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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-23 · Heft 43 (23.10.1841) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 43 (23.10.1841)
Date
1841-10-23
Page
Seite 619 (sequence 11)
Language
German
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das angezündete Licht wieder ausgelöscht, dann wird es wiederum in anderen Ländern angezündet, wo es früher ganz dunkel war. Die Aufklärung sowol in göttlichen als menschlichen Dingen ist dem Laufe der Sonne gefolgt und scheint ihr zu folgen — sie tagte im Osten und scheint gegen Westen in allen ihren Nüancen. x Sonnenschein wechselt mit den dunkelsten Wolken, nur eins scheint beständig, und das ist die Unbeständigkeit. Der alte Bibelspruch hat doch Recht, wenn geschrieben steht: So lange wie die Erde steht, soll Aussaat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht nicht Nachlassen." Ich will aber aufhören, weiter darüber zu schreiben, denn es wäre, als wollte ich den Eingang zu einer Predigt schreiben, und das ist doch nicht meine Absicht bei dem, was ich zu sagen habe. Ich bin mit meinen Zeitgenossen eine Art Noah gewesen, habe vor und nach einer wirklichen Sündfluth im Reiche der Wissenschaften und der Kunst gelebt; ich lebte vor der französischen Revolution und überlebte sie — Man dekretirte: es gibt keinen Gott. Das Dekret wurde als eine Sternschnuppe betrachtet, Robespierre kam, dekretirte wieder anders. Es scheint, als wenn dieses von Wirkung war, ungeachtet daß der, welcher diese Rakete warf, schnell wie ein Gespenst verschwand — Nun genug. Ich muß meinen Faden weiter ausspinnen, oder wenn man will, mein Spinnengewebe 'ausweben, ich könnte darin die eine oder die andere gutmüthige Fliege sangen. Es scheint mir freilich zuweilen, daß es in meinem geliebten Vaterlande in gewissen Dingen sehr langsam geht, und daß Manches kürzer gefaßt und das Ziel doch erreicht werden könnte; aber mir fällt bei: „Ein Tag ist vor dem Herrn wie 1000 Jahre »■ s. w." Jenem festina Icnte zu folgen dürfte in den wichtigsten Dingen freilich das Richtigste sein, doch giebt es Dinge, von denen es heißt, es ist periculum in mora; diese Gefahr ist beim Aufschub nicht immer gleich groß — doch ist sie immer vorhanden. So scheint es mir mit dem Aufschub der Bearbeitung des Vorschlages zu sein, der an das Storthing von einem oder einigen geehrten Mitbürgern eingegeben sein soll um aus unserem guten Grundgesetze die Worte zu streichen: „Juden bleiben ferner von dem Zutritt in das Reich ausgeschlossen." Anders ist esmit diesen in der bürgerlichen Gesellschaft beschaffen als mit Jesuiten und Mönchen (die auch ausgeschlossen sind. Anm. d. Uebers.), denn diese haben den Geist verdorben, haben ihm geschadet, die Juden nur dem Beutel. Ich will hier nicht weiter von dem Fleck, beinahe hätte ich Schandfleck gesagt, reden, der aus diesem Gesetze auf den Verstand und das Herz von uns Normännern hergeleitet werden kann. Es kommt mir ganz wunderbar vor, daß mir nichts vorgelesen wurde aus irgend einem liberalen Blatte des In - oder Auslandes über diese unkosmopolitischen Worte in unserem Grundgesetze. Ich grämte mich, als ich.diese Worte zuerst las. Ich will hier nur kurz berühren, wie es mit den vielen aufgeklärten und edelherzigen Mitgliedern der Reichsversammlung von 1814 zugegangen sein mag: Alle haben von Kindesbeinen an mit der Muttermilch einen gewissen Abscheu gegen die Juden eingesogen; die aufgeklärtesten Mitglieder der Reichsversammlung ließen sich von der Stimme dieser Erbsünde hinreißen, und hatten nur wenig Zeit auf das zu achten, was wenige Einzelne gegen dieses Interdikt einwendeten. — Ach ja, es ging hier mit den Juden wie mit ihrem ewig erhabenen Landsmanne, Jesus von Nazareth; „sie verurtheilten ihn Alle, daß er schuldig wäre zu sterben." Es ist meinem Herzen ein Bedürfniß, so kurz wie möglich hier zu erzählen, wie ich in meinem 18. Jahre, 1778 nach Kopenhagen gekommen um mein erstes Examen als Student zu nehmen, aus meinem Vorurtheil gegen die Juden erweckt wurde und zwar von einem alten Juden. Ich kam, wie so viele leichtsinnige Jünglinge, mit einer Art Verachtung gegen die Juden, die ich leider mit der Muttermilch eingesogen hatte; denn ich hatte von meinen Kinderjahren ast gehört, daß Juden nicht in Norwegen wohnen dürften, weil sie das Silberbergwerk in Kongsberg an sich reißen und alles Silber aus dem Lande führen würden, gerade als wenn sie das Silber aus den Gruben schaben könnten, so wie der ausgehungerte Bettler die Speisen aus den Töpfen schabt, und als wenn nicht die Norweger selbst das Silber aus dem Lande führen könnten. — Meine Kameraden luden mich ein, sie nach der sogenannten Lederstraße in Kopenhagen zu begleiten, wo die meisten Juden wohnten, — damit ich, wie sie sagten, Mauschelgesichter kennen

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