Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 549 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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549 den. An diesem Wolke mußte das ganze Leben ein verschiedenes werden von jenem unabhängigen Leben der Menschheit, mußte ganz von der Unmittelbarkeit eigens gestaltet werden. Der Mosaismus faßte daher das Leben des Menschen als ein einiges, und seelisches, leibliches und soziales Leben als eine Einheit, welche durch und durch von der Unmittelbarkeislehre gestaltet werden müsse. So wie er die Offenbarung als die Annäherung Gottes zum Menschen aus dem Bel reiche der Sage (bei alten Völkern) in die Wirkj lichkeit brachte und zu einer historischen Wahrheit! machte: so stellte er als das Prinzip alles menschlichen Lebens — die Heiligung fest, d. i. die Vergöttlichung des Menschen. Wie Gott lamp ist, so soll der Mensch wiip werden. Diese Heiligung hatte in leiblicher Beziehung zum Ziele: 1) den Menschen hinsichtlich der Ernährung vor der Aufnahme alles Stofflichen zu wahren, welches das thierische Leben zu stark ausprägt und trägt z. B. Blut, Raubthiere ff., oder in seiner Organisation unvollkommen ist, z. B. Fische ohne Schuppen (diese haben auch keine Gräthen), Reptilien ff. — welches die menschliche Organisation zu sehr affiziren und zur Erhöhung der materiellen Leidenschaften, der thierischen Natur beitragen würde; 2) hinsichtlich seiner Haltung möglichste Reinheit und Unbeflecktheit zu bewirken und von allem Tobten, Faulen entfernt zu halten, so daß er von diesem durch Waschungen getrennt werde; 3) hinsichtlich seiner Fortpflanzung alles Naturwidrige verpönen', den Akt als einen niedern Grad des Menschenlebens zu deprimiren, ihn einzuschränken, gewissen Gesetzen und Reinigungsvorschristen zu unterwerfen; 4) überhaupt aber den Menschen in leiblicher Beziehung an eine natürliche Einfachheit zu gewöhnen und zu binden. Es ist bei allem Dem nicht zu übersehen, daß, indem das leibliche Leben den Gesetzen der Heiligung unterworfen ward, auch zugleich in der Befriedigung desselben immerfort, bei jeglichem Schritte, der Gedanke an Gdtt und dessen Willen geweckt ward. In sozialer Beziehung wurde die Heiligung folgendermaßen ausgeprägt: das wirkliche Leben wurde möglichst zu einem Leben in der Heiligung erhoben, indem es 1) immerfort durch Zeiten unterbrochen wurde, welche das materielle Leben aufhören ließen, um dem religiösen Leben Raum zu lassen: Sabbat, Feste der Heiligung (Drommeten- und Versöhnungsfest), Feste der Geschichte und Natur (Peßach, Schebuot, Succot); 2) in völliger Abhängigkeit von Gott gehalten wurde, indem aller Ertrag als Gabe Gottes angesehn, von der beträchtliche Theile zu religiösen Zwecken zu verwenden seien (Erstlinge, Zehnten, Armentheile ff.), alle Ländereien von Zeit zu Zeit (das siebente Jahr) unbearbeitet, und ihr Ertrag allen Menschen zu freier Benutzung übergeben (ursprünglich gleiches Besitzrecht der Menschen) und jede Verschuldung erlassen ward, und in einer größer» Epoche (50stes Jahr) alle Güter wieder an den Erbbesitzer sielen und alle Menschen wieder in gleiche persönliche Freiheit gesetzt wurden. Durch die beiden letzten Gesetze wurde zugleich der zu großen Entwickelung des Schulden- und Handelswesens, als einer Ueberwuckerung des materiellen Lebens über das geistig-religiöse entgegengewirkt; 3) wurden alle Menschen als eine Familie, als Kinder eines Gottes sestgestellt, so daß Gleichheit der Rechte Aller und eine der Selbstliebe gleich kommende Nächstenliebe als gesellschaftliches Lebensprinzip geboten, alle Beziehungen der Menschen aber unter einander zugleich als Beziehungen zu Gott gesetzt (Verhalten gegen Blinde, Taube, Greise, Arme ff., Fremdlinge ff aus der Furcht vor Gott heraus), alle gesellschaftlichen Tugenden als verdienstlich bei Gott, alle gesellschaftlichen Sünden, als Sünden gegen Gott proklamirt wurden. (Man vergesse nie, daß alle diese Begriffe durch den Mosaismus, also die in ihm enthaltene Offenbarung, in die Menschenwelt kamen, wogegen z. B. selbst das Gericht nach dem Tode die Griechen sich von ehemaligen Menschen (Minos, Rhadamanthes), nicht von den Göttern ausgehend dachten). Endlich in seelischer Beziehung. Hier wurde die Erkenntniß des einigen und geoffenbarten Gottes als oberstes Lebenselement hingestellt, eine Erkenntniß, die weder auf logische Schlüsse, noch auf mystischen Glauben gestellt sein sollte, sondern in Israel als ein Faktum so genommen, wie man das Dasein einer Pflanze nicht zu konstruiren hat, wenn man sie in der Hand hat. Diese Erkenntniß sollte zur höchsten Liebe Gottes werden „von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Vcr-