Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1841)
- Date
- 1841-10-16
- Page
- Seite 602 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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602 Schreiben des Großwesirs) an sämmtliche Statthalter in den Provinzen erlassen worden, durch welches ihnen eingeschärft wird, alle Türkischen Unterthanen, sie mögen was immer sür einer Religion und Klasse angehören, nicht nur in ihren Civil-Angelegenheiten unter sich vollkommen gleich zu behandeln, sondern dieselben an allen Handels-Begünstigungen Theil nehmen zu lassen, welche bisher nur den Ausländern zugestanden waren. Dieses Bujurildi wurde auch an alle Behörden der Hauptstadt gerichtet und in den hiesigen Patriarchaten öffentlich verlesen. Es lautet solgendermaßen: Wie es Ew. wohl bekannt ist, gehört es zu den Pflichten der Negierung und den von ihr zu befolgenden Grundsätzen, daß alle Klassen der Sr. Hoheit dem Großherrn als Pfand an'vertrauten Völker und Unterthanen, überall von sammtlichen Beamten der hohen Pforte auf jede Weise beschützt und unterstützt, auf eine gerechte, gnädige und menschliche Art behandelt und daß deren Angelegenheiten durch die stets bereitwillige Fürsorge dieser Beamten erleichtert und geschlichtet werden; — daß besonders die Regulirung und Schlichtung der Handels-Angelegenheiten der wohlhabenderen Klasse der Handelsleute und Wechsler, welche durch ihr Vermögen und ihren Kredit das Wohl des Landes und seiner Einwohner befördern, auf eine gerechte und billige ÄZeise überwacht werden; — endlich, daß, wie in den anderen Staaten der Gebrauch ist, mehr für die Bcschützung, das Wohl und den Gewinn der eigenen als der fremden Unterthanen Sorge zu tragen, auch im Osmanischcn Reiche dieses Prinzip, nämlich den Unterthanen der hohen Pforte sowo! in ihrem Handelsverkehre als in ihren Streitsachen so sehr als nur möglich Schutz und Erleichterung angedcihcn zu lassen, aufgestellt werde. Diesem Gegenstände wurde zwar bis jetzt nicht die gehörige Aufmerksamkeit gewidmet, da aber jetzt, Gott Lob, eine Zeit der Gerechtigkeit und Gnade eingetreten ist, und besonders da Se. Hoheit, unser allergnädigster Herr, in Folge der Ihm angebornen Barmherzigkeit, den durch Gerechtigkeit sich auszeichnenden Wunsch hegt, daß das Wohl Seiner Unterthanen auf jede Weise befördert werde, so geruhte Se. Hoheit den gnädigen Befehl ergehen zu lassen, die nöthigen Weisungen an alle Beamte der hohen Pforte zu richten, damit dieselben von nun an alle ihre Aufmerksamkeit diesem Gegenstände zuwenden. Wie nun an alle übrigen Großherrlichen Beamten in diesem Sinne geschrieben worden ist, so wird auch dies Schreiben an Ew. gerichtet, damit es Derselben beliebe, die Angelegenheiten sammtlicher Unterthanen der hohen Pforte zu überwachen und zu erleichtern, ihnen, durch eine billige Gleichstellung, in ihren Handels- Angelegenheiten dieselben Prärogativen und Rechte angedeihen zu lassen, deren sich stets die fremden Unterthanen erfreuten, die nölhige Aufmerksamkeit zu deren Beschützung vor jedem Schaden und zur Erhaltung der Ordnung anzuwenden und dadurch das Glück und Wohlergehen derselben zu befördern." Schweiz. Basel, 2',. Sept. In dem Solothurner Orte Oberdorf bestand seit 40 Jahren das Gerücht, daß einst einige Juden in ein dortiges Haus gegangen und nicht wieder zum Vorschein gekommen seien. Eine richterliche Untersuchung, welche seiner Zeit veranlaßt wurde, konnte nichts ermitteln, indeß das Gerücht erhielt sich und behauptete, die Juden seien in dem Backofen verbrannt worden. Vor Kurzem ist das Haus in andere Hände übergegangen und der neue Inhaber fand, bei einer Bauänderung, unter dem Stubenboden, tief in der Erde, menschliche Gerippe mit zerhauenen Schädeln. Das Gericht ist davon benachrichtigt worden. Großbritannien. London. Obrist Churchill ward von dem Haupte der Judenschaft zu Damaskus mit einem prächtigen arabischen Pferde beschenkt, als Anerkennung der Theilnahme, welche der Obrist sür das Wohl der dortigen jüdischen Bevölkerung bethätigte. Das Geschenk wird auf 100 Guineen geschätzt. (Argus.) London, 1. Okt. (Privatmitth.) Die Allg. Zeit, des Judenth. hat nun auch in England den Trieb der Nacheiferung geweckt, auch hier eine Zeitung ihrer Tendenz hervorgerufen. Wenn Ihr Blatt nur das einzige Verdienst hätte, zum ersten Male den Weg gezeigt zu haben, auf welchem man auf das größere jüdische Publikum rasch und bedeutend