Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1841)
- Date
- 1841-09-25
- Page
- Seite 560 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225173-3225213--03829-3313389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
560 Fenster auf, und hereinquoll das volle Licht des Mondes, und übergoß mit seinem Silberstrahl die herrliche Gestalt und das edele Antlitz der Jungfrau, die aufgestanden, nachdem sie den schlummernden Knaben aus sein kleines Lager getragen. Der Fremde wich bestürzt zurück, und mehre Male mußte sie ihm den geforderten Trunk anbieten, bevor er ihn anzunehmen vermochte. „Zündet Ihr, frug er endlich, aus Armuth kein Licht an?" Nein, antwortete sie, wir sind Karäer, und das Gesetz der Väter verbietet es am Sabbat des Herrn. „Wie könnt' ich dir danken, daß du mich erquickt, da ich dem Verschmachten nahe war, denn ich war zwei Sonnenaufgänge in der Steppe?" Es ist des Dankes nicht werth, und erquicke dafür ein andermal einen Durstenden. „Du bist eine Houri, aus dem Paradiese zum Trost der Menschen auf Erden gesandt." Wenn du, Moslim, solche erwartest, so schmähe das Himmlische nicht. „Darf ich wiederkommen? Siehe, dein Vater, wie ich bemerke, ist krank, und ich bin Arzt." Wir haben keinen Lohn dafür zu bieten. „Den Lohn gäbe Allah, und dein Anblick, Mädchen!" Kömmst du meinen Vater zu besuchen, und seine Schmerzen zu lindern, so wird dir unser Segen danken, aber du mußt einfach reden und thun, wie wir, einfache Leute, es verstehen. „So werd' ich kommen, und schweigen." Der Fremdling ging, und kam öfter wieder, und brachte Balsam und kühlende Tränke mit, die dem Vater wohl thaten; aber er kam stets in der Dämmerung, ohne Begleiter, und immer in andrer Tracht. Mirjam dankte ihm mit Wort und Blick. Eines Tages aber brachte er auch Geschenke mit, etwas Geschmeide für Mirjam, und süßes Backwerk für den Bruder. Da wies ihn Mirjam sanft zurück, und bat ihn schönend um Rücknahme, denn sie könne nicht nehmen, was sie nicht verdient, es sei denn Linderung für den Vater. Vergebens drang er in sie, er mußte Alles wieder nehmen, da wurde er wild', und ließ häßliche Worte fallen. Darauf weinte sie bitterlich, und ging hinaus. Ihr Vater aber richtete sich von seinem Lager auf, und sprach: „Herr, Ihr habt mir Gutes gethan, und tief kränkt es mich, es nicht mit Gutem vergelten zu können. Aber stört nicht unsre Ruhe, denn ich will nicht leibliche Ruhe mit dem Frieden der Seele erkaufen. Nach den Worten, die Ihr gesprochen, könnt Ihr meine Tochter nicht mehr sehen, also mein Haus nicht nwhr betreten. Der Herr lohne Euch für alles Gute, so Ihr mir gethan, ewig werde ich Euch dafür danken, aber lasset nun unsre Hütte, und bringt Eure Güte andren Leidenden. Da wurde der Fremde bleich vor Zorn, und schnell entfuhren ihm die Worte: „Was, Hund von einem Juden, du verbietest deine Schwelle deinem Herrn? Wisse, ich bin der Chan, und verstehe zu strafen!" Da überfuhr den armen Kranken jählings der Schreck, seine steifen Glieder brachen zusammen, der Kopf siel machtlos in den Rücken, er war todr. Da sprang der Knabe heulend über den Vater her, und schrie gewaltig. Der Chan stürzte zum Hause hinaus. (Fortsetzung folgt.) A u S z »lg e. Die Juden im Kirchenstaat und in Toskana. Vom Verfasser der „Römischen Briese." (Fortsetzung.) Noch aber war die Zeit arger Demüthigung nicht vorüber. Die ascetische Richtung, welche um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts in der katholischen Kirche vorherrschend ward, und die in den meisten italienischen Staaten in erneuter Thatigkeit uno in bis dahin ungekanntem Umsichgreifen der Inquisition sich kund gab, übte auch auf die Verhältnisse der Juden einen mächtigen Einfluß, aus. In der Absicht, die ärmern Klassen vor ihrem Wucher zu schützen, war in Rom im Jahr 1549 durch den Franziskanergenecal ein Leihhaus gestiftet worden, welches später Staarsansialt wurde, und vor Allen dem nachmals kanonisirten Kardinal Borromeo viel zu verdanken hatte, der dessen Protektor ward und die Statuten enlwari. Der strenge Papst Paulis, sah sich zu restriktiven Maßregeln veranlaßt und erließ im Jahr 1555 eine Bulle, durch welche die äußersten