Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1841)
- Date
- 1841-10-09
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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584 Abraham Mcldola, zu sich ans Lager und sprach mit allmälig ersterbender Stimme: Mein Sohn! Ist Dir eine genügende Erklärung bekannt des Verses in dem 130sten Psalme: „Aus der Tiefe ruf' ich Gott! zu Dir, ach Herr! erhöre meine Stimme! Laß Deine Ohren merken auf mein inbrünstig Flehen. So Du Sünden willst zurechnen Herr! wer 'kann bestehn? Allein-Vergebung steht bei Dir, auf daß man Dich'ehrfürchte. So hoffe ich denn zum Herrn; es hoffl meine Seele getrost auf seine Verheißung; erwartet sehnlicher den Herrn, als Wachende den Morgen, den Morgen Wachende erwarten. O, Israel, vertrau dem Herrn! Denn bei dem Herrn ist Güte und der Erlösung viel bei ihm. Er wird erlösen Israel von seiner Sünden Schuld?" Und Mcldola antwortete, daß er die letzten Verse nie recht gut verstanden. Höre, mein Sohn, sprach darauf der sterbende Greis, und cs wird deine Seele sich erheben an der beglückenden Wahrheit dieses erhabenen Gesanges." Es wallet ein Unterschied ob zwischen der Radix mp und Vm: beide zwar bedeuten die Hoffnung auf Etwas, das kommen wird; Letztere aber ist eine Hoffnung, für deren Erfüllung oder Vereitlung keine Gewißheit da ist, weßhalb auch der weise Salomo sich ihrer bedient in der Bemerkung, daß langwierige Hoffnung dem Herzen Schmerz bereitet; Erstere aber ist die sichere Hoffnung auf Etwas, die feste Erwartung dessen, was unbedingt kommen'muß. So weiß det Taglöhner, daß die Nacht dem Tage folgt; er kann sie erwarten mit Gewißheit, und freut sich ihrer im Voraus. Der Wächter jagt während der Nacht den Schlaf von den Augen, durchkreutzt aufmerksam die Straßen und Märkte, und sieht erwartungsvoll dem Morgenstrahle entgegen, der ihn heimführt unter das schützende Dach, wo er die fcostdurchbebten Glieder am warmen Herde neu belebe« kann, Ruhe und Erquickung findet. Der Psalmist hüllt in ein Bild, dem Leben entnommen, den schönsten Trost für den Sterblichen. Auf der Erde, dem Jammerthale, erringt der Mensch nie eine vollständige Ruhe, eine ungetrübte Glückseligkeit; darum verglichen die alten Weisen das Leben hinieden der schreckenreichen Nacht, das Leben jenseits dem freundlich-hellen Tage. Und David singt: Ich hoffe auf den Herrn; meine Seele harrt getrost auf seine Verheißung. Nicht Zweifel beängstigen den frommen Sänger an der Vergeltung im Jenseits, an der seligen Ruhe. Mit der festen Hoffnung, daß dort nach Verdienst ihm zuerkannt wird das Maaß der Freuden und Leiden, arbeitet er unverdrossen entgegen dem Ruheporte, im Schooße der ewigen Liebe. Seine Hoffnung gleicht der Hoffnung des Wächters auf die Morgenrökhe, die sicher mit freundlichem Gruße über die Welt aufgehet, wenn sie den dunklen Schleier der Nacht aufgehoben. Und wenn des Lebens Ende nahet, so weichet sicher die Nacht hinieden dem ewigen Glanze jener Sonne, die kein Untcrgehen kennt! Mit tiefem Gefühl sprach der hoffnungsvolle Weise diese Worte. Nach einer kurzen Pause, in welcher er sich von der Erschöpfung erholt, fuhr er fort: Auch ich mein Sohn hoffe mit Zuversicht, daß meine Morgenrökhe naht! Das waren die letzten Worte, die er sprach. Er entschlief." Dem Berf. sagen wir für sein Werkchen, das in den brieflichen Mittheilungen des Sohnes W's viel Bereicherung fand, und mit einem guten Porträt W's versehen ist, vielen Dank. Magdeburg, 20. Sept. Angekommen: Grammatik des biblischen und targumischen Ehaldaismus für akademische Vorlesungen bearbeitet von vr. G. B. Witt er. 2te Aufl. Leipz. 1842. Das vorliegende Werk, längst schon in den Händen der studirenden Jugend, hat das Verdienstliche, die historischen Spracherscheinungen, wie sie sich an den Targumim und den chaldäischen Bibelstücken ergeben, rein und klar darzulegen, so daß sie sich der Studirende auf dem geradesten Wege zu eigen machen kann. Die neueren, vielmehr auf Sprachanalogieen beruhenden, und die spekulative-Sprachforschung anregenden Versuche mußten daher beiseite liegen bleiben, um so mehr, da ihre Urheber (insondcrs Fürst) zur vollendeten Ausführung und Beweisführung es noch nicht gebracht haben. Es freute uns jedoch, bei dem höchst achtungswerthen und verdienten Verf. auch eine unparteiische Würdigung der Arbeiten Fürst's gefunden zu haben. Die Verbesserungen dieser zweiten Auflage sind zahlreich und des unermüdlich forschenden Verfassers würdig. Wir beschranken uns hier, die Ansicht des Vers, über den EhaldäismuS selbst zu bezeichnen. Am reinsten erscheint dieser Dialekt im Targ. des Onkelos zum Pentateuch, etwas tiefer, namentlich in Orthographie und Grammatik steht der biblische Chald. Am tiefsten die übrigen Targumim, die mit ausländischen Wörtern reich durchwebt sind, und viele eigenthümliche Formationen darbieten. So wie der chald. Dialekt jetzt vorliegt, charakterisirt er - sich als eine dem Syrischen sehr nahestehende Mundart, besonders in grammatikalischer Beziehung von jenem abweichend. Hiernach wird das