Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1841)
- Date
- 1841-10-16
- Page
- Seite 606 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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606 blick die abstrakte Freiheit zur wahren, wirklichen Freiheit zu erheben. Das religiöse Leben ist nichts anderes, als diese ewig wirkliche unD ewig sich verwirklichende Freiheit. §. 4. Der Mensch kann kein Verhalmiß zu Gott haben, denn das setzte Gott als ein Endliches. Das Selbstbewußtsein setzt nur in Gott den Urheber seiner Freiheit von selbst. §. 5 Zwischen der^ formalen und wirklichen Freiheit ist ein Widerspruch. §. 6. Sünde ist die Hingabe an die Natürlichkeit auf Kosten der Freibeit. Die Möglichkeit zur Sünde ist daher von Gott gewollt, soll aber niemals Wirklichkeit werden. §. 7. Indem der Mensch in vollem Bewußtsein sich frei macht, erkennt er Gott als wahrhaft und ewig frei. §. 8. Von hier ab wird nun an der Geschichte des ersten Menschenpaares im Paradiese der Uebergang des Menschen aus dem Naturzustände in die Sünde entwickelt. — Dies ist das Gerippe dieses ersten Heftes, in den Anmerkungen werden die Satze insbesondere in den Midraschim nachgewiesen, wobei sehr viele feine, aber auch sehr viele gewagte und superfeine Erklärungen angebracht werden. Solche Beweisführungen haben das Mißliche, daß man philosophisch Gedachtes aus Allegorisch-Poetischem herausbringen muß, und daß oft widersprechende Satze auf derselben Seite der Midraschim nachgewiesen werden können. — Was nun die Satze des Vers, insbesondere betrifft, so wäre es zu weitschichtig hier Alles aufzuführen, was man dagegen heranbringen könnte. Nur Folgendes wollen wir vorläufig bemerken. Es ist höchst mißlich, Gott in das Bewußtsein des Menschen nur als den Urheber seiner Freiheit zu bringen, da hiermit Gott nur etwas sehr Zufälliges für das Bewußtsein wird. Gott wird dadurch terminus, a quo, aber nicht ad quem. Ebenso wenig kann Religion bloß als die sich verwirklichende Freiheit gefaßt werden. Ich kann zum Beispiel meine Sinnlichkeit überwältigen aus dem Bewußtsein heraus, daß ihre Befriedigung wir körperlich schädlich ist, durchaus aber nicht mit dem Gedanken, meine Freiheit dadurch zu verwirklichen. Eine Verwirklichung meiner Freiheit ist mir hierbei nicht 'abzusprechen, wol aber Religion, denn ich verwirkliche meine Freiheit nur aus der Selbsterhaltung heraus. Die Unhaltbarkeit dieser Aufstellung geht aber auch schon daraus hervor, daß der Begriff des Menschen als sich frei zu machendes Wesen vom Verf. gar nicht erwiesen wird. Er führt nämlich die wirkliche Freiheit auf die formale zurück; die formale kann aber eine angelernte Anmaßung des Menschen sein, der eine theilweise nur ihm zukommende Eigenschaft sich vollendet wähnt. Und dies ist in der That so. Denn da der Mensch immer nach Freiheit ringen, sie verwirklichen soll, so ist er nie frei.— Doch wir können diese kurzen Angaben hier nicht weiter verfolgen, und müssen es dem Verf. überlassen, die Erwartungen , die er anregt, zu erfüllen, wobei wir ihm stets unparteiisch prüfend zur Hand sein wollen. Gespräche. Ich ging mit meinem Freunde über den großen Hof des prächtigen Gebäudes, als ein Fenster geöffnet ward, und eine helle, aber zarte und klangvolle Stimme meinen Freund mit den Worten heranrief: „Herr Doktor!" Bald winkte auch mich mein Freund heran, und mit den gewöhnlichen Formeln: „Fräulein . . . „Herr. . . war die Vorstellung geschehen. In ihrer lebhaften Weise überfuhr .ihr Auge nur mein Angesicht, als ob es schnell gewahr werden wolle, was an dem Gerücht und aus der Lektüre meiner schwachen Produkte Wahres in jenem ausgeprägt sei, und sprach weiter in meinen Freund hinein. „Die Jugend muß ja immer wieder von vorne anfangen, nicht einmal das Abc kann der Vater dem Sohne vererben und also ersparen, was soll da aus dem Ungeheuern Material werden, welches immermehr auf. gestapelt wird? Ich merke es schon, und bin noch jung, und meine Schuljahre sind kaum zu Ende, ich merke schon an meinen jüngeren Schwestern, daß bereits mehr Forderungen an sie gestellt werden, als an mich gestellt worden." „Je mehr angeschafft wird, desto mehr wird auch liegen gelassen." „Das'ist eine Aushülfe, sagte sie, Sie wollen mir heute nicht Rede stehen, und ich bin Ihrem Freunde da schon gram, wenn es um seinetwillen geschieht. Wir können nicht leugnen, daß die Menschheit auch die größeren Resultate immer mehr anhäuft, die nicht liegen gelassen werden können, die jeder Einzelne, der einiges Anrecht aus geistige