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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-25 · Heft 39 (25.9.1841) · p. Seite 559

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 39 (25.9.1841)
Date
1841-09-25
Page
Seite 559 (sequence 7)
Language
German
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559 scheu, die den einstigen Audienzsaal mit vergoldeten Fenstern umgeben, findest du ein ehrwürdiges Mausoleum, das Grabmal eines Chans Dwelet. Es ist ganz vom schwarzen Marmor, den der Meißel mit rohen Strichen behauen und ungeglättet ließ, damit es äussehe, als ob Feuer dasselbe geschwärzt und verkohlt. Nur über dem Eingang leuchtet um so mehr eine glänzend weiße Tafel, die mit goldenen Buchstaben eine arabische Inschrift entgegenhält. Die Inschrift verkündet den gräßlichen Tod des Chans, und — einen Fluch über uns Karäer. Du siehst, der Fluch hat uns Nichts geschadet, denn was vermag ein todter Chan? Laß mich dir den Untergang des Chans und die Ursache seiner Verfluchung berichten. Der Chan Dwelet war ein junger, blühender Mann, und die Geschichte beschreibt ihn als klug und wissensreich. Nur leidenschaftlich und jähzornig soll er gewesen sein, denn das Feuer seiner Jugend wallte und brausete in ihm, und wollte Alles vernichten, was sich ihm entgegenstellte, dahingegen verachtete er, was er besaß. Er hatte einen Harem voll schöner Frauen, aber sein Fuß betrat ihn nicht. Seinen Schätzen schenkte er keinen Blick, sondern kleidete sich einfacher, als der geringste seiner Würdenträger, und seine Tafel war so einfach, wie eines armen Wasserträgers. Aber mit seinen Nachbaren lebte er in ewigem Streite, und das Schwert kam selten aus seiner Hand, seinem Worte sollte Alles gehorchen. Darunter litten viele Menschen, und wenn er auch bisweilen mit verschwenderischer Hand die Wunden heilen wollte, die er geschlagen, man segnete seinen Namen nicht. Dabei war er sonderbarer Laune. Ost schloß er sich in sein Gemach ein, und Niemand durste vor sein Antlitz treten; oft wieder jagte -er auf wildem Rosse hinaus in die Steppen oder in die Felsen, und irrte Tagelang in der Oede umher, mit dem Gethier der Wildniß es aufnehmend, Leben um Leben. Man erzählt sich auch, daß er bisweilen verkleidet im Volke umhergegangen, aber sich selbst den schwersten Eid geschworen hatte, nie Jemandem Nachtheil daraus erwachsen zu lassen, sondern das Gesehene und Vernommene als Geheimniß in seine Brust zu verschließen. So lebte das Volk von Baktschi - Serai in beständiger Aufregung, und jeder Tag brachte ein Neues, was man sich leise zuflüsterte auf den Bazars, und weiter berichtete in den Hütten der Leute. Dort, wo die Stadt den Abhang hinuntersteigr, lag, etwas entfernt von den übrigen Wohnungen, das Häuschen einer Karäerfamilie. Sie war arm, denn der Vater war bettlägerig, und die einzige Tochter hatte viel zu schaffen, um das tägliche Brod für sich und den kranken Vater und den kleinen Bruder zu erwerben. Aber sie unterlag nicht, denn sie war festen Willens und großer Kraft; mit der einen Hand hob und pflegte sie den Vater, mit der andern forderte sie ihre harte Arbeit. Ach, Fremdling, fühlst du, wie groß es in einer Seele sein muß, die sich und die Freuden der Jugend opfert für die Ihrigen! Warum ist es so Vielen gegeben, nur Wohlthaten von den Eltern zu empfangen, und Nichts dafür leisten zu können?-Und Mirjam — sie hieß wie ich, und soll auch zu unsrer Familie gehört haben — war auch fromm und gottesfürchtig. Kein Gebet verfehlte sie, kein Gesetz ließ sie unbeachtet. Und außerhalb der Hütte sah man sie allein, wenn sie ihre'Arbeiten zum Lohnherrn hintrug, um den kärglichen Sold zu erhalten, und dafür die Bedürfnisse des Lebens einzukaufen. Dafür hatte sie aber Gott mit großer Schönheit gesegnet, ohne daß sie es wußte. Vor ihrem glühenden Auge hielt kein andres Stand, in hoher Gestalt schritt sie majestätisch hin, und die purpurne Lippe erklang von süßer Rede. Aber kein Jüngling warb um sie, denn Niemand wagte es, weil Keiner sich würdig dünkte, sie zu besitzen. Eines Freitags Abends war die Sonne früh untergegangen, und Dunkel in der Hütte, denn ich höre zwar, Fremdling, daß Ihr anderen Juden Lichter zündet an des Sabbats Vorabend, aber solche Entheiligung bleibt uns fern, denn die Lehre des Herrn hat sie verboten. Mirjam saß am Lager ihres Vaters, der vor großen Schmerzen stöhnte. Sie strich mit ihrer zarten Hand den steifen Arm des Greises, daß es ihm wohl that, und das Lockenhaupt ihres Brüderchens hatte sich in ihren Schooß gelegt, und war eingeschlafen. Da klopfte es an die Thüre des Hauses, und forderte Einlaß. Tritt herein, rief die Jungfrau, denn die Pforte ist offen. Einen Trunk Wassers für einen Durstenden, rief der Eintretende. Du sollst ihn haben, wenn du im Dunkel sehen kannst. Da stieß der Fremdling das

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