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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-09 · Heft 41 (9.10.1841) · p. Seite 589

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 41 (9.10.1841)
Date
1841-10-09
Page
Seite 589 (sequence 13)
Language
German
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589 Gewicht ihres Willens zieht und drückt sie zur Erde, tief in den Staub hinab. So erging es Mirjam. Wol fühlte sie, daß sie nicht lassen könne von ihrem Entschlüsse, dem Gesetz ihrer Väter und ihres Gottes nicht untreu zu werden — wo aber hernehmen die Kraft, sich daran aufrecht zu halten, und im ganzen Bewußtsein, ihrer That fest und sicher zu stehen, Aug' in Auge dem Widersacher? Ach, sie sank zusammen, und wünschre sich hinunter unter die kühle Decke der Erde, und in dieser martervollen Ohnmacht rang sie, Stunde auf Stunde, und konnte nicht Herr werden ihrer Angst. Sie sprang auf, und wollte durch das Zimmer schreiten, aber sie siel nieder aus die Teppiche, krampfhaft schüttelte ihr Körper, das Herz schlug ihr in die Höhe bis an die Kehle, aber keine Lhräne erleichterte sie, und kein Seufzer rang sich los. Die Dämmerung sank schon mit dunkelen Schleiern auf die Erde, es ward still und öde, kein Laut, kein Fußtritt ließ sich hören. Sie schleppte sich nach dem Divan und warf sich darauf, und da. lag sie ohne Bewegung, während Minute nach Minute über sie verrann, in ewiger Länge, und doch so unendlich schnell. Geräuschlos öffnete sich die Thüre, sie regte sich nicht; Sklaven brachten brennende Kerzen auf goldenen Leuchtern, Speise auf goldenen Schüsseln, sie regte sich nicht. Und als die Nacht vollends herabgekommen, erschien der Chan zum andern Male. Draußen gab er laut den Befehl, daß alle Diener sich entfernen sollten aus dem Gebäude und dem Garten, er öffnete die Thüre, und schloß sie ab. Er war allein mit Mirjam. In leichtem, einfachem Obergewande erschien er vor ihr, nur einen goldenen Gurt um seine Hüften, in welchem ein Dolch, mit Diamanten reich besetzt, dunkelglühend blitzte. Mirjam erhob sich nicht. Hast du dich besonnen, Mirjam? sprach er mit feierlichem Tone. Sie antwortete nicht, denn unsägliche Angst verschloß ihr den Mund. Wie soll ich dein Schweigen deuten? Und abermals schwieg sie. Hat dich meine Liebe bezwungen, und willst du! mein Weib werden, theures, holdes Mädchen? i Da brach ihr der Schmerz durch alle Poren der 1 Seele, Thränen entrollten ihren Augen, sie sank in die Knie, sie rang die Hände, aber ihre Stimme sprach hell und fest aus: Ich kann nicht! Und wenn du mußt, rief er zornig aus. Wenn ich es befehle, wenn du mußt? Ich kann nicht! Bei dem Gotte, der allein uns schaut in dieser Stunde, schone meiner, aber ich kann nicht! Wohlan, Mirjam, ich rede nicht weiter, ich frage dich noch einmal, mit aller Innigkeit, mit aller Liebe, willst du nicht mein Weib werden? Du weißt es, ich kann nicht, mein Glaube, meine Jugend, meine Eltern, mein Gott steht zwischen uns, ich kann nicht. So werd' auch ich thun, was ich nicht lassen kann! rief er, und der Grimm erstickte seine Stimme. Ich habe geschworen, du sollst mein sein, und ich halte meinen Schwur-— Da sprang er aus sie, und riß sie empor. Sie rang mit ihm, und wollte sich ihm entwinden. Er faßte ihr Gewand, und es zerriß von oben bis unten. Er schlug seine Arme um sie, und preßte sie immer fester, immer fester an seine Brust. „Ewiger, verlaß mich nicht! Vater, schütze mich!" stöhnte sie mit erstickter Stimme, aber die Kraft verließ sie schon. Er wollte sie niederreißen auf [t>cn Divan; da faßte sie nach dem Dolche, und riß ihn aus der Scheide. Aber der Chan fühlte es, seine starke Hand entriß ihr den Dolch, und schleuderte ihn nach der Wand, daß er stecken blieb. Durch diese Bewegung war sie frei geworden, schnell entschlüpfte sie ihm, und ehe er ihr nachgesprungen, hatte sie eine Kerze ergriffen. „So wollen wir Beide sterben!" rief sie — und mit gräßlicher Schnelligkeit streckte sie die Flamme in die Vorhänge und Drapperieen des Zimmers. Diese blitzten auf, und im Nu standen Tapeten und Umhänge, Teppiche und Decken in Feuer. Die Funken sprühten wie Regen, der Dampf erfüllte das enge Gemach. „Mirjam, wir sind verloren!" rief entsetzt der Chan, und sprang nach der Pforte, sie zu entriegeln. Aber die Angst machte seine Hand zittern, und die Gluth versengte ihm das Gesicht, und blendete ihm die Augen, daß er zurücktaumelte. Die hölzernen Wände brannten, Gesims und Boden brannten. „Ich bin gerettet!" rief Mirjam, und sank mitten in die Gluth hinein.

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