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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-25 · Heft 39 (25.9.1841) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 39 (25.9.1841)
Date
1841-09-25
Page
Seite 561 (sequence 9)
Language
German
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561 Beschränkungen geboten und eingeführt wurden. Durch diese Bulle wurde den Juden verboten, in irgend einer Stadt des Kirchenstaats zu wohnen, außer in Rom und Ankona, und Ln diesen beiden Städten wurden sie auf abgesonderte Quartiere beschrankt. An jedem Orte sollten sie nur eine einzige Synagoge haben können. Das alte Verbot, christliche Dienstboten zu halten, wurde erneut; auch wurde ihnen untersagt, Sonntags und an andern christlichen Festtagen zu arbeiten, so wie mit Christen zu spielen, was schon mehr denn hundert Jahre zuvor Eugen IV. mit Strafen belegt hatte. Alle von srühern Päpsten hinsichtlich des Verkehrs gewährten Privilegien wurden widerrufen und als aufgehoben erklärt;' der Tribut, den sie zu zahlen gehalten, ward erhöht, der Zinsfuß voy dem ausgeliehenen Gelde herabgesetzt, endlich das Verbot, Grundeigenthum zu erwerben, ausdrücklich wiederholt. Ja, der Papst ging so weit, jüdischen Aerzten zu verbietet, Christen Hülfe zu leisten, selbst wenn sie darum ersucht wurden. Zugleich wurde die Verpflichtung, ein besonderes Abzeichen zu tragen, von Neuem auf das Ernstlichste eingeschärft und die alten Vorschriften der Koncilien, namentlich des Lateranischen unter Jnnocenz III., in Erinnerung gebracht. Dies Abzeichen bestand in Rom in einem Hute von gelber Farbe für die Männer, während die Frauen einen ähnlichen Schleier tragen mußten; in Toskana war es ein runder Lappen von gelbem Tuche auf der Brust der Männer, eine Schleife von gleicher Farbe am Aermel der Frauen. Seltsamerweise war es überall die gelbe Farbe — die Pesifarbe auf Schiffen und in den Lazarethen. In Florenz war ein solches Abzeichen schon im Jahre 1433 durch einen Beschluß der Signorie eingeführt worden. Komus I. -vertauschte es nachmals mit einer gelben Einfassung am Hute. Selbst israelitische Reisende, wenn sie über drei Tage in der Stadt verweilten, mußten es tragen. Im Unterlaffungsfalle vep ordnete das Gesetz eine Strafe von 100, nachmals 50 Goldgulden. Der Widerwille der Juden war aber dagegen so groß, daß sie, wenn sie es nicht wegzulaffen wagten, es immer auf irgend eine' Weise zu verbergen suchten. Als der gelbe Hut in Rom eingesührt ward, sagte ein reicher Israelit, der Papst bezwecke damit nichts anders, als eine Finanzspekulation: ein Seckel Zechinen werde sie schon toskaufen. Er biete Seiner Heiligkeit hunderttausend Skudi. Aber Seine Heiligkeit verstand keinen Spaß, und ließ ihn öffentlich durchpeitschen. Die Herabwürdigung der Juden zu vollenden, verordnete derselbe Papst, daß man keinen von ihnen mit Signore oder Vossignoria anreden sollte. Im Jahr 1569 machte Papst Pius V. durch eine neue Bulle die strengste Befolgung der erwähnten Vorschriften zur Pflicht. Vor seinem Pontifikat wie während desselben ein eifriger Ketzerrichter, war von ihm am allerwenigsten Nachsicht in diesem Punkt zu erwarten, und auswärtige Fürsten hielten für gut, sich seinen Forderungen zu fügen. So sah man denn bald an vielen Orten Judenquartiere entstehen. In Italien waren sie nicht neu, denn in Venedig z. B. hatte man schon früher diesem Volke eine besondere Insel angewiesen, und von dort her verbreitete sich der Name Ghetto, der bald allgemein wurde. Der römische Ghetto liegt in Nione St. Angelo, dicht an.der Tiber, deren Ueberschwemmungen er häufig ausgesetzt ist. Mehrere Thore führen zu ihm, zwei auf der Piazza St. Maria del pianto, über deren einem man das Wappen des Papstes neben dem des Kardinalvikars sieht, dessen Jurisdiktion der Ghetto unterworfen ist, wovon später die Rede sein wird. Ein anderes Thor ist auf der Piazza delle Tartarughe, wo der allerliebste Brunnen steht, den eine ganz unbegründete Tradition dem Raffael zuschreibt. Ein viertes und fünftes befindet sich in der Nahe der Brücke Quattro Kapi, welche zu der Tiber-Insel führt, hinter dem in den Ruinen des Marcellustheaters gebauten Pallast, der ehemals den Savelli gehörte und nach deren Aussterben an die Orsini kam. Den letztgenannten Thoren gegenüber steht man eine Kirche, welche an der Fa^ade das Bild des Gekreuzigten mit hebräischer Inschrift trägt. Es ist ein dichtbewohntes, rühriges, aber keineswegs schönes Stadtviertel, von dem der Ghetto einen Theil ausmacht. Enge, krumme Straßen mit unwohnlichen Hausern durchkreuzen sich in allen Richtungen. Von der alten Pracht, die hier einmal herrschte, ist kaum eine Spur übrig geblieben. Die kläglichen Reste des kolossalen Portikus der Octavia sind von Schmutz und üblem Geruch umgeben, indem hier der Fischmarkt gehalten wird; mitten unter ihnen steht die jetzt völlig modernisirte Kirche S. Angiolo in Pescheria, die namentlich darum merkwürdig ist, weit in und vor ihr Cola die Rienzos Versuch, die altcömische Republik herzustellen, am Pfingstfeste des Jahrs 1347 begann. Von Rauch geschwärzt sind die Travertinquadern des noch stehenden Theiles der äußern Arkadenreihe des Marcellustheaters; in seiner inner.» Area, wo der Schutt einen nicht unbe- 39»

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