Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-09 · Heft 41 (9.10.1841) · p. Seite 588

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 41 (9.10.1841)
Date
1841-10-09
Page
Seite 588 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225215--03859-3313421
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

588 werth wäre. Sieh', noch Hab' ich keines Weibes begehrt, und mein Mund noch keine Lippe berührt. Aber dich will ich haben, und warst du an den Himmel gekettet. Als ich in jener Nacht fast verschmachtet aus deinem Kruge trank, und dabei tief in dein leuchtendes Auge schaute; als ich wiederkehrte, und der Ernst deiner Stirn das Wort und den Blick mir verwehrte; als du mich verschmähtest und von dir jagtest: da ward es mir, wie Allah's Gebot, zur Nothwendigkeit, dich zu besitzen. Wie willst du mir nun entfliehen? Bis an die Enden der Erde wäre ich dir gefolgt. Wie willst du dich mir versagen? Du kannst es nicht, so wenig wie aus diesem Pallast dich entfernen. Mirjam, ich bin dein Herr, also dir gewiß ebenbürtig, ich bin jung wie du, wohlgestaltet, wie du, bieten kann ich dir, was Niemand, Schätze und ein liebendes Herz darunter: warum willst du dich mir versagen^? Herr, antwortete Mirjam nach tiefem Nachdenken, meine Antwort ist bald gegeben — ich bin eine Karäerin. Meine Religion gestattet mir nicht, einem Jsmaeliten die Hand zu reichen. Siehst du, ich bin ein schwacher Stecken, sollte der Starke seine Kraft daran zeigen wollen, ihn zu zerbrechen? Er läßt ihn fallen, und schreitet darüber hinweg. Huldigst du dem Wahnwitz deines niedrigen Volkes, Mirjam? Und soll ich, der Chan, darunter leiden, was deine albernen Väter zusammengewitzelt haben? - Daß du die Weisheit meiner Väter für Wahnwitz hältst, ich vergeb'es dir, denn es geht uns mit deinen Vätern just eben so. So gar niedrig aber müssen sie nicht sein, da sie dem Herrscher gegenüber ihren Glauben nicht beugen. Und nun, Mirjam, das allein hält dich ab? Und wenn du an den Propheten glaubtest, würdest du dich mir nicht versagen? Was ich dann thun würde, weiß ich nicht, vielleicht würd' ich dem Befehl des Herrschers mich unterwerfen: so aber gebietet mir meine angestammte Religion, dich zu meiden, und ich thue es. Will denn deine Religion den Haß? O nein, sie will die Liebe, die ewige Liebe, und unter allen Menschen, aber die irdische Liebe nur unter Gleichgesinnten, weil vor dieser sonst der heilige Glauben verlöschen würde. Mirjam, das sind Worte, das sind Sprüche der Menschen, der Gott in mir spricht, du mußt mich lieben, wie er mir unbesiegbar gebietet, dich zu lieben. Soll ich flehen, Mirjam, vor dir, da ich zu gebieten nur gewohnt bin? Mädchen, ich beuge mich, und flehe! Mirjam, noch spricht die Milde und Zarte aus mir, wehe, wenn der Sturm losbricht, wenn die Kette zerreißt, die den Tieger in mir fesselt, Mirjam, um unser Beiderwillen, laß es nicht dahinkommen — sieh', ich flehe — — Ich will dich nicht reizen, Herr, aber den Lieger Hab' ich schon etwas gefühlt. Aber es schmerzt mich, Herr, dich bitten zu sehen und es nicht erfüllen zu können. Ja, fordre mein Leben, und du kannst darauf rechnen — aber deine Gattin kann ich nicht werden. Gestern ist mein Vater heimgegangen — ach, nicht einmal ihn zu betrauern, war mir gestattet — und heute schon sollt' ich ihm treulos absagcn, und seine Lehre verlassen? Mirjam, du kannst verlangen für deine Person, dem zu folgen, was dich deine Eltern gelehrt, was gehen sie aber mich an? warum soll ich mich ihrem Willen fügen? So sage ich dir noch einmal, Mirjam: ich muß dich haben, und wärest du an den Himmel gekettet! Willst du dich mir ergeben als ein liebendes Weib, siehe, so sollst du meine Gebieterin sein, so lange du lebest und ich. Hinweg sollen alle jene Weiber drüben, die so sehnsüchtig hierüber blicken aus ihrem verschlossenen Harem. Ich will dem Propheten, den Sitten meines Volkes trotzen, ja, die goldenen Stäbe sollen schwinden und die schwarzen Wächter; Du sollst frei sein, wie ein karäisch Weib. Denn wenn du, Mirjam, sagst: hier bin ich, nimm mich — so traue ich dir bis an die Enden des Himmels. Wo aber nicht, und dein Trotz stellt sich entgegen meinem Verlangen, so bist du Schuld an Allem, was geschiehet, ich gebe den Tyrannen frei in meiner Brust. Ich zwinge dich, und wäre es durch tausend Qualen und Foltern. Dies ist mein Wort — heut' Abend hol' ich mir Antwort. Und er ging. Fremdling, was ist das Weib? Ach, ein schwaches Geschöpf, und weh ihm, wenn ein starker Wille, ein fester Entschluß in seine Seele gekommen. Dann erst zeigt sich ihre ganze Schwäche, sie findet keine Stütze, keinen Anhalt in sich, und das gqnze

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.