Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 547 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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den. Bei jeglichem Stoße während welchem ein jämmerliches Geschrei unter Anrufung des Gottes Abrahams, Jsaks und Jakobs, erscholl, schrie ihm der Priester zu: „Allmächtiger^ ewiger Gott! erbarme dich meiner, auf daß ich im selbigen Glauben sterbe, an welchem meine ewige Seeligkeit hängt!" Nachdem bereits durch etliche und dreißig Stöße mittelst eines 80 Pfund schweren Rades die Ober- und Unterschenkel abgestbßen waren, wurden nun die Stöße gegen die mit der Hand bedeckte Brust gerichtet. Und nachdem drei kräftige Stöße versetzt worden waren, ohne daß eine Wirkung erfolgte, wurde die Brust entblößt und ohngeachtet neuerlicher 8 Stöße war nicht die geringste Verletzung der Haut und kein Blutstropfen zu bemerken, obschon die andern zerbrochenen Schenkel von Blut trieften. Er empfing, diese gewaltigen Bruststöße ohne Geschrei, mit aller Stille, gleich einem Menschen, der im tiefen Nachsinnen versunken. Der Pater indessen, der, jeglichen Stoß als tödtlich befürchtend, in Sorgen war, daß er unbekehrt sterben und so auch des ewigen Lebens verlustig werden könnte, schrie ihm einüber das andere Mal zu: „Allmächtiger ewiger. Gott, erbarme dich mein, damit ich im selbigen Glauben sterbe, an welchem meine Seeligkeit hanget." Schon zählte man den zehnten und auch den eilften Stoß auf die Brust, als der Geräderte den ihm zur Seite stehenden Pater lieblich ansehend, mit den Worten anredete: Pater! er gebiete dem Henker still zu stehen. Der Pater winkte dem Henker zu, und der ermattete Henker hielt still. Der Pater stellte nun dem bereits halbtodt Geräderten vor, wie die Barmherzigkeit Gottes nicht verkürzt sei, „sterbe mein Kind," sprach er, „in solchem Glauben, an welchem die ewige See- „ligkeit hängt. Ich habe auch schon Weihwasser „mitgebracht, dich zu taufen. Du weißt, daß ich „dich allezeit geliebt habe, und zwar mit solcher „Liebe mit welcher ich verlange ein Kind zu sein der „ewigen Seeligkeit, eben aus selbiger Liebe begehre „ich dich also zu sein." — „Der Pater verziehe ein wenig," sprach jener, „ich werde die Sache noch mehr bedenken." — Kaum hatte man den halben Theil des Vaterunsers ausgebetet, da fragte der Kurzhandl: „Pater was verspricht er mir durch die Tauf?" — „Sieh, mein Kind!" sprach der Pater, „bei Gott Barmherzigkeit und das ewige Leben, auch daß du leichter sterben sollst." — Hierauf rief Kurzhandl nach einigem Bedenken: „Ich will getauft werden!" — „Gut, mein Kind!" sagte der Pater, „du weißt, daß ich dich allezeit mit selbiger Liebe geliebt, mit welcher ich dich und mich verlange, ein Kind der ewigen Seeligkeit zu sein. Wie willst du genannt werden? Joannes?" — „Ja," sprach er, „Joannes, Joannes." Er taufte ihn hierauf und stimmte den Psalm an: „Lobet ihr Kinder den Herrn." — Um den letzten tödtlichen Streich von seinen Augen abzuwenden, befahl der Pater des Sünders Augen zu verbinden; und so erhielt erden letzten tödtlichen Stoß, worauf er seine Besinnung verlor und den Geist aufgab. In seinem Tode und Uebertritt sah die Rechtgläubigkeit die wunderwirkende Hand Gottes und dessen unergründliche Barmherzigkeit. — Hiemit schließen die Akten. Andere Quellen außer einigen von Mund zu Mund sich fortgepflanzten Mittheilungen sind uns unbekannt. Wir sind daher auch nicht berufen in einer Angelegenheit zu entscheiden, die wir nur aus einseitiger Quelle kennen. Hat Religionshaß wirklich einen Vater zu einer solchen unnatürlichen That verleiten können, und konnte sich noch ein Mithelfer finden, der in solcher That vielleicht etwas verdienstliches erkannte, so müssen wir allerdings hie schreckliche Verirrung des menschlichen Herzens bedauern, die zu einer solchen Verkennung des wahren Wesens wahrer Religion zuführen uNd das natürliche Gefühl der Liebe in einen solchen glühenden Haß zu umwandlen vermochte. — Andrerseits aber können wir uns der Bemerkung nicht enthalten, daß zu einer Zeit, wo man wirklich überzeugt zu sein glaubte, daß die durch den Uebertritt zur alleinseligmachenden Kirche zu erringende Seligkeit, durch keine Opfer zu theuer erkauft werde, und die Vcrdammniß der außer der Kirche Verharrenden durch kein anderes weltliches Uebel ausgewogen werde, der Fanatismus leicht auch unter den Formen des Rechtes sein Unwesen treiben konnte. Jedenfalls bleibt die Art und Weise, wie die Bekehrung des zum Tode gemarterten Jnquisiten betrieben wurde, ein interessanter Beitrag zur Charakteristik jener Zeit und des darin waltenden kirchlichen Lebens.