Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1841)
- Date
- 1841-10-30
- Page
- Seite 624 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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624 wenigstens nickt unwichtig, wenn die Gemeinde einen Vorsänger erwählt, der durch musikalische Bildung im Stande ist den schon veralteten Nationalmelodien dennoch eine zeitgemäße Veränderung zu geben, ohne einer Partei zu nahe zu treten. Dazu gehört frerlich Gewandtheit und Umsicht und eine gewisse Aufmerksamkeit auf den Geschmack des Auditorii, so wie auf den Bermittelungsgeist der in der Gemeinde sich bewegenden Gegensätze. Einen solchen Mann besitzen wir in dem Cantor H. Königsberger allhier. Er ist der Sohn eines der berühmtesten isr. Cantoren seiner Zeit des verstorbenen Wolff Königsberger, ferner ein Schüler des verstorbenen Bamberger, ersten Vorsängers zu Berlin, dessen man noch heute mit Liebe gedenkt. Seine Stimme ist kräftig schön, sein Vortrag deutlich, mir Gefühl und Würde. Er hat sich von jeher bestrebt, alle Scknörkeleien aus den Ritualgesängen zu entfernen und nur die Nationalmelodien, dem Geiste der Gebete würdig anzuschließen. Dieses würdige und zeitgemäße Bestreben ist ihm in jeder Hinsicht gelungen. Wer diesen Mann am Neujahrs- und Versöhnungstage nur eine halbe Stunde gehört hatte der wird ihm gern das Zeugniß geben, daß er mit zu den besten Vorsängern seiner Zeit gehört. Wie sicher er auch einen Choralgesang zu leiten versteht, ist schon in der allgm. Zeitung des Judenthums besprochen worden und zwar als von der Einweihung des neuerbauten Tempels zu Erfurth die Rede war. Diese öffentliche Anerkennung möge den strebsamen Mann aufmuntern in seinem würdigen Eifer fortzufahren, damit er auch Nacheifrer finde, und im Gebiete des Judenthums Nichts übersehen werde, was zu seinem Heile beiträgt. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 18. Oktober. Angekommen. Die Nothwendigkeit einer Reform der Kirche, auf dem Standpunkte der frommen Politik biblisch und kirchengkschichtlich begründet von Di. Robert Haas, Pfarrer. Erster Band. Stuttgart, 1841. Der Verf. dieses Merkes ist den Lesern dieser Zeit, noch aus dem Jahrg. 1837 bekannt, wo wir Gelegenheit hatten, sein in vielen Beziehungen treffliches Werk „Staatsbürgerthum der Juden" zu beurtheilen, und neben den Differenzen im Einzelnen, die Ehrenfestigkeit und Sittlichkeit seiner Ansichten im Ganzen für uns mit Anerkennung in Anspruch zu nehmen. Er tritt hier abermals mit einem schriftstellerischen Produkte auf, das, wie weit^ oder wie nahe wir auch mit ihm Zusammentreffen, ein wiederholter Beweis seiner frommen Freisinnigkeit ist, mit der er, unter Gottes Schutz und Bestimmung, hingiebt, ohne Furcht, was ihm Forschung und Ueberzeugung hervorgebracht. Uns selbst interesstrt das Werk, abgesehen von seiner allgemeinen Tendenz, auch speziell, da es, so wie es das Zudenthum, wenn auch von der Oberfläche weg, mit in seine kirchliche Reform zieht, außerdem gewisse Ansichten zu Gunsten des Judenthums faktisch zum Erweise bringt, die von vielen unsrer Gegner ungern vernommen werden. — Der Verf. geht 'von dem Standpunkt aus, die Völker sind von dem Bedürfniß einer kirchlichen Reform durchdrungen, indem der gegenwärtige Zustand der europäischen Welt nur eine weltgeschichtliche Durchgangsperiode ist. Die Reform besteht ihm nun — in der Errichtung der biblischen Kirche. In dieser biblischen Kirche glaubt er die Vereinigung der protestantischen Kirche und des Judenthums zu finden. Diese Reform will er in ihrer Nothwendigkeit erweisen, sowol vom Standpunkt der Bibel, als der Kirchengeschichte. Auf diesen Beweis hin, giebt er ohne Anstand zu erkennen, will er an die positive Gründung dieser „biblischen Konfession" gehen, und sollte er darüber sein Amt verlieren, wohingegen er in der Vorrede schon zu erweisen sucht, daß der Staat einer solchen Konfession nicht zuwider sein könne. Ist dies die in der Vorrede ausgesprochene Ansicht und Absicht des Verfassers, so können wir doch über die Ausführung, auf Grund dieses ersten Bandes, noch gar nicht urtheilctt, da derselbe, nach einer Einleitung über das Verhältniß der Kirche und des Staates die biblische Lehre von Gott und auch diese erst theilweise enthalt, und zwar Beides nur aus der rubrizirten Zusammenstellung aller dahinernschlagenden Stellen des A. und N. Testaments bestehend. Wohinaus hiermit der Verf. will, ist nicht ganz klar, wir müssen die Forts, in den folgenden Banden erwarten. Je größer der Verf. seine Resultate in der Vorrede verkündet, desto eher müssen wir verpflichtet sein, das Ende abzuwarren, und wollen wir daher unsre Einwande und Zweifel über die Hauptsache bis dahin zurückhalten. Leicht vorauszusetzen ist es, daß, indem der Verf.