Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1841)
- Date
- 1841-10-09
- Page
- Seite 587 (sequence 11)
- Language
- German
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587 ein vermeintlich richtiges Wechsetverhältniß gebracht werden. Die Vernunft wird der Schrift nicht unterworfen, sondern coordinirt, beide stehen nur in scheinbarem Widerspruche, der durch vernunftgemäße Interpretation beseitigt werden müsse. Genau genommen räumt er aber der Vernunft die oberste Stelle ein, indem die intellektuellen Erkenntnisse die höchsten seien, die Schrift eine hinterdrein bestätigende Stimme habe. Die Schriftauslegung des Vers, ist ein philosophischer Midrasch, der Geschichte und Grammatik nicht treu. Um nur ein Beispiel seiner Allegorisirung anzuführen, von Gott gesagt, ist ihm die Manifestation Gottes in der nieder», T1 in der mittler» Welt; d-^8^72 sind ihm die stofflosen Intellekte, maast bie Sphären, die als DW selbstthätig den TW», der durch sie Lnfluirten niedern Welt, entgegengesetzt werden. — §. 5. Der Styl des Ez Chajim ist kurz, schmucklos, korrekt. Dennoch verleugnet er nicht seinen karäischen Charakter; der geübteste Leser rabbanitischer, auch philosophischer Schriften, wird wie eine fremde Mundart vernehmen, an die er sich erst durch ein eindringendes Studium des Werkes in seinem Zusammenhänge gewöhnen muß, ehe er sich vertraut damit fühlen wird. — §. 6. Zeugnisse jüdischer Schriftsteller: Joseph Salomo del Medigo, Mordechai der Karäer. — (Fortsetzung folgt.) B e l l e t r i st i k. Die Jüdin und der Chan. (Eine karaitlsche Sage.) l Schluß.) Mirjam erhob sich, als der Chan eingetreten. Er trat sanft zu ihr hin, faßte ihre Hand, führte sie zum Divan zurück, wo sie sich wieder niederlassen mußte. Er selbst blieb aufrecht vor ihr stehen, und blickte sie lange schweigend an. Sie schaute leise und schüchtern an ihm auf: der schöne, gewaltige Jüngling, welch' ein herrliches Bild! Fremdling, ein Seufzer stieg aus ihrem Busen auf, aber es war nur einer. Hast du dich beruhigt, Mirjam? frug er endlich. Wer Alles verloren, selbst seine Freiheit, wie könnte der's werden! antwortete sie. Sei hier Gebieterin, und du hörst auf Gefangene zu sein. Eine Gefangene ist eine Sklavin, und kann nur Sklavin werden. Und warum willst du nicht meine Sklavin werden? Wie würd' ich dir dann ewig zu Füßen liegen! Hab'ich dir meinen Entschluß nicht kund gethan? Hat die fliehende, mit wunden Sohlen wie das gescheuchte Reh fliehende Mirjam dir ihren Willen nicht gezeigt? Du aber hast mir die Antwort von den Lippen gerissen, und in den Kerker geworfen. Ist dies ein Aufenthalt für Gefangene? Wie, dieser Tempel der Lust, dieses irdische Paradies, genügt es dir nicht? Oder willst du mehr der Freuden, mehr des Glanzes? Befiehl, und alle Zauber der Erde sollen vor dir erscheinen. Seh' ich nicht dort die goldenen Stäbe vor den Fenstern? Erz sind sie, wenn auch vergoldet. Gieb mich frei, und ich will dich segnen. Was sollen mir deine Freuden? Ich habe sie nie gekostet, ich will sie nicht kosten, und sie werden mir nie schmekken. Ich bin eine einfache Karäerin, und will arbeiten. Ja, gieb mich frei, und ich will für dich beten. Du sagst, Mirjam, du habest mir schon deine Antwort gegeben, ich habe sie dir auch gegeben. Als ich dich durch die Nacht verfolgte, um Mitternacht hinter dir jagte, in deine Höhle trat, und dich aufriß — da wußtest du auch schon meinen Willen. Und was willst du von mir? Meinen Vater hast du mir getödtet, aus meiner Heimath mich verbannt, nun auch meine Freiheit genommen. Was willst du nun noch? Deine Liebe, Mirjam, und die muß ich haben. Laß mich zu dir reden, Mädchen. Ich bin jung Herrscher geworden, aber die Herrschaft hat mir noch keine Freuden gebracht. Ich habe gekämpft, und mich des Sieges nicht gefreut. Was sich mir darbot, wollte ich nicht. Streckt' ich die Hand nach Etwas aus, so gab es sich mir, und darum zog ich die Hand wieder zurück. Und dennoch will ich, muß ich behalten, was ich habe, ich ließe mein Leben darum, und wenn's mir sonst kein Silberstück