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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-25 · Heft 39 (25.9.1841) · p. Seite 558

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 39 (25.9.1841)
Date
1841-09-25
Page
Seite 558 (sequence 6)
Language
German
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558 zu lernen, die mit Gastfreundlichkeit mich aufnahj men -und mit Liebe behandelten. i Eine? Tages hatte ich mich auf. einer Exkursion! zu weit in die Felsen verlocken lassen. Ohne Fühj rer hatte ich mich in den Steinwald geworfen, und j als ich den rechten Weg verloren, wollte ich einen überragenden Gipfel erklettern, um mich nach irgend einem bekannten Punkte umzuschauen. Noch hatte ich nicht die Mitte der Höhe erstiegen, als ich auf einen losen Stein trat, der nachgab, und mich in die Tiefe rollen ließ. Zum Glück waren es nicht zackige Riffe, auf die ich siel, sondern nur ziemlich weiches Gerolle. Aber mein Bewußtsein schwand doch vom Sturze, und nur ein brennender Schmerz erweckte mich aus der Ohnmacht. Ich fühlte alle meine Glieder wie zerbrochen, einige Wunden in den Weichtheilen, Kontusionen überall. Der Herr sandte mir Hülfe. Einige tartarische Bauern kamen mit Holzwägen aus dem nahen Walde, und als ich alle Kräfte zusammennahm und um Hülfe rief, traten sie menschenfreundlich an mich heran, luden mich auf einen Wagen, den sie vom Holze leerten, und führen mich in die Stadt. Als sie frugen, wohin sie mich bringen sollten, wußte ich nichts Besseres, als sofort das Haus des angesehenen Karäers Jakub anzugeben. Ich fühlte, ich bedürfe mehr als der gedungenen Hand des Lohnarbeiters. Neben dem Schrecken, den mein Unfall in der Familie des Jakub bewirkte, war es eine innige Freude, ein gewisser Stolz, die sich am lautesten äußerten, daß ich nicht angesianden, ihrer Menschenfreundlichkeit mich anzuvertrauen in meinem Unglück. Die Heilung dauerte lang, und erst nach vier Wochen durfte ich am Arme eines Dieners das Bett verlassen und in den kleinen Garten hinter dem Hause wanken. Mein Wirth war in Geschäften verreist, und hatte mich insonders der Sorgfalt seiner Frau und ältesten Tochter überlassen. Und wie vollzogen sie die Pflichten der Gastfreundschaft! Nicht einen Sohn des Hauses hätten sie mit größerer Zärtlichkeit beschicken können, auf jeden Blick meines Auges, auf jeden Zug meines Mundes wurde mit gespannter Aufmerksamkeit gelauscht. Und damit der Leser dies gleich im ganzen Umfange zu schätzen wisse, soll er wissen, daß ich nicht reich und nicht jung bin — meine einzige Empfehlung war, ich war Fremdling, und es ist wahr, umgänglich, herzlich und offen. In der kleinen Laube des Gartens lag ich auf dem weichen Divan, und genoß des kühlenden Luftzugs von den Felsen und dem Strome her. Die Mutter und die Tochter — letztere ein reizendes Geschöpf mit . schwarzen Gluthaugen, regelmäßigem Profil und selten weißem Teint — saßen auf Kissen, die auf Teppichen lagen, und unterhielten mich. Bald frug ich sie nach ihren eigenthümlichen Sitten und Gesetzen, wodurch sie sich von den übrigen Juden unterscheiden, bald forschte ich nach den Gewohnheiten ihres Lebens und den Neigungen ihres Herzens und ihren kleinen Erlebnissen, bald ergingen wir uns in den Verhältnissen der Stadt und der Juden insbesondere, und wie es wol ehemals um sie gestanden, als noch der tartarische Chan das Szepter geführt, und wie jetzt, da sie dem Gesetze des großen russischen Reiches gehorchen. Im Allgemeinen sprach sich Zufriedenheit mit den jetzigen Zuständen aus, um so mehr, da die Karäer bevorzugt werden von Rußland-, und aus alter Zeit noch manche Erzählung von den Gewaltthaten der ehemaligen Machthaber sich erhalten. Begierig haschte ich nach diesen, und zeigte den Damen mein Verlangen, ein Näheres davon zu wissen. Gut, sagte die Mutter, du kannst, Mirjam, dem Wunsche unsres Gastes genügen, da du am meisten Hann bewandert bist, von deiner Base her, die du «'s deiner Kindheit pflegtest. Noch ist die Sonne ^vas entfernt von dem Rande der Felsen, und unser Gast kann noch einige Zeit im Freien bleiben. Die Tochter zögerte nicht, und begann mit ihrer klangvollen Stimme. Erlaube, Leser, daß ich die Erzählung der schönen Karäerin dir vortragen darf Ich wollte, du hattest sie aus ihrem lieblichen Munde selbst vernommen, mit all' dem Feuer ihres Vortrags, ihrer kindlich heißen Beredtsamkeit, ihren belebenden Gesten. Ich bedaure es, denn die kühle Reminiscenz eines ältlichen Reifenden kann dir keinen hinlänglichen Ersatz bieten. Fremdling, du bist schon durch die schweigenden Hallen und Laubgänge im Pallaste unsrer früheren Herrscher geschritten. Alles ist still und todt in ihnen, und die Hand des Pflegers wartet ihrer nur zum Gedächtniß der Verstorbenen. Aust der westlichen Seite, versteckt hinter den Lauben und Gebü-

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