Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1841-09-18 · Heft 38 (18.9.1841) · p. Seite 548

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
5 (1841)
Issue
Heft 38 (18.9.1841)
Date
1841-09-18
Page
Seite 548 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225173-3225212--03816-3313375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

548 Theologie. Einiges über den Inhalt des Zudeuthums. III. Die Idee Israels war (nach dem Voraufgegangenen): ein Volk zu schaffen, welches lediglich der Lehre eines einigen und unmittelbaren Gottes lebte, sein Dasein in allen seinen Ausstrahlungen hierauf beschränkte, die Einigkeit Gottes durch sein Wort, die Unmittelbarkeit (Offenbarung) Gottes durch seine ganze Existenz bewährte, und so für die gesammte Menschheit das Werkzeug wäre, durch welches derselben diese Lehre mit allen ihren Konsequenzen übergeben werde. Je weniger es sich hier um ein Philosophen: handelte, sondern darum, daß die Lehre der Einigkeit und Unmittelbarkeit Gottes um und um Leben werde, und das wirkliche Leben mit ihren Konsequenzen, der religiösen Sittlichkeit, beherrsche: genügte es nicht, jene Lehre als einen bloßen Gedanken, als eine Theorie von Denker auf Denker zu überliefern, wie etwa griechische Philosophen sich eine Schule gründeten, in der sie ihre Ansichten der Nachwelt immerfort überliefert glaubten — sondern ein ganzes Volk mit allen seinen Institutionen und seiner ganzen Geschichte mußte zur Ausprägung jener Lehre dienen, damit diese, je nach dem Entwickelungsgange der Menschheit, auf diese einwirken und übergehen könne, wie von Wirklichkeit auf Wirklichkeit. Immer und immer muß daher berücksicht-igt bleiben, daß es hier nicht galt, eine dürre Idee, blos als solche, dem Volke aufzupsropfen, sondern die Idee, welche dem Leben der Menschheit wie jedes einzelnen Menschen die wahrhafte Unterlage und das rechte Leben schaffen, und diejenige geistige Folie dem materiellen Leben unterbreiten sollte, welche dem menschlichen Leben gänzlich fehlte, und immer nur theilweise erst noch heute vorhanden ist. Denn wenn von der einen Seite die Einigkeitslehre den einzig rechten Begriff von der Gottheit geben sollte, so sollte doch von der andern Seite die Unmittelbarkeitslehre ein so unmittelbares Verhältniß zwischen Gott und Mensch herbeiführen, daß des letztern Leben ein Leben in Gott werde. Die Menschheit hatte ein von Gott unabhängiges Leben begonnen; und wenn dies auch von der Ahnung der Gottheit, von der Sage ihrer Unmittelbarkeit zum Menschen durchspielt ward, so wurden, diese doch nur Spiel der Phantasie, und später Gegenstand des philosophischen Denkens. In beiden war aber die Unabhängigkeit von Gott erst recht gegeben, da beide Willkür des Menschen selbst waren. Je mehr Beide Herren ihres Gegenstandes wurden, desto mehr verfiel der Werth ihres Inhalts, denn mit der Auflösung des Alterthums mußte auch das selbst Produzirte vermodern. Daraus hatte sich ein wirkliches Leben gebildet, daß von Gott weiter ab, als die Erde vom Himmel, und auf seinen eigenen Füßen stand. Dieses von Gott unabhängige Leben der Menschheit in allen seinen Nüancen, des philosophischen Denkens, des Phantasiespiels und des materiellen Lebens, stand und steht daher der Unmittelbarkeitslehre gegenüber, zu bekämpfen, zu überwinden. Nicht als ob das erstere nicht seine eigene Wichtigkeit, seine eigene Großartigkeit und seine .Nothwendigkeit hätte und habe. Alles ist in der Hand Gottes rechtes Mittel zum rechten Zwecke, und die Freiheit des Menschen sollte von der Offenbarung nie beseitigt und beengt werden. Darum wurde ja nur ein Volk ihr Werkzeug, der geringsten und verachteten Stämme Einer, damit die Unterwerfung der Menschheit unter die Einigkeits-.und Unmittelbarkeitslehre und das Leben in dieser ein rechter Akt der menschlichen Freiheit, der Offenbarung und Freiheit Triumph werde. Nichts desto weniger mußte und muß dieses von Gott unabhängige menschliche Leben, welches als höchstes nur lmmsmim, nicht divinum sich erkannte, bekämpft und überwunden, oder vielmehr höher hinauf gehoben werden. So sehen wir denn, daß der Mosaismus nicht blos, wie man nach der heutigen Zersplitterung des Lebens oft wünscht, die Idee der Einigkeit und Unmittelbarkeit allein hinstellen konnte, ja auch damit konnte er nicht genug haben, das allgemeine Leben, so wie es aus dem Unmittelbarkeitsverhältnisse heraus sich gestalten soll, zu lehren; sondern er mußte, dieses zu begründen, zugleich aus einer noch rohen Masse ein Volk schaffen, und so die Allgemeinheit an ein besonderes Werkzeug, sogar an eine besondere Lokalität (Palästina) bin-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.