Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 5 (1841)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1841)
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Seite 546 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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546 Ham, Jsak und Jakob' heute sterben wollten, wenn sie heute mit uns lebten? „Also auch ich," erwiederte Kurzhandl. — „Merke wohl," ermahnte ihn der Pater, „wenn sie jetzt mit uns lebten, glaubten „sie alles, was wir Rechtkatholische glauben und für „dieses wollten sie sterben; willst du auch getauft „werden?" — „Mein Pater!" erwiederte er, „ich bitte mich mit der Taufe nicht zu beunruhigen, dann ich in selbigem Glauben sterben will, in welchem Gott, der Himmel und Erde erschaffen, will, daß ich sterbe, und an welchem mein ewiges Heil hängt. Ich bitte, er sei mir ferner nicht überlästig; nun will ich beten und mich zum Tode bereiten." Der Pater obwol er keine Hoffnung zur Bekehrung sah, ».erließ ihn dennoch nicht. Während des Betens, wird weiter erzählt, soll Kurzhandl den Pater also angeredet haben: „Pater! Sie werden sich heute verwundern, über das, was ich auf dem Gerichtsplatz sagen werde, also wahrhaft, wie diese Psalmen, das wahrhafte Wort Gottes seien." Hierauf betete er seine Psalmen fort und bereitete sich zum Tode vor, und zwar ohne Gebrauch der jüdischen Riemen (Tefillio), obschon bei den Juden, das Beten ohne solche, für ein Gräuel gehalten wird'). — Mit helllauter Stimme, unter den seltsamsten Leibesbewegungen, mit den gefesselten Händen stark an die Brust klopfend, und unter den heißesten Thränen betete er, so daß die Beistehenden in ihm ein wunderbares Schauspiel eines Büssendcn erblickten. Mit erhobenen Augen gegen Himmel und unter Anrufung göttlicher Nahmen, die er nach Ordnung des hebräischen Alphabets zusammengezogen rief er Gottes Barmherzigkeit an. Von neun Uhr an betete er wieder Bußpsalmen und verharrte in diesem Gebete bis zur Ankunft des Henkers. Als dieser kam, erbat er sich von ihm, ihm nur so viel Zeit zu gönnen, bis daß er seine Bußpsalmen vollendet haben würde. Als der Henker zwei Stunden später eintrat, redete er ihn mit heiterer Miene und lächelndem Angesicht ganz liebreich also an: „Mache mit mir, was dir von Gott und dem Richter anbefohlen; Ihr aber liebe Mitgefangene, habt euch wohl, verzeiht mir ®) Der Referent scheint nicht gewußt zu haben, daß am Sabbat die Tcsillin von Juden nicht angelegt werden. Fehler und begangene Mängel, und seid meiner bei Gott in eurem Gebete eingedenk." Denselben Tag hatte er das strengste Fasten beobachtet. Nun wurde er aus dem Kerker geführt und auf eine Ochsenhaut gebunden, ohne ein Zeichen der Ungeduld oder des Mißfallens von sich zu geben. Mit aufgehobenen Händen betete er seine hebräischen Gebete den ganzen Weg bis zum Gerichtsplatz, wohin er geschleppt wurde. Den, neben ihm her gehenden Pater, den er wegen des gewaltigen Andrangs des ungestümen Pöbels, in Gefahr glaubte, bat er vorauszugehen und ihn daraußen zu erwarten. Am Gerichtsplatz empfing der. Pater den Geschleppten, den er mit derselben Geduld und Ergebenheit traf. Er wurde von der Ochsenhaut losgebunden, und seiner Fesseln entledigt, bestieg er ganz beherzt den Gerichtsplatz, und bekannte sein Verbrechen abermals mit folgenden Worten: „Nun ist ankommen die Zeit, in welcher „ich nach hinterlegten 19 Jahren, in die Ewigkeit „abceise. Damit derohalben von gefährlicher Ge- „wiffenslast nicht etwa meine arme Seele beschwert „würde, sollen alle und jede hier Gegenwärtige „wissen, daß ich von des Simon Abeles Vater über- „redet, diesen Mord begangen, und weder des Er- „mordeten Stiefmutter, noch ein anderer daran schul- „dig seie; ja Alles für gewiß und wahr zu halten „sei, was die Zeugen wider mich ausgesagt. Darum „auch mein höchstes Bitten an diejenigen, deren „Amt es betrifft, hiemit ist, damit hinfüro Niemand „wegen meiner unschuldig leide; dann ich in Ruhe „mein Leben nicht könnten beschließen")." — Hierauf wandte er sich auf die andere Seite zu den drei j Stadtrichtern und sprach: „Ich will sterben im „Glauben, in welchem Gott, der Himmel und Erde „erschaffen, will, daß ich sterben solle, und an wel- „chem meine Seeligkeit hanget." Hierauf wurde er vom Henker entkleidet, auf die Erden geworfen, ausgestreckt und an den dreischneidigen den Gliedern unterlegten Brechhölzern gebun- ") Alte Leute der hiesigen Gemeinde wollen wissen, daß er dieses unwahre. Geständniß blos deswegen abgelegt, um jede fernere Untersuchung und Verfolgung abzuwenden. Nachdem ec einmal für sich keine Hoffnung gesehen hatte, wollte er wenigstens die tröstende Beruhigung haben, daß er als Opfer für Anderer Sünden (yiy mso) gefallen sei.