Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1841)
- Date
- 1841-09-25
- Page
- Seite 563 (sequence 11)
- Language
- German
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563 quare Forum und Kapitol der Römerstadt zu verlegen pflegen, und wo in den frühem mittelalterlichen Jahrhunderten die vornehmsten Konsulargeschtechter ihre Wohnungen und Thürme hatten, von denen man noch die Ueberreste sieht. Jetzt aber ist der Mercato vecchio, welchen Kosmus I. durch eine von Vasari im Jahre 1568 erbaute Halle zu verschönern sich bestrebte, mit Fleisch- und Fischbanken gefüllt, und von seinem Anfänge bei dem herrlichen Strozzischen Pallaste an bis zu seinem Ende am Domplatze, gleich jenem römischen Porticus der Oetavia so wenig reinlich und einladend, daß man, wenn nicht etwa von antiquarischem Forschergeist gerieben, vielleicht nur an den Tagen des Johannisfestes sich versucht fühlt, ihn zu besuchen, weil der Korso mitten hindurchführt. Der Ort, wohin die israelitische Einwohnerschaft verpflanzt ward, hatte übrigens damals noch seinen Namen von den Häusern der Feminine mondäne, welche früher dort geduldet waren. Auch der florentinifche Ghetto hat Thore, die ihn von der christlichen Stadt abschließen. Aus Erkenntlichkeit gegen den Großherzog, der sie von einer mehr des Charakters als des Betrages wegen drückenden Abgabe befreit hatte, ließen die Juden auf ihrer Piazza dessen Büste mit einer hebräischen Inschrift aufstellen, welche besagte: Kosmus I. Herzoge von Toskana, unserem Beschützer. Aber dem Medizeer behagte diese Demonstration nicht; er ließ die Büste wegnehmen, und dafür über dem Thore sein und seines Sohnes Franz Wappen nebst dem kaiserlichen seiner Schwiegertochter anbrlngen mit folgenden charakteristischen Worten: Cosinus Med. Mag. Etruriae Dux Et Sereniss. Princeps Franc, summae in ouines Pietatis ergo hoc in loco Hebraeos a Christianorum Caetu segregatos voluerunt non autem ejeelos ut Levissimo Christi iugo cervices (lurissimas Bonorum exemplo domandas facile Et ipsi possint A. D. MDLXXI. Die Thore des Ghetto wurden Nachts geschlossen, den heimlichen Umgang von Juden mit Christen zu hindern, welchen die päpstlichen Bullen besonders strenge verboten. Uebrigens waren die Israeliten in der Ausübung ihrer Religion ungehindert,' und es stand ihnen frei, wie andere Korporationen ihre Statuten und Verordnungen für innere Angelegenheiten zu haben, und die Steuern, mit denen sie belastet waren, selbst unter den einzelnen Familien und Individuen zu vertheilen.— In Siena wurde gleichfalls ein Ghetto eingerichtet: in andern toskanischen Orten zu wohnen, war den Juden nicht ferner gestattet, und alle frühem partiellen Vertrage mit der Regierung, deren mehrere stattgefunden hatten, wurden einfür allemal widerrufen und abgeschafft. Sein Eldorado aber fand das Volk Israel in Livorno. Von der Republik hatten die-Medici Livorno als ein unbedeutendes Oertchen mit einer Festung und einem mittelmäßigen Hafen überkommen. Das von ihnen zur Hebung dieses Oertchens befolgte System mußte der Anstedlung jener gewaltthatigen Fremdlinge besonders günstig sein. Kosmus I., in der Absicht, Ausländer nach Livorno zu ziehen, den Ansiedlern überhaupt manche Privilegien ertheilt hatte, worunter der berühmt gewordene Erlaß von 1548, welcher verordnete, daß Personen, die sich in Livorno und Pisa bürgerlich niederließen, wegen anderwärts gemachter Schulden dort nicht verfolgt werden konnten feine Maßregel, welche alles Lumpengesindel nach Livorno zog); ertheilte sein Sohn und zweiter Nachfolger Ferdinand I., im Jahr 1593 einen Jnduld, wodurch den Bekennern jeglichen Glaubens, Türken, Mohren, Persern, Juden und wie sie sonst heißen mochten, die in erwähnten Städten ihren Wohnort zu nehmen geneigt sein sollten, ungehinderte Religionsübung verheißen wurde. Was der Großheczog versprach, hielt er treulich, und wahrend er Livorno auf alle Weise zu heben suchte durch großartige Bauten, Mittelst deren er eine neue Stadt schuf, die mit breiten Straßen, stattlichen öffentlichen Bauten, erweitertem und gesichertem Hafen und Lazaret, mit neuer Festung und schiffbaren Kanälen und Graben prangt, strömten von allen Seiten Spekulanten hinzu, welche die seltenen, hier mit freigebiger Hand ihnen gebotenen Vortheile richtig ermaßen. Von der nun beginnenden Blüthe des Livorneser Handels weiter zu reden, ist hier nicht der Ort, da nur die Verhältnisse der Israeliten in Betracht gezogen werden sollten. Diele glaubten in Ferdinand von Medici ihren Messias gefunden zu haben. Freilich wurde ihnen nirgendwo gleich große Begünstigung zu Theil. Anfangs machte die israelitische Korporation zu Livorno mit -er Pisaner ein Ganzes aus, und in letzterer Stadt war bis zur Regierung Großherzog Ferdinands II. (1621 —1670) der Sitz ihbes konfessionellen Magistrats, aus fünf Personen bestehend, die man Massari nannte, und welchen über Gemeindeangelegenheiten die Entschei-