß dieser Brief gewiß eine gute Wirkung haben wird auf jeden rechtsinnigen, aufgeklärten Mann unter meinen Mitbürgern; daher strenge ich meine schwache Stimme an und rufe Dir künftigen Storthings-Mann, ja Jedem zu, welcher will und kann: schleife Dein Federmesser, radire die Worte in unserem Grundgesetze aus: (Juden sind ferner vom Zutritt in das Reich ausgeschlossen), spitze nun Deine Feder, nimm Deinen Tisch, setze Dich daran, und schreibe nach der Weise rechtschaffener, aufgeklärter Norweger, einen Vorschlag an die Thinge auszustreichen aus unserem übrigens guten Grundgesetze das traurige, genannte Verbot gegen die Juden; und die vernünftigen Gründe, die Du angeben kannst dem Mosaiken Bürgerrecht in Norwegen, wie jedem andern Ausländer, zu geben, wenn er es verlangen sollteAlles mit den Modifikationen, welche die Sachkundigen nöthig finden, wenn der Mosait norwegischer Bürger werden soll. Oder erhebe Deine Stimme im künftigen Storthing wie eine Posaune, wie geschrieben steht, damit die Worte aus unserem Grundgesetz getilgt werden! — Doch es ist ja schon ein Constitions-Vorschlag eingegeben über die künftige Tilgung dieser Worte im Grundgesetze. Es ist meinem Herzen Bedürfniß unserem aufgeklärten Könige zu danken, daß Höchftderselbe keine Rücksicht auf das Interdikt unseres Grundgesetzes nahm, sondern dem darum Ansuchenden die Freiheit gab, persönlich hier im Reiche die Sachen abzumachen, die ihm zu seiner Wohlfahrt nörhig waren. Hiermit Gott befohlen, edler, wohldenkender Landsmann und Bruder! Ich schließe mit unseres Storthings gewöhnlichem Gebete zu Gott: Gott beschütze den König und seine Reiche! Ich bitte Jeden, der das gelesen hat, was ich so eben geschrieben habe, und den achtungswerthen, vernünftigen und bescheidenen israelitischen Mann kennen oder treffen sollte, der den Brief an den Präsidenten unseres Storthings schrieb, ihm die Hand von mir zu reichen mit herzlichem Danke, weil er mir dazu verhalf, meines Herzens Meinung gegen das israelitische Volk auszusprechen. Predigerwohnung zu Ullesvang in Hardanger den 29. Juli 184t. N. Hertzberg, Ritter, Probst u. Kirchspielprediger.