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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-25 · Heft 39 (25.9.1841) · p. Seite 562

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 39 (25.9.1841)
Date
1841-09-25
Page
Seite 562 (sequence 10)
Language
German
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562 deutenden Hügel gebildet hat, sieht man nur neue Bauten. Auf der andern Seite des Ghetto, nach dem Ponte Sisto zu, liegt auf einem Hügel, der durch die Ruinen des Theaters des Balbus gebildet worden ist, der Pallast der Cenci, ein großes, unregelmäßiges, sehr verwahrlostes Gebäude, ohne architektonische Schönheit, aber nicht ohne Charakter und in einzelnen Theilen noch den Uebergang von mittelalterlichen iFormen zu den modernen zeigend. Dicht an den Pallast angebaut ist dir kleine, dem heil. Thomas gewidmete Kirche', welche Christoforo Cenci begann und sein Sohn Francesco, der berüchtigte und schuldbedeckte Vater der unglücklichen Beatrice, der Inschrift-gemäß im Jubeljahre 1575 vollendete und ausschmückte, das einzige Gute, wie die gleichzeitige Chronik sagt, das er Ln seinem Leben gethan, aber nur in der Absicht, alle seine Kinder dort begraben zu sehen. Hinter dem Palaste Cenci und zum Theil an der Ringmauer des Ghetto, ist ein großer, freier Platz an der Tiber, von wo man eine schöne Aussicht auf die Ufer des Stroms genießen könnte, wenn man durch die aus den nahen Gerbereien herströmenden Düste nicht alsbald verscheucht würde. So ist die Umgebung des Ghetto beschaffen. Im Innern selbst findet man sehr enge Straßen, armselige Hauser, Bude an Bude, und eine Menge Menschen. Der größte Theil des Judenviertels ist ein wahrer Trödelmarkt, wo man im buntesten Gemisch Kostüme und Lumpen von allen Farben und Gattungen sieht. Israelitische Thatigkeit ist bekannt: hier zeigt sie sich am auffallendsten, weil der Raum beengt ist. Gewiß mehr denn die Hälfte der Bevölkerung sitzt unter oder vor der Thüce; die Hauptbeschäftigung ist Flicken. Und was nicht im Ghetto flickt, flickt in allen Häusern Roms, wo es nur Löcher zu stopfen und Risse zu vernähen giebt. In dieser Kunst haben die alten Weiber verdiente Berühmtheit erworben. Ein Bettelkram aber, wie der hiesige, ist mir noch nie vorgekommen: es ist eine wahre Satyre auf einen Bazar und verdiente von der Polizei gleich angezündet zu werden, wenn einmal die Pest oder etwas ähnliches nach Rom käme. Und wie sehen die meisten der Leute aus! Anderwärts, namentlich in Deutschland, sieht man nicht selten schöne Jüdinnen; hier aber habe ich' nicht ein einziges erträgliches Gesicht gefunden. Dazu das überaus rasche Altern und die kränkliche Gesichtsfarbe. Als ich zum erstenmale diesen Ort besuchte, und mich unter diesen vielen fremdartigen Physiognomien, diesen squal.lidi, oppressi, estenuati volti befand (des Ausdrucks Alfieri's mich zu bedienen), beschlich mich dieselbe Empfindung, die ich in der Levante gehabt, wo man sich bestrebt, die Berührung des Vorübergehenden sorgfältig zu vermeiden. Ein kleiner Theil des Ghetto hat indeß ein einigermaßen respektableres Aussehen: der gegen die Piazza Giudea und Piazza belle Tartarughe zu, wo sich größere Magazine befinden. Diese werden von den Bewohnern Roms aus allen Klassen häufig besucht, indem man hier in Leinen-, Baumwollen- und Wollenzeugen und Waaren jeder Art gewöhnlich größere Auswahl findet als in andern Magazinen der Stadt. Damit soll ja nicht gesagt werden, daß sie etwa einer andern Hauptstadt Ehre machen würden. Aber Rom hat das beneidenswerthe Privilegium, schlechte Buden und hohe Preise zu vereinigen. Auf der Piazza delle scuole ist die größere Synagoge, neben welcher es noch zwei Bethauser giebt; sie ist ein modernes Gebäude und nicht ohne Geschmack, wenn auch durch eine unvortheilhaste Lage beeinträchtigt. Eine Art Vorbau, in einem viersauligen geschlossenen Porticus bestehend, macht keine üble Wirkung. Die Fontaine, welche ihr Wasser von der Aqua Paola bezieht,, ließ Papst Paul V. im Jahre 1614 errichten. An ihr sieht man neben dem Adler des Borghefischen Wappens den siebmarmigen Leuchter des Tempels von Jerusalem. Sonst wüßte ich über den römischen Ghetto, in welchem die Bevölkerung so gedrängt ist, daß man sich wundern muß, daß dort überhaupt Jemand gesund bleibt, nichts zu sagen. Seltsamerweise ist dieser Theil der Stadt von ansteckenden Krankheiten weniger heimgesucht worden, als man befürchten möchte, und sowol während der Pest des Jahres 1656, als zur Zeit der Verheerungen durch die Cholera im Jahre 1837 ist die Zahl der Opfer verhaltnißmaßig gering gewesen. — Das nächstemal von den Juden in Toskana. Zweiter Brief. In Florenz wohnten Anfangs die Juden in einer Straße, in dem auf dem linken Flußufer gelegenen Viertel (Oltrarno), die man noch Via de’ Giudei nennt; dann lebten sie in der Stadt zerstreut, bis in Folge der schon erwähnten päpstlichen Bulle Kosmus I. den Ghetto einrichten ließ. Die dazu ausersehene Stelle war ziemlich im Mittelpunkt der eigentlichen Stadt, nahe beim alten Markte, wohin die Florentiner Anti-

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