Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1841)
- Date
- 1841-10-02
- Page
- Seite 566 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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566 digungen eingezogen, eine Deputation, die sich an die Barre der Nationalversammlung begeben sollte, um im Namen der Stadt Paris die Emanzipation der französischen Israeliten zu verlangen. Vorzüglich den Bemühungen Talleyrands, Gregoire's und Mirabeau's, bei welchen die vier Israeliten einige Schritte gethan, gelang es, daß die Nationalversammlung mit fast Einstimmigkeit die Emanzipation der Israeliten dekretirte. Im folgenden Jahre gab die Nationalversammlung dem Dekret von 1790, welches nur die vor 1789 naturalisirten Juden für aktive Bürger erklärt hatte, noch mehr Ausdehnung: sie dekretirte im Jahre 1791, daß jeder Jude, der den Bürgereid schwören, und sich allen Pflichten, welche die Verfassung auferlegte, unterwerfen würde, zu der Zahl der aktiven Bürger zugelassen werde — alle Juden Frankreich's leisteten den Eid. Seit dieser Zeit waren ihre Fortschritte unermeßlich; als Eigenthümer, Künstler, Fabrikanten, Soldaten zeigten sie sich ihres Vaterlandes würdig, und der Name Franzose war für sie kein leerer Titel. Einige reichen und frömmelnden Juden hatten damals die Größe dieser Wohlthat nicht erkannt, und einige Versuche gemacht, zu opponiren; aber die Allgemeinheit der Israeliten zeigte in den Synagogen die unendlichste Freude über dieses glückliche Ereigniß. Ludwig XVI. beeilte sich, das Dekret der Nationalversammlung zu sanktioniren. Wir haben wenige Nachrichten von den Juden während der Schreckensregierung, man hatte sie 'wahrscheinlich vergessen, weil sie zu wenig zahlreich und hervorstechend waren. Jndeß war ein Sohn des oben genannten Calmer ein Opfer dieser furchtbaren Zeit, er wurde 1793 guillotinirt. Andrerseits gehörten in Paris die Israeliten nicht zu den Exaltirten, in den Provinzen gab es einige dergleichen. Die Israeliten hatten damals in Paris eine kleine Synagoge in der RueBrisemiche,. Seligman-Michel, der frühere Groß-Rabbine von Paris, war mit Cerfberr nach Paris gekommen, bei dem er y"?a war. Im Jahre 1803 machten die Bauern des Elsaß und Lothringen's eine Denunciation beim Kaiser über den Wucher der Juden dieser Departements. Diese Denunciation hatte vielen Einfluß auf die Zusammenberufung der Versammlung der israelitischen Notabeln Frankreichs, Hollands, Italiens und der Rheinlande, 1806 zu Paris, und folglich des großen Sanhedrins 1807. Das unbillige Dekret vom 17. März 1808 hatte keinen Einfluß auf die Juden von Paris. Man glaubt im Allgemeinen, daß Napoleon kein Freund der Juden war, die doch mit Eifer dem Dekret entsprachen, das sie emanzipirt hatte. ,Jn den Registern des Central- Konsistoriums findet sich nur ein einziger Empfang dieses Konsistoriums und des pariser Bezirkskonsistoriums bei dem Kaiser vermerkt. Die Israeliten hatten sich übrigens bedeutend vermehrt in Paris, es kamen dergleichen nicht allein aus allen Provinzen, sondern aus allen Ländern, von denen die Mehrzahl sie noch heute nicht emanzipirt hat. Unter der Restauration konnte man die Zahl der Israeliten in Paris wissen, da zu den Kultuskosten Alle beitragen mußten. Seit 1830 hat die Gemeinde kein Budget mehr, und deshalb ist es unmöglich, die sich immerfort mehrende Zahl der Israeliten hierselbst zu konstatiren. Besonders sind die englischen Juden in großer Zahl hier. Die israelitische Knabenschule, gegründet 1819, wird in nächster Zeit ein schöneres Lokal und eine größere Entwicklung erhalten. Bis zum Jahre 1821 gab es eine Synagoge in der Rue Sainte-Avoie. Zu der Zeit hat man den Tempel in derRueNotre- Dame-de-Lazareth gebaut, ein schönes Gebäude, welches jedoch nicht alle Gläubigen aufnehmen könnte, wenn sie sich alle hineinbegeben wollten, aber die Einen beten im Lokal ihrer Brüderschaften, die Anderen beten gar nicht. Der Gottesdienst ist noch so, wie er immer gewesen, nicht einmal der Mizwotverkauf hat aufgehört. Gepredigt wird gar nicht, die Vorträge des Groß - Rabbinen sind selten und ohne Eindruck. Die Israeliten des portug. Ritus haben eine kleine Synagoge im Lokal des Tempels. Außer an den großen Festtagen sind wenige'da, die Indifferenz ist auch bei ihnen. Außer dem Herrn von Rothschild kommen die Finanznotabilitäten nicht einmal an Rosch haschana und Jom kippur in den Tempel. Im Allgemeinen herrscht unter der größeren Zahl der Israeliten von Paris eine beklagenswerthe Gleichgültigkeit; das eine ist zu bemerken, daß fast Niemand verfehlt, das Kadisch (Seelengebet) am Sterbetag der Eltern zu sagen, und die dreizehnjährigen Knaben die Parascha sagen zu lassen, welche auf mechanische Weife ein-