Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1841)
- Date
- 1841-10-02
- Page
- Seite 567 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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567 studirt wird. Auch eine Mädchenschule besteht. Eine besondere Brüderschaft zur Begrabung der Lobten besteht in Paris nicht, aber es giebt eine Menge von Brüderschaften zu gegenseitiger Hülfe, welche sich unter einander diese Sorge leisten. Wer keiner Brüderschaft angehört, den bestattet das Comite d'oecoursgemeut et de bienfaisance, die Armen umsonst, die Reichen gegen Erstattung zum Besten der Armen. Der geborne pariser Israelit unterscheidet sich in Nichts vom andern Bewohner der Hauptstadt. 1830 hat die Israeliten elektrisirt; mehrere haben ihre Tapferkeit und Vaterlandsliebe bewährt und sind mit dem Julikreuz dekorirt, so wie mit dem Kreuz der Ehrenlegion; sie erfüllen ihre Bürgerpflichten mit demselben Eifer wie die Christen. Cahen (.4.rcb. isr. de France.) Rußland und Pole«. Czenstochau, 1. September. (Privatmitth.) Die Jsraelitengemeinde hiesigen Orts ist eine der jüngsten im Königreiche Polen. Vor ohngefähr 100 Jahren war es keinem einzigen Juden gestattet, in Czenstochau sich niederzulassen. Unter der etwas tolerantem Negierung des letzten altpolnischen Königs Stanislaus Augustus wurde einigen Familien in 7, im entlegensten und schmutzigsten Stadtwinkel belegenen, Kajüttenähnlichen Häusern, die von jeher das Privateigenthum eines polnischen Edelmannes waren, zu wohnen erlaubt. Das unterm 17. April 1797 von der damaligen Südpreuß. Regierung emanirte Generaljudenreglement erlaubte zwar den einigen Juden auS dem un säubern Ghetto sich herauszuheben und in den andern Theilen der Stadt anzusiedeln, aber nur denjenigen, die die'vorschriftsmäßige Qualifikation besaßen und die dazu gesetzmäßigen Konsense erlangt hatten. Die Zahl der Judenschaft blieb daher immer gering und unbedeutend, und erst unter der humanen Regierung der russischen Monarchie, insonders unter dem glorreichen Szepter unseres Kaisers und Herrn Nikolaus I. gedieh unsere Gemeinde zu einer bedeutenden und ansehnlichen! Anzahl von ca. 400 Familien. j Obgleich sie seit ihrem Kindesalter an mit unzähligen Hindernissen und Mühseligkeiten aller Art um ihre Selbständigkeit, sehr harte Kämpfe zu bestehen hatte, die bald ihre Existenz bedrohten, bald Subsistenz auf alle mögliche Weise einzuschränken suchten, so war doch stets ihr eifrigstes Streben nach dem Bessern und Nützlichen sowol in Betreff der Intelligenz als auch der Industrie. Sie war die ' einzige, die alle energische Mittel ergriff, um dem kontagiösen Gift der vor 50—60 Jahren aus der Ukraine nach Polen verpflanzten Seuche des Chassidismus zu steuern, damit dieselbe allhier nicht endemisch werde. Und obwol alle ihre Versuche dieses Uebel im Keime zu ersticken so wenig halfen als alle Quaraniän - und Kontumazanstalten gegen das Miasma der Cholera, so hat es doch so viel gefruchtet, daß diese Epidemie an hiesigem Orte von solchem schädlichen Einflüsse, wie in andern Gemeinden, nicht ist. Wir zählen hier nur an 20—25 Familien, die dem Chassidismus huldigen, und zum Orden ihres Häuptlings zu Radoschitz, einen der glimpflichsten sich bekennen. — Sie war die erste unter allen Gemeinden Polens, die durch Verkehr und Handelsberührung mit Schlesien veranlasset, in äußerer Bildung und Anstand, d. h. theils durch deutsche Tracht und Nettigkeit, theils durch häusliche Einrichtung, Ordnung und Reinlichkeit, dem Zeitgeist sich anschloß und sich unabläßlich bestrebte, den Baum der Erkenntniß immer höher unter sich wachsen zu lassen. Sie war die erste, die unter dem glorreichen Szepter unseres hochseligen Landesvaters, des Kaisers Alexander I., seit 1820 den Gewerben und Manufakturen die Arme öffnete, und ihre Jugend mit dem größten Eifer dem Handwerksstande widmete. Diesem zufolge zählte sie 1840 32 zünftliche Leinwebermeister, die aus ihren eigenen 160—180 Webestühlen über 200 jüdische Gesellen und Lehrlinge beschäftigten; 3 ausgezeichnete Schönfärber, 2 Bleicher, 9 Golvarbeiter, 1 Gürtler, 2 Klempner, 3 Luchmachermeister, I Seifensieder, 2 Zuckerbäcker, 3 Uhrmacher, 1 Tischler, 1 Bäcker, 3 Hutmacher, 3 Wattenmacher, 50—60 Schneider, Mützenmacher, Gerber und Schuhmacher, einen Posamentirer, 2 Glaser. Als 1826 die Errichtung der Rabbinenschule zu Warschau veröffentlicht ward, war die Czenstochauer Gemeinde die erste der Provinz, die die humanen Absichten der hochherzigen Regierung zu schätzen und den Endzweck eines solchen gemeinnützigen Instituts zu würdigen verstand. Ungeachtet diese löbliche Anstalt, die ihrer vortrefflichen Tendenz zu-