Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1841)
- Date
- 1841-10-02
- Page
- Seite 568 (sequence 4)
- Language
- German
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568 folge, unsägliche Vortheile und heilbringende Früchte für unsere polnischen Religionsbrüder Hervorbringen könnte, von den Fanatikern und allen obskuranten Gemeinden verschrien und verketzert worden, scheueten es dennoch Czenstochauer Israeliten nicht, ihre dazu qualisizirte Jugend dahin zu senden. Gleich im ersten Jahre ihrer Entstehung, zählte sie unter ihren Alumnen 1 Czenstochauer, und so verstrich in der Folge kein Jahr, wo nicht unter der Zahl der frequentirenden Schüler, einige Czenstochauer wären. Andere Männer der Gemeinde gaben ihre Kinder in andere öffentlichen Schulen, so daß in dem kurzen Zeiträume von 14 Jahren 26 eingeborne Kinder verschiedene Bildungsanstalten besuchten, von denen einige schon praktische Aerzte hier und an andern Orten sind, einige Lehrer an der Rabbinenschule, und noch andere, Privat- und Hauslehrer sind. Mit einem Worte, keine Gemeinde in Polen hat im Allgemeinen so lebhafte Empfänglichkeit für Humanität als die hiesige. Fast ein jeder, sogar unter der Hülle des jüdischpolnischen Kostüms, nährt ein Gefühl für Besseres und zeitgemäße Kultur; ein jeder freuet sich über die Fortschritte auf der Leiter der Aufklärung, die unsere würdigen Religionsverwandten in Deutschland und andern Staaten machen. Ein nicht geringer Theil widmet sich der Lektüre der deutschen, hebräischen und polnischen Schriften aller Art, vorzüglich aber derjenigen, die Aufklärung, Humanität und Belletristik zur Tendenz haben. Viele der Vornehmsten und Reichsten, schicken ihre Kinder beiderlei Geschlechts in Bildungsschulen nach Breslau. Religionsfanatismus, Aberglauben und verjährte Vorurtheile sind bei der höhern Klasse seit einigen Jahren ganz verbannt, und daher stehet die Giftpflanze des Chassidismus nirgend auf so seichtem Boden als hier. Bei so vorzüglicher Beschaffenheit fehlte der Gemeinde nur eine tüchtige, systematische Knabenschule für die aufwachsende Jugend. Um diesem Mangel abzuhelfen erließ der hiesige Einwohner Bursztynski am 2. August d. I. ein Circulair, worin er mit beredten Worten die nachtheiligen Folgen der bisherigen Erziehung schilderte, die Möglichkeit der Abhülfe erwies, die Gründung einer ordentlichen Unterrichtsanstalt in Vorschlag brachte, indem er die Jnstituirung eines Schulraths, den Rabbinen an der Spitze, und die Errichtung einer Schule aus drei Klaffen mit drei Lehrern und einem Kolloborator empfahl, wobei er selbst gratis Religions- und Morallehre vortragen wolle. Er bestimmte das Schulgeld, durch welches die Schule erhalten werden sollte, und forderte die Familienvater auf, ihren Beitritt durch Unterschrift zu bezeugen. Das Circulair fand vielen Beifall, die Vornehmeren und Reicheren bedeckten es mit Unterschriften, trotz dem Murren einiger Obskuranten ließ es Herr Hertz Cohn, ein sehr edeldenkender Mann, in der großen Synagoge und im Bet hamidrasch dreimal verlesen. Der Schulrath wurde schon den 1». Aug. erwählt, das Schulgeld für ein Vierteljahr von Mehreren erlegt, und am 23. August legten wir unfern Plan der Ortsbehörde vor. An der Spitze derselben steht der Kaiserl. Oberst Herr von Paerynski, der das Projekt mit dem größten Beifall krönte, und es mit einem würdigenden Gutachten an die höchste Behörde abgehe» ließ. Mit Sehnsucht sehen wir der Entschließung unsrer hochsinnigen Regierung entgegen. J. ß. Deutschland. Würzburg, 11. September. Gestern feierte die hiesige jüdische Gemeinde die Einweihung ihrer neuen geschmackvoll gebauten Synagoge. Viele Beamte der Stadt wohnten dieser Feierlichkeit bei, die würdevoll von statten ging. Heidelberg, 29.August. (Privatmitth.) Wir hatten gestern einen so schönen, gottesdienstlichen Genuß gehabt, daß ich nicht umhin kann, einige wenige Worte der Oeffentlichkeit darüber zu übergeben. Nach dreivierteljährigem körperlichen Leiden betrat gestern unser vr. Rehfuß die Kanzel zum ersten Male, und konsirmirte 4 Knaben aus dem hiesigen Lyceum und der höhern Bürgerschule. Die Feierlichkeit, welcher eine große Menge Zuhörer beiwohnte, ging mit einer solchen Begeisterung, mit einem so erhebenden Eifer und warmer Liebe für Religion und Gerechtigkeit vor sich, daß alle Herzen durchdrungen wurden, und das Andenken an diese Stunde bleibend sein wird.