Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1841)
- Date
- 1841-10-30
- Page
- Seite 626 (sequence 6)
- Language
- German
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626 Streit, inwiefern das N. T. die kirchliche Dogmatik be-, gründe oder nicht, ei »lassen, wir wollen hiermit auch gar kein Urtheil über das N> T. gegeben haben: so viel aber leuchtet doch ein, daß das N. T. dem A. T. schnurstracks gegenübersteht, indem jenes den Cultus, das Recht, die leibliche Heiligung, und somit das ganze Lebensprinzip des A. T. beseitigt und aushebtwofür die Gleichheit allgemeiner Sentenzen in Beiden nicht entschädigen kann, um doch A. und N. T. für eine Eins, für ein Ganzes auszugeben. Die bis zum Ueberdruß wiederholten Vorwürfe, daß die Juden verstockt und verblendet sein, wenn sie nicht Christen würden, da das Christenthum „im Grunde" nichts Anderes lehre, als das Judenthum, hat sich zu oft hinter die Einheit und Dieselbigkeit des A. und N. Testaments versteckt, als daß wir nicht einmal offen darauf aufmerksam machen sollten. Freilich finden sich Stellen: „Denket ja nicht, ich sei gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuhebcn ff." Matth. 5, 17. — indeß, gehet hin, und thuct es, dann wollen wir es glauben. Dies ist cs, was wir vorläufig bei dem vorliegenden Werke des sehr geschätzten Herrn Vers, zu bemerken hatten, das Weitere von der Fortsetzung erwartend. Es wäre besser gewesen, zu warten, bis das Ganze in unsren Händen war. Da aber der erste Band mit der Aufforderung, ihn beurkhcilend anzuzeigen, uns zugcsandt wurde, hielten wir es für Pflicht, dem gerecht zu werden. Tagrs-Controlr. (Schluß.) Viele werden hierauf antworten: die Juden waren ein unbegreiflich widerspenstiges Volk; je mehr Gott daran arbeitete das Geschlecht moralischer zu machen, desto mehr verhärtete es sich gegen seinen Willen. Es steht ja geschrieben im Buche der Chronik, daß „das Volk trotzte so sehr gegen Jehova, bis da kein Heil mehr war." Kurz, dieses Volk fuhr fort gottlos zu sein, ungeachtet es fest hielt an dem Hauptgrundstein: einem einzigen Gotte. Was sollte nun wol Gott, der Herr, anderes thun als das Strafurtheil exequiren lassen? also haben die Christen Recht dieses Volk zu peinigen und zu plagen. Es ist eine große Frage, ob wir Christen im Allgemeinen mehr unserem Religionsstister geglaubt haben und ihm gefolgt sind, als die Juden ihrem Moses und ihren Propheten. Wer dieses glaubt, der werfe zuerst den Stein auf die Juden. Mein Bruder, du irrst sehr in diesem Glauben, hast du wol ein Recht dich zum Rächer des Allregierenden aufzuwerfen, zeige deine Vollmacht dazu von dem Herrn selbst auf! du mußt dich im Gegentheil erinnern an den ganzen Geist in dem Liebesgesetze unseres Jesu; als die Nägel durch seine Hände und Fußsohlen in das Holz des Kreuzes geschlagen wurden, um was bat er seinen Vater? Rache und Verdammung vielleicht über seine Peiniger? O nein, O nein! „Vater," rief er, „vergieb ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun." Nun gilt Jesu Wort an dich: „Gehe du hin und thue desgleichen." — lO! wie viel Böses ist doch sicherlich durch diese ewig segensreichen Worte verhütet worden!) Siehe, dieses betrifft dich, aber keinesweges, wenn du die Juden quälst, dich damit zu entschuldigen, daß du den Willen des Weltenlenkers befolgst, den du im Laufe der Begebenheiten hier auf der Erde zu sehen vermeinst. Er will die Plagen nicht, er läßt sie zu, und das Ende wird das Werk krönen. O! laßt uns an den goldenen Spruch unseres Jesus denken: „Es soll eine Heerde und ein Hirte sein;" — mögen auch die Schaafe, Christen und Nichtchristen zittern, wenn die Wolle geschoren wird. Es ist schwer zu denken, daß der eine Bruder die Peitsche sein muß in des Rächers Hand, den andern Bruder damit zu peitschen, aber weit schwerer ist es, daß es Menschen giebt, welche Teufelsfreude daran finden, Mitmenschen peinigen und plagen zu können. Daß andere Völker eben so unmoralisch gewesen sind, wie die Juden, ist gewiß, es ist aber auch gewiß und wahr, daß die Juden in ihrem Grundgesetz seil uralter Zeit mehr Aufklärung über Gutes und Böses und mehr Spuren von Moralität hatten als alle im Alterthum sie umwohnenden Völker; das Grundgesetz von einem einzigen Gotte und die daraus folgende Offenbarung von einer ewigen, weisen Vorsehung über jede einzelne Sache und Begebenheit ging zuerst von den Juden aus. Daher bleibt es ein Räthsel, welches nur im künftigen Leben wird aufzulösen sein, wenn,