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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-10-02 · Heft 40 (2.10.1841) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 40 (2.10.1841)
Date
1841-10-02
Page
Seite 575 (sequence 11)
Language
German
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575 worden ist- Der Erwerb unbeweglicher Güter scheint für die Mehrzahl keinen Reiz zu habe». Uebrigens würde man schwerlich irren, wenn man annähme, daß zu dieser Erscheinung auch der Umstand beiträgt, daß die wenigsten jüdische» Häuser in Livorno von wirklich altem Bestände sind, vielmehr die Mehrzahl allmahlig emporgekommen ist. Die Zahl der Eigenthümer beträgt nicht ganz ein Zehntel, welche nach dem Kataster ein jährliches Einkommen von 465,266 Lire von Grundbesitz haben. Größere Kausleute, Bankiers und solche, welche die freien Künste üben, beliefen sich im Jahre 1837 auf 486, di« Gesammtzahl der Handel- und Gewerbtreibcnden auf 1409 Individuen; die Zahl der die Familientaxe Erlegenden betrug 425, auf 4390 in der ganzen Livorneser Gemeinde. Im Allgemeinen haben Thätigkeit und Bedeutung der israelitischen Handelshäuser in den letzten Jahren sich vermindert. Für das Untercichtswesen sind in dieser Gemeinde verschiedene Hülfsmittel vorhanden. Man zählt eine Akademie für theologische Studien, eine Erziehungsanstalt für den Elementar - und höher» Unterricht der wohlhabenden Klassen, ein von Familienvätern gestiftetes Institut, zwei Schulen für den wechselseitigen.Unterricht, eine Handelsschule, eine grammatikalWö Schule, vier Anstalten für den Religionsunterricht, endlich zwei Kinderbewahcanstalten für Knaben und Mädchen. Die Zahl der im Jahre 1834 diese Anstalten Besuchenden (mit Ausschluß der beide» zuletzt'genannten Asyle) betrug 767, und verhielt sich also zur Bevölkerung wie 1: 6. Ueberdies giebt es eine nicht unbedeutende Anzahl von Vereinen zu wohlthatigen Zwecken, für Krankenpflege, Unterstützung von Wöchnerinnen und Versorgung mit Ammen, für die Herbeischaffung von Lebensmitteln, Feuerung, Kleidung und Betten, für die Unterstützung fremder Glaubensgenossen, das Begraben der Tobten, endlich zur Aussteuer armer Mädchen und zur Förderung der Künste. Ein israelitisches Spital ist noch nicht vorhanden, was bei der nicht geringen Zahl von Armen und unter den bestehenden Verhältnissen einigermaßen Verwunderung erregen dürfte. So viel von den Livornesen, die bei Gelegenheit von Bemerkungen über die toskanischen Juden natürlich am meisten in Betracht kommen müssen. Weniger bleibt mir von denjenigen zu sagen übrig, welche in den übrigen Städten des Großherzogthums wohnen. Den Ghetto in der Hauptstadt habe ich bereits beschrieben; schon lange aber sind die Israeliten nicht mehr ausschließlich auf denselben angewiesen, sondern können wohnen, wo sie wollen, von welcher Bewilligung denn auch ungefähr der dritte Theil von ihnen Gebrauch macht. Ihre Zahl beträgt nach de» zu Ende des Jahres 1836 gefertigten Listen 1006 Individuen, worunter dreißig Grundeigenthümer und zehn Wechselhäuser. Eine Synagoge mit einem Rabbinen, eine öffentliche Schule für hebräische Sprache und Literatur, eine Verwahranstalt für Armenkinder männlichen Geschlechts, und verschiedene für wohlthätige Zwecke gestiftete Gesellschaften finden sich in der Florentiner Gemeinde, die der Regierung gegenüber durch einen Verwaltungsrath repräsentirt wird. Sie zählt eine nicht geringe Zahl wohlhabender und achtbarer Familien, die sowohl in geschäftlicher Beziehung einen sehr ehrenwerthen Namen haben, als zum Theil in die höhere Gesellschaft ausgenommen sind und sich auch durch die Unterstützung, die sie den schönen Künsten gewähren, vortheilhast auszeichnen. — In Pisa rechnet man 365 israelitische Einwohner, mit einer Synagoge, einer öffentlichen Knabenschule, einer theologischen Schule mit Bibliothek, drei Privatlchranstalten, einer wvhlthätigen Stiftung und einem Verwaltungsrath. Siena hat 385 Juden, mit einer Synagoge, einer Armenschule und zwei Privatschulen und zwei Vereine für milde Zwecke. In Pitigliano, dem Hauptort einer vormals unabhängigen Orstnischen Grafschaft, welche, an dem äußersten südöstlichen Ende Toskanas gegen den Kirchenstaat und die Maremma zu gelegen, erst im Jahre 1608 durch Kauf mit dem Großherzogthum vereint wurde, zählt man 329 Israeliten, welche meist in de» umliegenden, vom Verkehr der großen Straßen abgeschiedenen Ortschaften als Hausi'rer Detailhandel treiben. Sie haben eine Synagoge und zwei Schulen, worunter eine nach dem Bell-Lancasterschen System. In Arezzo ist ihre Zahl so gering, daß sie sich noch nicht zu einer Gemeinde konstituirt haben. In den meisten übrigen Orten des Landes sind nur einzelne Handeltreibende ansässig. Hiernach kann die Gesammtzahl auf beinahe achttausend Individuen im ganzen Großherzoglhum angeschlagen werden, welches eine Bevölkerung von ungefähr anderthalb Millionen hat. — Im nächsten Briefe kehren wir zum Kirchenstaat zurück. Dritter Brief. Im Kirchenstaat finden wir die Juden in ungleich minder günstigen Verhältnissen, als in Toskana. Im Jahre 1589 erneuert« Papst Gregor XIH. alle von

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