Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1841)
- Date
- 1841-10-09
- Page
- Seite 583 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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583 Literarische Biafyxifyten. Magdeburg, 20. Sept. Angekommen: Leben und Wirken Naphtali Hartwig Wessely's. Eine biographische Darstellung von W. A. Meiset, Cand. d. jüd. Theol. Breslau, 1841. Eine Biographie Wessely's fehlte bis jetzt, und ist daher eine willkommne Gabe. Der Vers, derselben ist ein enthusiastischer Verehrer Wessely's, und dckban hat er Recht. Die Begeisterung für eine frühere Größe ist jetzt so selten, da sie von der Vergötterung der eignen Größe gewöhnlich verdrängt wird, daß Einem wohl thut, solche Saiten in den Jüngern unsrer Gottesgelahrtheit angeschlagen zu sehen. Wir wollen es daher dem Vers, gar nicht verübeln, wenn seine Darstellung darunter litt. Nur das Eine wollen wir rügen, daß dieselbe auch zu homiletisch gehalten ist, was der scharfem Erkenntniß der Persönlichkeit sehr vielen Eintrag thut. Die Charakterzeichnung zerfließt daher noch sehr. Ein kurzer Auszug wird unfern Lesern angenehm sein. Wessely stammt aus einer Familie, die aus Polen nach Amsterdam, von da nach Kopenhagen gezogen. Sein Großvater wohnte in Wesel (daher" der Name), und zog nach Glückstadt, wo er königt. dan. Kommerzienrath wurde, zuletzt nach Hamburg. Unser Wessely ward noch in Hamburg 1725 geboren, zog aber als zartes Kind mit seinem Vater nach Kopenhagen. Seine Erziehung war völlig talmudisch, und erst durch den Grammatiker Salomon Hene wurde er mit der heil. Schrift vertraut. Wissenschaftliche Bildung fehlte ihm ursprünglich ganz, in der Calligraphie war er Meister. In der spatem Jünglingszeit erlernte er die deutsche, französische, dänische, holländische Sprache, ward in den Naturwissenschaften nicht fremd, in Mathematik heimisch. Er besuchte aber auch talmudische Lehrschulen, besonders die des berühmten Eibeschütz. Sein erster Versuch war eine hebräische Uebersetzung der Weisheit Salomon's, ohne daß sie schon im Druck erschien. Wessely war Kaufmann; als solcher lebte er in Amsterdam in Diensten, dann selbst etablirt als Juwelier, bis-er auf Befehl seines Vaters nach Kopenhagen zurückkehrte, sich dort etablirte und heirathete. Bald abi r fallirten einige Häuser, bei denen er /ehr interessirt war, seine Umstande wurden schlimmer, und er ging nach Berlin, um in Diensten als Chef eines Geschäftes zu arbeiten, im Jahre 1774. Als aber sein Herr alt geworden und sich aus dem Geschäststeben jurückzog, wurde Wessely brodlos, und von da ab war er der Dürftigkeit preis gegeben, die zu Zeiten drückendste Armuth wurde. Nur das Honorar für öffentliche Vorlesungen und literarische Produktionen erhielt ihn. Seine literarische Laufbahn hatte er aber schon früher begonnen, schon in Amsterdam. 1765 und 1766 gab er seinen yanb heraus, der namentlich in Polen und Italien freudig ausgenommen wurde, welchem *p, sein Komm, zu Abot, in Berlin folgte. 1778 veröffentlichte er die nnbw ri722N mit dem -jN m-i. In demselben Jahre kündigte M. Mendelssohn seinen Pentateuch an, und W. schrieb den Kommentar zum dritten Buche Moses. Im Jahre 1781 erließ Joseph H. sein Toleranzedikt, und Wessely richtete an die Gemeinden Oesterreichs seine Dibiü in denen er ihnen die Besserung der Jugenderziehung an's Herz legte. Diese Worte zogen ihm den Haß vieler Rabbinen zu, und diejenigen, die ihn früher am meisten verehrt, zu Prag und Lissa, thaten ihn in den Bann und verbrannten seine Schrift. In ^Italien hingegen fand er Beifall und Rechtfertigung, und insonders richtete er an die Gemeinde zu Triest drei Sendschreiben, in welchen er auch seinen Gegnern eine Frist stellte, öffentlich wider ihn auszutreten, die sie aber mit Stillschweigen verstreichen ließen. Enolickgab Wessely in mmm seine ganze Erziehungstheorie. Wessely wurde ferner ein thatiges Mitglied der Gesellschaft des rparo, namentlich durch poetische Beitrage, und den auch besonders abgedruckten Aufsatz tanp*'n. 1785 erschien W's Moral- und Sittentehre rrHEtt “ido, und in demselben Jahre verlor er seine Gattin. Ader als ob dieser Verlust den Geist W's mit aller Kraft wieder angeregt, begann er zu dieser Zeit, in seinem 60sten Lebensjahre, seine unsterbliche Epopoe ■»'-ptü. Hiermit schließt sich die Reihe seiner gedruckten Schriften, der Manuskripte sind noch sehr bedeutende vorhanden. An dem, von uns früher so dringend empfohlenen Komm, zum 1 B. Mos. wird jetzt gedruckt. 1805 vecheirathete W. eine seiner Töchter nach Hamburg, folgte ihr dahin, und starb daselbst. Am 3. Marz 1805 wurde er auf dem portugiesischen Gottesacker zu Altona begraben. W. war, seiner ganzen großartigen Anlage nach, schwärmerischer Seele, wenn auch vom Lichte der Intelligenz durchblitzt. Er besaß eine volle Beredtsamkeit, die sich leicht zur Begeistrung steigerte, so daß ec wie inspirirt erschien. Folgende Szene am Sterbebette mag hier noch einen Platz finden. „Bevor er seinen geweihten Mund auf ewig schloß, kurz vor seinem Ende, rief er seinen -treuen Schüler,