Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1841)
- Date
- 1841-10-23
- Page
- Seite 620 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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620 lernte. Es liegt sicher etwas Unerklärliches in dem Gesichte eines Juden; es war mir jedoch nie widerwärtig. Als neu angekommener Student wurde ich sogleich auf Straßen und in Gäßchm von den sogenannten Schacherjuden angefallen, um zu kaufen und zu verkaufen, besonders alte Kleider — ich ließ mich nur einmal auf einen solchen Schacher mit einem Juden ein, denn ich fürchtete von ihnen betrogen zu werden. (Es war damals mir und mehren neu angekommenen Studenten auffallend, wie der Jude auf der Straße den neuen Studenten sogleich erkannte). Kurz ein alter Jude kam eines Tages auf mein Zimmer und fragte nach „alten Kleidern." Ich zog ein grobes aber neues Hemd hervor, welches, wie es mir schien, meine neue Studentenhaut wund scheuerte. Der Jude ^kaufte es, nachdem ich mit vielen Stichelworten und Namen von „Schmaus" und „Schacherer" den alten Mann behandelt hatte; — er schwieg und fragte zuletzt, ob es mir als einem Christen ziemte gegen einen armen alten Juden solche Worte zu gebrauchen? Er moralisirte so vor mir, daß ich mich schämte, vom Kopf bis zu den Füßen, und mir heilig gelobte, was ich auch gehalten habe, nie mehr einen Juden zu verspotten; dieses Sturzbad, wirkte wohlthätig auf den Geist des Knaben. — Nun weiter zur Sache: wie ich gesagt habe, daß der alte Jude mich erweckte, so habe ich im Lause der verschwundenen Jahre, besonders in den letzten, den 4 Jahren meiner Blindheit, meinen innern Sinn aufmerken lassen auf die Art, wie der Herr des Weltalls die Juden führt; — siche wie dieses Volk jetzt in dem letzten verschwundenen halben Jahrhunderte bei den meisten Bewohnern des civilisirten Europas emanzipirt wird, und es wird ihnen in den Ländern Bürgerrecht gegeben. Großer Gott! was für Plagen hat dieses Volk seit fast 2000 Jahren sogar von den sogenannten Christen erdulden müssen, in deren Ländern es gewohnt hat. Ich schaudere, wenn ich an die namenlosen Qualen denke, welche die Christen über dieses Volk gebracht haben; ja, es war als wenn die Vorsehung selbst dieses Volk vor anderw bestimmt hätte, zur' Bewahrheitung der Worte: „Irrt nicht, Gott läßt sich verspotten." Doch, — die Israeliten waren nicht unmoralischer als die Völker, unter denen sie wohnten. Ueberhaupt das Räthsel bleibt wol noch kommende Jahrhunderte unausgelöst, ja vielleicht im ganzen Erdenleben wird es nicht gelöst werden. (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen I^Ngr. (I gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Jede deutsche Buchhandlung nimmt Subserrptiorr an auf Moses Mendelssohns fämmtliche Schriften. Nach den Originaldrucken und aus Handschriften herausgegeben. Sieben Bände. Gr. 12. Auf seinem Velinpapier. Geh. Preis höchstens 6 Thlr. Ausführliche Ankündigungen, mit vollständiger Angabe des Inhalts, sind in allen Buchhandlungeu zu erhalten. Leipzig, im September 1841. $. A. Sroclchaus» Ein Lehrer der zugleich Vorsänger und Schächter ist, wird zu Ostern 1842 von. der Israelitischen Gemeinde in Dannenberg gesucht. Reflektirende belieben sich schriftlich an den Vorsteher der Gemeinde daselbst zu melden. Druck von I. B. Hirschfeldt