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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-09 · Heft 41 (9.10.1841) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 41 (9.10.1841)
Date
1841-10-09
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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578 sich sämmtliche jüdische Handwerker (unter ihnen ein Tischler mit 40 Gesellen) im Aufzuge der Gewerke, und war eine nicht geringe Zahl jüdischer Mädchen unter den zur Begrüßung ZI. MM. gewählten Jungfrauen, sondern es ward auch die hiesige jüdische Gemeinde in ihrer doppelten Geltung als städtische Korporation und als Neligionsgenossenschaft, vom Magistrate den übrigen Korporationen und Konfessionen völlig gleich gestellt, indem sowol das Obervorsteherkollegium als die beiden Geistlichen der Gemeinde offiziell eingeladen wurden, „sich den städtischen Behörden zum Empfange II. MM. anzuschließen," und die beiden Geistlichen unmittelbar auf die christliche Geistlichkeit folgten. Und wie der Magistrat und die Bürgerschaft Breslaus, so hat auch die schlesische Ritterschaft keinen Unterschied zwischen Christen und Juden gemacht. Bei dem von derselben veranstalteten glänzenden Balle waren die jüdischen Rittergutsbesitzer nicht anders als die höchsten Avelsfamilien betheiligt: sie erschienen in der ihnen zustehenden Stände-Uniform, und führten die ihnen am nächsten verwandten Damen ein. — Die schon besprochene Deputation hatte auch die Ehre dem Prinzen von Preußen vorgestellt zu werden, und aus dessen Munde den Ausdruck der wärmsten Theilnahme an dem sozialen und kirchlichen Fortschritte der jüdischen Unterthanen Preußens zu vernehmen. (L. A. Z.) Breslau, 26. Sept. (Privatmitth.) Eine ausführliche auszügliche Mittheilung aus dem vor Kurzem hier erschienenen Schriftchen: „Geschichte der israelitischen Krankenverpflegungs-Anstalt und Beerdigungs-Gesellschaft zu Breslau. Von Dr. I. Grätzer. Breslau, 1841." wird hier um so mehr an ihrem Platze sein, da es die Geschichte dieser bedeutenden Gemeinde zugleich umfaßt, und ein deutliches Bild der verschiedenen Entwickelungsgrade jüdischer Zustände giebt. In letzterer Beziehung werden auch praktische Winke gegeben, die bei allen Gemeinden zu berücksichtigen wären. Der Vers., als Arzt in Verbindung mit der Anstalt, mußte leider über die früheren Zeiten der Dokumente entbehren, weil diese während der letzten Belagerung ein Raub der Flammen geworden. Er theilt seinen Gegenstand in drei Perioden, deren erste von 1725— 1760 reicht. Von den früheren Schicksalen der Juden in Breslau vor 1725 entwirft der Vers, folgende Skizze, welche hier wegen des Prinzips, das aus der Behandlung der Juden in Breslau so recht in die Augen springt, Platz finden möge. „Von der ältesten Geschichte der Juden in Breslau läßt sich nur wenig sagen, da es nicht einmal bekannt ist, wann der jüdische Name ins. Land gekommen. Ohne eine Urkunde von Heinrich 1, dem Bärtigen, die zwei reiche, angesehene, und um Breslau begüterte Juden erwähnt, würde die Erzählung mit den Austreibungen beginnen müssen, welche sich durch fünf Jahrhunderte in allen Abstufungen wiederholen. Denn auch Schlesien hatte seine Judenhetzen und Scheiterhaufen, und das stolze Breslau, um dessen Gunst Kaiser und Könige warben, das sogar für die Freiheit des Glaubens und Gewissens auftrat, mochte sich den Ruhm nicht ersparen, gegen die Juden grausam gewesen zu sein. Es ist weder unsere Absicht, noch der Ort, liebreicheren Nachkommen ein Gemälde zu liefern von der Barbarei romantisch gepriesener Zeiten. Was Eschenloer, Klose, Menzel und Geyder berichten, reicht hin, das Gesagte zu bestätigen. Ja nicht einmal die Frage nach den einzelnen Veranlassungen jener Grausamkeiten in Breslau thut Noth: ist doch das Judenkapitel jener Zeiten so ziemlich das aller Orten gleiche. Der Wohlstand der Israeliten, der schnelle Erwerb ihrer Neichthümer, von denen bloß die Herzöge, dann der König, zuletzt der Kaiser, wegen des Judenschutzes, den Vortheil zogen, während sie sich zur Stadt, die ihnen obendrein manchmal verschuldet war, in einer unabhängigen Stellung befanden: — alles dies erregte Neid und Haß, und der leiseste Anlaß blies den Fanatismus der entzündlichen Menge zu hellen Flammen auf. Wie wenig sie sich auf den Schutzherrn verlassen konnten, sobald sich ein günstiger Vorwand zu ihrer Austreibung darbot, und wie dieser dann selbst mit ihren Feinden gemeine Sache machte, so daß die Sühne der beleidigten Religion stets mit der Einziehung ihrer Güter verbunden war, davon giebt Eschenloer") ein durch Ruhe der Darstellung schauerliches Zeugniß. Auffallend und fast ") Peter Eschenloers Stadtschreibers zu Breslau, Geschichten der Stadt Breslau vom Jahre 1440 bis 1479 herausgegeben von Kunisch 1827 1. Band S. IS und 14.

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