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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-16 · Heft 42 (16.10.1841) · p. Seite 607

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 42 (16.10.1841)
Date
1841-10-16
Page
Seite 607 (sequence 15)
Language
German
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607 Weihe machen will, in sich ausnehmen muff, und ich gestehe, daß meine Unwissenheit mich oft zur Scham bringt, trotzdem ich fleißig gewesen und bin." „Desto weniger Scham kann es bringen, Etwas nicht zu wissen." „Sie sind heute Unausstehlich, erwiederte sie ihm, und thun mir wenig Ehre vor Ihrem Freunde an, da Sie nicht aus meine Frage eingehen wollen. Die Menschheit kann nur vorwärts, indem sie sich an ihre Vergangenheit lehnt, und aus dieser heraus. Soll aber deshalb die ganze Hells Zukunft des Individuums dieser verfallen sein, daß das ganze Leben zwischen den Denkzeichen des Gewesenen verläuft?" „Hier muß allein die Methode helfen, siel ich ein, daß aus dem Allgemeinen immer erst in das Einzelne eingegangen wird. Welches Besondere dann als Lebenszweck ergriffen wird, derselbige ist doch durch alles Allgemeine hindurchgeschritten, an dem zu aller Zeit fortgesetzt werden kann. „Ja, wo aber, wandte sie sich 'zu mir, ist die Grenzlinie zwischen dem Allgemeinen und Besondern? Dies ist wieder überall die Schwierigkeit. In der Wissenschaft, wie in deren Erlernung; in der Religion selbst, wie im Religiösen." In früheren Zeiten brauchte Jedermann nur in seinem Fache Meister zu sein, um hohe Achtung und Anerkennung zu finden. Je mehr aber jetzt Einer in sein Fach sich einschließt, um darin ganz -heimisch zu sein, desto mehr mißfällt er der Welt, desto weniger weiß er sich in ihr zurecht zu, finden,, ihr zu geben, und —-desto weniger erhält er auch von ihr. Ja, er wird lächerlich und belächelt, er steht außerhalb der wirklichen Verhältnisse. Er ist überall wie zu Hause — ist Verlangen und Lob der Gegenwart. „Aber Sie helfen mir ja klagen, anstatt mir die Klage durch die Lösung ihrer Ursache, durch Angabe ihrer Abhülfe zu zerstreuen!" Weil ich darin gar nichts Beklagenswerthes finde. Alles, was wir angeführt, gehört nur zu den Ucbelständen, die mit jeder Entwickelung eines Neuen, und wär' es das Beste, verbunden sind.! Die Menschheit hat in ihrer Bildung eine neue Richtung eingeschlagen, und sie kann ohne Kämpfe und Beschwerden nicht dazu kommen. „Von Richtung und Entwickelung hört man jetzt viel, streute sie ein, aber gewöhnlich zerfließt Alles unter der Hand. Aber lassen Sie hören." Das Mittelalter hat durchweg die Richtung des Spaltens, Vertheilens, Parcellirens, um dieses Einzelne in seiner Jsolirung desto sichrer bestehen zu lassen. Diesen Charakter trägt die Scholastik, wie das Zunftwesen, die genaue Abscheidung der Stände, wie der Wissenschaften und Künste. Jeder zog sich auf sich selbst zurück, und des Nachbarn Gebiet zu betreten, war ein Uebergriff. Mag nun immerhin sein, daß dem wirklichen Bestände des Einzelnen dadurch sehr viel Vorschub geleistet und eine feste Basis gegeben ward: der Geist konnte in dieser Beschränktheit nur sinken und verknechten, sich einbauen in Vorurtheil und Handwerk. Von diesem Zwange löste sich die europäische Menschheit nur mühsam los, und begann sich ein allgemeines Bewußtsein zu schaffen. Die engen Schranken und Umzäunungen wurden niedergerissen, Mann trat zu Mann, Wissenschaft zu Wissenschaft; eine allgemeine Mittheilung ergab sich, die Aussichten wurden immer weiter, das geistige Auge schärfer. Das Besondere strebt in das Allgemeine hinauf, das Allgemeine wirkt aus das Besondere zurück. So bildete sich in der Neuzeit ein allgemeines Leben und Bewußtsein, welches der Mittelpunkt werde, aus dem alle Einzelheiten,' ausstrahlen. Nun versteht cs sich aber, daß dieses Allgemeine nicht so in der Luft schweben kann, es ist ja selbst nur das Resultat alles Einzelnen, das ihm zur Basis, zur Wurzel ist. Soll jenes daher Wesenheit haben, so muß es die Quintessenz alles Einzelnen sein. Um mich daher Ihres Ausdrucks, mein Fräulein, zu bedienen, wer auf geistige Weihe Anspruch machen will,, muß an diesem Allgemeinen Theil siiehmen, und darum wieder vom Einzelnen durchdrungen sein, so weit dies Basis des erstern ist. Wenn nun ebenso in der Wissenschaft, wie in den Studien, alles Dies noch nicht zu so fester Gestaltung gekommen ist,, wenn dadurch mehrfache Wir-! ren zum Vorschein kommen, widersprechende An-

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